Tales of Snowcat 8: Saving the Witch

TALES OF SNOWCAT (8)

ERA6: Light Baroque

AGENDA12: Boston Lockdown

DATE1: 06/28/ 2076

BROADCAST6: Unter „SatHS in Danger“ wird Material als Dokumentation der Situation in Boston gedreht. Episode S3/E6 wird ab 08/07/2076 als Stream zu Verfügung gestellt.

PRODUCTION: Spinrad Media

APPEARANCE2 : AveRage, Columbo,  Doc, Eden, Fang, Fierce, Foggy, Liam (aka Sapper), Mash, Mr. Tea, Shark Finn, Sinister, Snowcat, Tiernan;

SPECIAL APPEARANCE2;7: Alba14, Dave, Sionn13, Tango,

SPOILER ALERT: Die Episode enthält massive Spoiler auf Boston Lockdown von Catalyst Game Labs

WARNING: Diese Trideoserie ist für Zuschauer unter 17 Jahren nicht geeignet. Sexualität, Gewalt, Magie, Tod, Kraftausdrücke und Drogenkonsum können vorkommen. Mitglieder der Howling Shadows sind in Waffen- und Magiegebrauch ausgebildet und sind sich der tödlichen Gefahr bewusst, mit der sie es während des Drehs zu tun haben. Zuschauer werden gebeten, diese Dinge nicht nachzumachen, es sei denn, es wird in einem Nachspannclip ausdrücklich erlaubt. Ferner ist absolut davon abzuraten, sich auf eigene Faust mit den gezeigten oder ähnlichen magischen Gefahren, Geistern und/oder Crittern anzulegen.

WAS BISHER GESCHAH

Snowcat erfährt aus Matrixquellen frühzeitig von den Ereignissen in Boston. Als klar ist, dass der gesamte Sprawl wegen einer mysteriösen Krankheit, offiziell eine Version von Enzephalitis, abgeriegelt wird, beschließt Snowcat, nach Boston zu gehen, um nach Tango und Dave, zwei eingeschlossenen Freunden, zu sehen. Snowcat ruft das Team zusammen.

Alle UCler erklären sich sofort bereit, sich an der Mission zu beteiligen. Ein Teil bezieht in einem Lager außerhalb des Lockdown Stellung. Die Gruppe um Snowcat lässt sich in Boston abwerfen. Sie kapern Versorgungsdrohnen für ihre Reise in den abgeriegelten Sprawl. In Boston angekommen haben die Howling Shadows gleich den ersten Kontakt mit Shamblern, der wahren Bedrohung, die die Ursache für den Lockdown ist. Man kehrt schließlich bei Tango, dem Fechtlehrer von Snowcat, ein und baut dort das Basislager auf. Die Runner kommen schnell zu dem Schluss, dass es sich bei der ausgebrochenen Krankheit um eine veränderte Form von CFD handelt. Außerdem vermutet man, dass Experimente und Forschung von NeoNET sowie der Große Drache Celedyr und Cerberus für den Ausbruch verantwortlich sind. Das Team möchte unbedingt herausbekommen, was es mit all dem auf sich hat.

Innerhalb der nächsten Tage retten Snowcat und die Howling Shadows Dave und den Hub-Blogger, letzteren aus der HCZ. Außerdem befestigen sie ihr Lager und bauen es aus.

Ein gewisser DJ, ein Elf und vornehmlich Detective bei Knight Errant, erfährt von diesem Einsatz in der HCZ. Er nimmt Kontakt zu Snowcat auf und beauftragt sie, in die schlimmste Zone von Boston, die MCZ, zu gehen. Dort sollen die Runner neun Metamenschen rausholen. Bei dieser Mission wird den Runnern bewusst, wie viele Shambler und Rager es offenbar geben muss.

Kurz nach diesem Run meldet sich Zoh Rothberg, die Sprecherin des großen Drachen Celedyr, bei Snowcat. Sie hat gehört, dass unter dieser Nummer fähige Runner verfügbar sein sollen. Zoh beauftragt Snowcat, in das magische Labor Nummer 15 einzudringen und dort die Situation zu dokumentieren. Auch dieser Job gelingt. Allerdings bringt er gleich zwei unschöne Erkenntnisse mit sich: Die Shambler können regenerieren, und AveRage ist schon seit längerem mit CFD infiziert. Er infizierte sich bereits, als er vor Jahren in einem NeoNET-Labor in Albuquerque gefangen gehalten wurde.

Da Tangos Studio nun schon 19 Metamenschen beherbergt, beschließt man, Wohnmobile zu besorgen, um mehr Schlafplätze, WCs und Betten zur Verfügung zu haben. Auch diese Mission wird erfolgreich abgeschlossen, verläuft aber ohne die Führung von Snowcat, Liam oder Doc chaotisch.

Eines schönes Morgens wird Eden auf ihrem Wachposten auf dem Dach via Matrix angegriffen, weitere Commlinks spielen verrückt. Als man den Angreifer stellt, entpuppt er sich als Sionn, ein Elf aus dem O’Niall-Clan, der ebenfalls in Boston gestrandet ist. Sionn bleibt. Als O’Niall genießt er einen Vertrauensbonus. Es ist klar, dass er zukünftig mit auf Missionen gehen wird.

ANMERKUNGEN

1. Der Zeitstempel wird an unsere Zeitlinie angepasst und ist maximal an die offizielle Timeline angelehnt.

2. Die Episode wurde am 23.02.18 erspielt. Neben mir und dem GM, war der Spieler von Fang/Sinister anwesend. Außerdem hatten wir in der Spielerin von Alba einen Zaungast, die sich das RPG-Spielen mal angesehen hat. Wegen den Widrigkeiten und Schönheiten des RL, können nur selten alle Spieler am Spielabend teilnehmen. Deshalb können Charaktere ohne weitere Erklärung auftauchen oder verschwinden. Darüber, welche Charaktere mit auf einen Run gehen, entscheiden die Spieler nach eigenem Gefallen. Das muss nicht immer die logistische Entscheidung sein. Manchmal ist ein Charakter mit auf einem Run, obwohl sein Spieler abwesend ist. In diesen Fällen wird der Charakter zwar mitgeführt, sein Handeln gerät, wenn möglich, aber in den Hintergrund. Der Spotlight soll auf Charakteren stehen, deren Spieler anwesend sind. Gegebenenfalls hinterlassen Spieler beim GM Regieanweisungen. 

Eine Beschreibung aller Charaktere und Marks findest du hier [LINK].

Eine Übersicht von Cast und Crew von SatHS findest Du hier [LINK].

3. Die verlinkten Songs sollen lediglich zu Stimmung beitragen und enthalten keine versteckten Hinweise. Jedenfalls meistens nicht :). Übrigens kaufen wir jeden in den Episoden verwendeten Song, sollte er sich nicht schon vorher in unserem Besitz befunden haben. Nicht nur, damit wir die Songs jeder Zeit auf all unseren Geräten abspielen können, sondern auch, weil wir damit den jeweiligen Künstler unterstützen möchten. Eine Liste mit dem kompletten SatHS Soundtrack findest du hier [LINK]. Eine YouTube Playlist zur aktuellen Season findest du hier [LINK].

4.Die Truppe mit der Captain America (Marvel) im zweiten Weltkrieg gegen Hydra ins Feld zieht, heißt „Captain America and the Howling Commandos". Daran angelehnt, entstammt die Titelidee eigentlich. Abgesehen davon, ist „Howling Shadows“ der Titel des aktuellen Shadowrun® -Critter Quellenbuchs von Catalyst. Wir fanden die Doppeldeutigkeit gerade bei der Zusammensetzung des Teams passend. 

5. Eine Übersicht des Steampunk- Journals findest Du hier [LINK].

6. In den ‚Tales of Snowcat’ erzählt Snowcat einem imaginären, nicht näher definierten Zuhörer die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Sicht. ‚Period' beschreibt dabei den Lebensabschnitt auf dem sich Snowcat befindet. ‚Era' beschreibt das Farbthema, unter das Snowcat in dieser Zeit den Inhalt ihres Kleiderschranks gestellt hat. ‚Broadcast‘ fasst zusammen, was von dem per Drohne gedrehten Material dem Trideo-Zuschauer der Serie Snowcat and the Howling Shadows zur Verfügung gestellt wird und wann es gestreamt wird.

7. Einige der Namen, die in der Geschichte auftauchen, sind auch in der offiziellen Shadowrun-Welt ein Begriff. Ähnlichkeiten sind beabsichtig. Allerdings kann das hier dargestellte Bild auch deutlich von dem Bild im SR-Kanon abweichen, da es unserer Spielwelt angepasst wurde.

8. KE, kurz für Knight Errant, ein Sicherheitskonzern und Tochter von Ares Marcotechnologies.

9. Teilweise stehen Dialoge in diesen « » Textzeichen. Die gesprochenen Worte werden dann vornehmlich via Teamnetzwerk oder Commlink verbreitet und sind für Wesen, die keine Mitglieder im Teamnetzwerk sind, nicht oder nur schwer zu hören. Ferner stehen in < > schriftliche Nachrichten und in ‹ › stehen Dialoge via Geistesverbindung, wie zum Beispiel die mit einem Geist unter Kontrolle, Gespräche via Mindnet oder Dragonspeech.

10. „AveRage“ hat seine Drohnen-Kamera-Einheiten, die je aus drei CU^3 bestehen, nach berühmten Kameramännern benannt.

11. Snowcat sieht die Geister, die einen Element zugeordnet sind als klassische Elementarwesen:  Luftgeister sind Sylphen, Erdgeister Gnome (früher Brownies), Feuergeister Salamander und Wassergeister sind Undinen. Jeder Geist, den sie beschwört, hat für sie zudem einen eigenen Namen. Guidance Spirits sieht Snowcat als weise Paten, die sie mit Godfather und Godmother betitelt. Guardian Spirits sind für sie Warden, also Krieger verschiedenen metamenschlichen Rassen. Die Warden tragen als Hommage an meine Lieblingsbuchsreihe den ‚Dresden Files‘ von Jim Butcher, die Namen von den Warden des White Council. Spirits of Man sind für sie Leprechauns (Kobolde) und Task Spirits sind Brownies. Beast Spirits bekommen den Titel Master und Plant Spirits den Titel Mother (z.B. Master Wolf oder Mother Oak). 

12. Schlagwort(e), Überschrift(en) unter dem die Episode steht.

13. Ausgesprochen: Schuhn.

14. Alba wird von der Spielerin T. geführt, die an diesen Abenden zum ersten Mal überhaupt ins RPG reinschnupperte.

15. Der Song wurde von der Spielerin von Alba ausgesucht.

POSTED BY SNOWCAT

[Song 1: Ed Sheeran - Galway Girl3] Sionn ließ es sich nicht nehmen und ging vor mir auf die Knie. 

In diesem Moment fand ich es ein wenig schade, dass ich kein passendes Krönchen - Moment, das klang, als wenn ich dabei eine Auswahl gehabt hätte, ich besitze keine Auswahl an Kronen, Diademen oder Tiara, jedenfalls noch nicht - also noch mal: ich fand es ein wenig schade, dass ich kein Krönchen dabei hatte. Das hätte mir in dieser humorig angedachten Zeremonie gut gestanden. 

Ein Krönchen würde mir immer gut stehen!

Ich hatte Sionn die Ritterschaft gewährt, obwohl ich normalerweise sehr eigen bei der Wahl meiner Ritter war. 

Ritter ‚hatte‘ ich bisher zwei. 

Zum einem war da mein Liebster, den ich gerne zärtlich als meinen Ritter bezeichnete. Kaum dachte ich an ihn, breitete sich ein angenehmes Gefühl in mir aus und ich konnte nicht anders, als noch ein wenig strahlender zu lächeln. 

Dann war da natürlich Liam. Er mochte zwar alles andere als ritterlich wirken, aber er war der, der jederzeit bereit dazu war, mich zu retten und dies auch schon einige Male getan hatte. Außerdem war Liam derjenige, wegen dem ich mir vorgenommen hatte, Königin am Seelie-Hof zu werden. Jedenfalls, wenn sich das als der Weg bestätigte, der Liam die Rückkehr nach Tír na nÓg möglich machen konnte. 

Sionn hatte mich von sich aus gebeten, mein Ritter werden zu dürfen - und ich stand nun mal auf solche Dinge, selbst, wenn sie mit einem Augenzwinkern gemeint waren, so wie hier. 

Die meisten anderen Bewohner von Tangos Studio hatten sich im Wohnbereich versammelt und sahen mit mehr oder weniger Interesse bei der kleinen Zeremonie zu. 

Ich hatte darauf bestanden, dass Sionn keinen richtigen Eid schwören durfte. 

Ein Eid war eine ernstzunehmende Angelegenheit. Schnell entstand durch das Ritual dabei eine kaum merkliche magische Komponente. Vielleicht war ich übertrieben abergläubisch, aber ich hielt nichts davon, einen Eid leichtfertig zu brechen. Das konnte negative Auswirkungen haben. Die einfachste Art, keinen Eid zu brechen, war nun mal, keinen abzulegen. 

Ein Versprechen zu geben, mochte für den einzelnen auch einer ernste Angelegenheit sein, doch sie werden täglich zu Tausenden gebrochen, ohne die Magie aus dem Gleichgewicht zu bringen. 

„Ich verspreche, dich mit gebührendem Abstand anzuhimmeln und zu verehren. Ich erkläre mich bereit, mich jederzeit für dich in den Dreck zu werfen, und Kränkungen gegen dich verspreche ich zu bestrafen, jedenfalls, wenn du es erlaubst!“, erklärte Sionn feierlich.

Ich hob mein Rapier und ließ die Spitze erst auf die rechte, dann auf die linke Schulter von Sionn niedersinken.

„Triff das Ohr!“, forderte Tiernan leise flüsternd. 

Ich schmunzelte kurz, würde mich aber hüten, aus dem Versprechen doch noch ein Ritual zu machen, bei dem Blut floss. Also sagte ich nur: „Ich danke dir. Erhebe dich nun, Sir Sionn.“ Ich küsste ihn links und rechts auf die Wange und überreichte ihm eines meiner Spitzentaschentücher. Es war ein besonders großes Taschentuch, in das ich am Tag zuvor ‚Sir Sionn‘ gestickt hatte. 

Sionn schnupperte an dem Taschentuch und steckte es dann unter seinen linken Lederarmreif.

Sinister hatte sich das mit verschränkten Armen und spöttisch grinsendem Gesicht angesehen. Sie fand das alles lächerlich. Ganz im Gegensatz zu Fierce. 

Liam betrachtete Sionn. „Wir werden das mit dem in den Dreck werfen testen“, versprach er.

„Wieso?“, wollte der Elf wissen. „Ich habe wirklich kein Problem damit.“

Liam nickte. „Dass du dich gerne in den Dreck wirfst, weiß ich.“

Fierce grinste Fang breit an. Ihre Hauer blitzten. „Willst du nicht auch Sir Fang werden?“, fragte sie.

Fang schüttele den Kopf. „Nee, wieso denn?“ 

„Na, weil es cool klingt. Sir Fang und Lady Fierce“, erklärte die Orkin.

Tiernan schlug sich auf die Schenkel vor Lachen. „Nicht nur ‚Best Fang and Fierce‘ sondern BF Lady Fierce und BF Sir Fang? Das klingt voll scheiße!“

„Mann!“, beschwerte sich Fierce, „Immer willst du alles kaputt machen. Du hast schon gesagt, dass ich kein Sir sein kann, dann bin ich eben Lady Fierce, und nun sagst du auch noch, dass das scheiße klingt. Das ist mir aber egal.“ Sie sah wieder zu Fang, „Komm, mach mit!“

Fang blieb bei seinem Kopfschütteln. „Ich bin keine Lady!“

Liam lachte dreckig. „Na, das können wir ändern!“ 

Mash fügte sofort hinzu: „Du kannst das auch von mir, einem Profi, machen lassen. Wir haben alles da.“

Fang schüttelte weiter den Kopf. „Nee, ich will immer noch keine Frau werden.“

Tiernan meinte zu Fierce: „Ich will dir nicht alles kaputt machen, aber du bist einfach keine Lady für mich. Du trägst nie einen Rock oder so, und du benimmst dich auch nicht ladyhaft. Das meine ich als Kompliment.“

Fierce zuckte mit den Schultern. „Du hast gesagt, als Snowcats Ritter wäre ich 'ne Lady und kein Sir.“

„Vielleicht lässt sich ein besserer Begriff für dich finden“, schlug Mash vor. 

Fierce überlegte kurz. „Gibt es so was, wie den ersten Reiter? Heißt das dann Kave… Kavallerie? Nee, aber Reiter klingt doof. Oh wartet, wie wäre es mit Shieldmaiden? So was gab’s in Neil der Orkbarbar IV. Shieldmaiden klingt doch gut.“

Tiernan verdrehte die Augen. „Passt auf, gleich gibt es Arbeit für mich.“ 

Fierce griente. „Genau, ich brauch dann natürlich einen Schild. Tiernan, kann ich ein Captain-America-Shield haben?“

Tiernan sah sich bestätigt: „Seht ihr, Arbeit für mich!“

„Kannst du denn mit einem Schild umgehen?“, fragte Mash.

Fierce verneinte. „Aber vielleicht kann Tango mir das beibringen. Tango? Kannst du auch mit einem Schild kämpfen und mir das beibringen?“

Tango wog seinen Echsenkopf sanft hin und her und meinte: „Schildkampf ist heute nicht mehr sonderlich verbreitet, aber ja, ich kann das, und wenn du magst, bringe ich es dir bei.“

Fierce freute sich. „Und du baust mir einen Schild, Tiernan? Er muss auch nicht so hart sein wie der von Captain America. Er soll nur so ähnlich aussehen.“, 

Tiernan stemmte seine muskulösen Oberarme auf seine Hüften. „Und es soll natürlich auch von überall zu dir zurück kommen.“

Fierce machte große Augen. „Ginge das?“, fragte sie. Dann wurden ihre Augen noch größer. „Oh, ich weiß, wie wäre es mit einer Schild-Drohne? Dann kann ich die selber steuern und sie kommt tatsächlich zu mir zurück.“

Sionn freute sich mit. „Das schafft Tiernan bestimmt. Wenn es jemand bauen kann, dann Tiernan und Liam!“

Liam beugte sich zu mir rüber: „Ich hab’s dir gesagt, Snowcat. Wenn Sionn dazu kommt, wird’s gefährlich. Die kleinen haben’s, und die noch kleineren wollen es auch haben!“

„Wenn du von klein redest, meinst du aber nicht mich, Liam! Ich bin nach Finn einer der größten im Clan“, stellte Sionn stolz fest.

Liam schüttelte den Kopf. „Nö, wenn dann meinst du längsten.“

❄️❄️

Eden, Doc, AveRage, Fang und Fierce gehörten heute zu denen, die auf Besorgungstour gegangen waren. Wir anderen saßen noch bei einer Tasse Tee beisammen.

Heute war der 28.06.2076. Unser 19. Tag im Boston Lockdown. 

Der Himmel war blau und die Temperaturen warm, beinahe schon heiß, so als wolle das Wetter beweisen, dass es ein ganz normaler Sommertag war. 

„Hast du heute noch was geplant?“, wollte Liam wissen.

Ich nickte. „Ich denke gerade daran, dass es an der Zeit wäre, uns den Technomancer näher anzusehen, der in dem Gebäude diverse Shambler zu seinem Schutz um sich geschart hatte. Ihn zu studieren könnte uns ein paar neue Erkenntnisse bringen. Vielleicht weiß er sogar etwas.“

„Klingt gut!“, bestätigte Liam.

Ich lächelte. „Finde ich auch. Das Wetter ist gut und DJ gibt mir sicher problemlos einen Code, damit wir durch die Grenzanlage kommen. Allerdings sollten wir diesmal irgendjemanden aus der Zone mit herausbringen, damit es nicht weiter auffällt. Ein paar neue Schuhe wären obendrauf eine nette Angelegenheit. Zumal DJ inzwischen für jeden, den wir aus der Zone holen, ein Paar Schuhe zahlt.“

„Na, dann mach das doch und stell dir dein Team zusammen. Ich muss noch was bauen, aber als Hacker kannst du ja Sionn mitnehmen“, meinte Liam nun.

Ich grinste süß. „Ja, das kann ich, wenn ich denn will.“

❄️

Selbstverständlich wollte ich Sionn mitnehmen, genauso, wie ich noch einen Umweg über die Dragon-Line machen wollte, um dort einen Geist zu beschwören. Der Geschmack der magischen Hintergrundstrahlung war einfach zu verlockend für mich. Meine Zauber glitten von dort ebenfalls leicht in diverse Speicher.

Tiernan und Sinister würde ich nicht genau mit auf die Linie nehmen. So mussten sie nicht unnötige Kopfschmerzen ertragen. Zum Schutz hatte ich immer noch Finn, den magische Hintergrundstrahlung so gut wie gar nicht störte.

Genau wie ich meinen weißen trug Sinister wieder ihren schwarzen Catsuit. Selbstverständlich würde Sinister vorgehen. 

Tiernan sah zu Sionn. „Schade, dass der Oheim uns nicht die Fernbedienung für den Anzug mitgibt“, bedauerte er. 

Sionn wusste, wovon Tiernan sprach. Sie hatten ihm lang und breit erklärt, dass Liam in Sinisters Catsuit den Bereich um den Hintern so konstruiert hatte, dass er ihn durchsichtig schalten konnte.

Ich war mir nicht ganz sicher, ob dem wirklich so war, denn ich hatte den Anzug noch nie durchsichtig gesehen. Zuzutrauen war es Liam schon, und zumindest Tiernan glaubte daran. 

Sionn hatte deutlich weniger Angst vor Liam als die anderen O’Nialls, darum fragte er ihn direkt. „Liam, kriegen wir die Fernbedienung für Sinisters Anzug mit?“ 

„Nee, ich geb euch doch nix mit!“, kam sofort von Liam. „Jedenfalls nix, was ich nicht sowieso für euch gebaut hab.“

Sionn schüttelte in gespielter Enttäuschung den Kopf. „Du bist echt ein mieser Freund. Manchmal frag ich mich, warum ich überhaupt mit dir befreundet bin.“ 

Liam blaffte: „Weil ich dein einziger Freund bin!“

Sionn schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, dass es klatschte: „Ja, genau! Danke! Das war der Grund. Bist ja doch ein guter Freund.“

❄️

Wie gesagt, Sinister, der knackigste Hintern der Special-Forces-Geschichte, so wie die Jungs sie inzwischen getauft hatten, ging voraus. Dann folgten Tiernan, Sionn und ich. Shark Finn bildete den Abschluss der Truppe. Mit seiner Körpergröße von über 2,30 Metern konnte er problemlos über uns hinweg blicken. 

Sionn hatte unter seinen dunkelgrauen Lederkilt ein paar Beinlinge aus dünnem Leder gezogen, die an der Seite offen waren und die nur durch Lederriemen zusammengehalten wurden. Sie wurden oberhalb der Knie befestigt und waren eine Art Äquivalent zu den Chaps der Native Americans. Über seinem schwarz-neongrünen T-Shirt trug Sionn außerdem eine gepanzerte Multitool-Weste und natürlich die üblichen Docks. Er trug das Outfit mit einer Lässigkeit, die ihm gut stand. Sionn hatte eine schallgedämpfte Maschinenpistole umgehängt und hatte zudem eine Fubuki und eine Schleuder in dazu passenden Holstern angelegt. 

Tiernan trug eine schwarze, gepanzerte Dreiviertelhose mit vielen Taschen, dazu Docks und ein Holzfällerhemd, von dem er die Ärmel abgeschnitten hatte, wodurch seine kunstvoll tätowierten Arme sichtbar waren. Darüber trug er ebenfalls eine Panzerweste mit Taschen. Weitere Taschen waren überall an seinem Outfit befestigt. Wie immer hatte er seine Armbrust dabei. 

Finns Kleidung war der von Tiernan ähnlich, nur trug er die Panzerweste über einem T-Shirt der Boston Massacre. Seine Tattoos, bestehend aus Maori-Tribals und keltischen Knoten, waren nicht weniger kunstvoll als die von Tiernan, nur, dass sie eigentlich nicht wirklich tätowiert worden waren. Der Fomori besaß ja schließlich Cyberarme. Demnach waren die Muster in das Chrom gefräst.  

Ich selbst hatte Make-up aufgelegt und mein ultralanges, eisweißes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, das war bei den Temperaturen einfach die beste Wahl. Und mit meinen Schuhen hielt ich es heute flach und beschränkte mich auf Pump-Sandalen mit Sechs-Zentimeter-Absatz. 

❄️❄️

[Song 2: Shakira - Estoy Aquí3,15] Als wir uns um 10:22 Uhr unserem bevorzugtem Durchgang in die MCZ näherten, brannte die Sonne strahlend vom Himmel. Die Knight-Errant-Gardisten trugen ihre Panzermäntel und Visiere offen, um es etwas kühler zu haben. Aus Sicherheitsgründen war es verboten, die langen, dunklen Mäntel auszuziehen. Abgesehen davon war es dafür tatsächlich viel zu gefährlich. 

Eine junge, menschliche Frau, das rote Haar am Kopf zusammengesteckt, in schwarzen Overkneeboots, enger Jeans und rotem Girlie-Shirt, stand am Tor und redete wild gestikulierend auf den diensthabenden Offizier ein. Sie war knapp 1,70 m groß und trug einen Rucksack, an dem sie eine Panzerjacke festgemacht hatte. Sie deutete immer wieder in Richtung MCZ. Offenbar wollte sie hineingelassen werden. Der Offizier schüttelte stoisch den Kopf, aber sie hatte es immerhin geschafft, dass die Gardisten bis zur Schleuse vorgekommen waren und ihr immer noch zuhörten.

Ich nahm astral wahr. Die Augen und Ohren der jungen - und soweit man das von hier aus sagen konnte - hübschen Frau schimmerten dunkel, fast schwarz. Sie war also verdrahtet. Ansonsten war sie mundan und ihre Aura war von diversen Rottönen durchzogen, was von ihrer Aufgeregtheit und Leidenschaft zeugte.

Ich nutzte unsere Mindnet-Verbindung und teilte den anderen mit, was ich über Cyberware und Magie der jungen Frau herausgefunden hatte.

‹Ihr Commlink ist zumindest aus. Augen und Ohren sind nicht wireless verfügbar, aber sie hat 'ne Ares Pred' dabei, auf die ich nun Zugriff habe›9, gab Sionn bekannt. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: ‹Ich wette, Sinister kann der Kleinen eine Strähne ihrer chicen roten Haare abschneiden, ohne dass die was merkt.›

Von Tiernan kam sofort: ‹Die Wette halte ich.› 

Ein kleiner Ruck ging durch Sinisters Körper. ‹Klar kann ich das›, versprach sie. 

Ich schmunzelte kurz, griff dann aber ein: ‹Negativ! Wir schneiden nicht zum Spaß Haarsträhnen ab.›

Sionn zuckte ein wenig enttäuscht die Schultern und auch Sinister hätte offenbar gerne bewiesen, dass sie das drauf hatte. Sie näherte sich dennoch vorsichtig, leise und aus einem schwer einzusehenden Winkel. 

Wenigstens erschrak Sergeant McNamara nicht, als Sinister plötzlich hinter der Rothaarigen auftauchte.

Sinister sah die Rothaarige ernst an, was diese verstummen ließ. So konnte sich McNamara mir zuwenden. Er lächelte mich an, denn er war erfreut, mich zu sehen. Das war er wirklich, denn es war nicht das erste Mal, dass wir uns begegneten. 

Ich hörte, wie die Rothaarige erfreut ausrief, als sie Sinister erkannte und sofort davon sprach, dass sie uns, die Howling Shadows, überall gesucht habe.

„Guten Tag, Miss Snowcat, schön, Sie wiederzusehen“, begrüßte mich Sergeant McNamara. 

Ich lächelte bezaubernd, während Sinister ein paar Worte an die junge Frau richtete. „Geh nach Hause, Mädchen!“, forderte sie ruhig und mit einem überheblichen Unterton.

„Guten Tag. Ich freue mich auch, Sie wiederzusehen. Heute ist es ja ziemlich heiß. Wir möchten dennoch wieder rüber“, erklärte ich.

Der Sergeant verzog kurz das Gesicht. Ich schätzte den menschlichen Mann auf Mitte 40. Die Situation in Boston behagte ihm selbstverständlich nicht. Seinen Dienst absolvierte er gewissenhaft. Er schien mir durch und durch Cop zu sein. Was mich betraf, besaß er einen gewissen Beschützerinstinkt, und obwohl er uns dafür bewunderte, dass wir in die MIT&T Containment Zone gingen, um Leute zu retten, wäre es ihm lieber gewesen, ich hätte mich nicht so in Gefahr gebracht. „Ich habe schon gehört, dass Sie heute kommen, Miss. Bitte seien Sie vorsichtig! Es gab besonders in nordwestlicher Richtung die gesamte Nacht über viele Kampfgeräusche zu hören.“ 

„Zum Glück wollten wir in eine andere Richtung“, erwiderte ich wahrheitsgemäß. Selbstverständlich hätte ich das auch gesagt, wenn es anders gewesen wäre.

„… da ist ja Wahnsinn!“, verkündete die Rothaarige hinter mir gerade. „Sinister, wen habt ihr denn noch dabei? Sehe ich da die weißen Haare von Snowcat? Wie cool!“

Ich lächelte McNamara weiter an und meinte: „Wenn Sie mich kurz entschuldigen. Ich glaube, ich muss zunächst mal klären, was die junge Frau von uns möchte.“

McNamara grinste kurz. „Tun Sie das ruhig. Ich laufe nicht weg.“

Ich drehte mich um. Sinister hatte die Rothaarige inzwischen ein Stück abgedrängt, damit sie nicht in mein Gespräch mit dem Sergeant eingreifen konnte.

„Wow, Snowcat, ich hab euch schon überall gesucht, ich dachte, ihr seid in der MCZ, darum wollte ich da hin.“ Sie streckte mir die Hand entgegen. „Ich bin Alba Ruiz Garcia14!“

Ich lächelte, gab ihr aber nicht die Hand. „Hallo Alba, ich bin erfreut, dich kennenzulernen. Du hast uns gesucht und gefunden, wie können wir dir denn behilflich sein?“

Sionn drängelte sich ein Stück in den Vordergrund. „Ich bin Sionn, du wirst mich nicht kennen, ich bin erst seit kurzem dabei, aber den hier, Tiernan“, Sionn schob Tiernan vor, „den kennst du bestimmt, oder?“

Alba nickte. „Klar kenne ich Tiernan. Die Rezepte, die du veröffentlicht hast, sind großartig“, erklärte sie und ihre Augen zeugten davon, dass sie Tiernan mochte, Sionn aber gerne kennenlernen würde. Sionn hatte Tiernan in den Vordergrund geschoben, da er wusste, dass dieser Gefallen an Rothaarigen fand. 

„Was ihr für mich tun könnt, hattest du gefragt. Ihr könnt mir sagen, was passiert ist. Wenn es jemand rausbekommt, dann ihr. Ich hab immer mehr Sachen gehört, die mir merkwürdig vorkamen. Aber alleine bin ich nicht weitergekommen, also nicht weiter als bis ans Tor!“

„Es ist gut, dass die Männer von Knight Errant dich nicht durchgelassen haben“, erzählte ich. „Dort drinnen ist es gefährlich. Und nichts für einen allein!“

„Ja, ich weiß!“, sagte Alba nun. „Aber mit euch wäre ich ja nicht allein. Ihr seid doch die Howling Shadows. Ihr könnt mich mitnehmen. Ihr könnt bestimmt herausbekommen, was hier passiert ist!“

„Bist du Journalistin?“, fragte Sinister unverblümt. 

Alba zögerte nur einen winzigen Moment und meinte dann: „Ja!“ 

Na bravo.

Sinister verzog das Gesicht zu einem spöttischen Grinsen. 

Eine Reporterin würde ihre Nase in alle möglichen Angelegenheiten stecken wollen, die sie nichts angingen. Damit hatte ich kein Problem. Generell begrüßte ich Neugier sogar. Womit ich jedoch ein Problem hatte war die Tatsache, dass sie wahrscheinlich alles, was sie herausfand, an die Öffentlichkeit bringen wollte. Das behagte mir natürlich ganz und gar nicht. Geheimnisse sind viel wertvoller, je geheimer sie sind. Was ich Alba zu Gute halten konnte war ihr Enthusiasmus. Außerdem hatte sie etwas Sympathisches an sich.

‹Foggy weiß einen eigenen Reporter mit Boston-Connections sicher zu schätzen›, proklamierte Shark Finn. ‹Aber sie mit reinzunehmen ist natürlich zu gefährlich.›

‹Was sollen wir mit einer Reporterin?›, fragte Sinister. ‹Wir bestimmen doch selbst, was wir senden. Ich kann auf zusätzliche Insiderberichte gerne verzichten.› 

Ich gönnte mir ein kurzes Lächeln. ‹Da stimme ich dir zu, Sinister. Aber auch Shark Finn hat Recht, Foggy wird das zu schätzen wissen und die Probleme mit passenden Verträge schon richten. Ich bin niemand, der viel von festgeschriebenem Schicksal hält, aber immerhin hat Alba uns gesucht und gefunden, insofern können wir uns auch um sie kümmern. Vielleicht sind ihre Connections ja tatsächlich noch hilfreich.›

Ich sah Alba für einen Moment tief in die Augen. Sie konnte dem standhalten, was ich positiv wertete. „Wir haben in der MCZ noch was zu erledigen, und da können wir niemanden gebrauchen, über den wir nichts wissen. Aber wenn du hier vor dem Zaun auf uns wartest, dann nehmen wir dich auf den Rückweg mit zu uns“, entschied ich.

Auch wenn es Alba vielleicht nicht völlig behagte, nicht gleich mit reinzukommen, so war sie doch über mein Versprechen höchst erfreut. „Au ja, das mache ich! Ich warte hier auf euch!“ Sie trat ein paar Schritte zur Seite, um im Schatten eines geschlossenen Kiosks Platz zu nehmen.

❄️

Wir traten daraufhin ans Tor, welches uns augenblicklich geöffnet wurde. Gleich in der ersten Schleuse bat ich Sergeant McNamara, ein Auge auf Alba zu haben und ein wenig auf sie aufzupassen, bis wir wieder zurück waren. Er versprach, das zu tun, soweit es ihm möglich war.

Fast alle anderen Gardisten von KE8 machten derweil Fotos von uns. Zwei Orks traten ein paar Schritte vor. „Wo ist denn Fierce? Ist sie diesmal gar nicht dabei?“, traute sich einer zu fragen.

„Doch, na klar, ich hab sie in meiner Tasche!“, meinte Sionn in sarkastischem Ton. 

Sinister lächelte verschmitzt.

Die beiden Orks hatten Sionns Bemerkung nicht registriert, da ich ihnen bereits ernsthaft antwortete und ihre Aufmerksamkeit auf mich zog. „Nein, Fierce ist heute nicht dabei. Sie hat etwas anderes zu tun. Nächstes Mal wieder. Aber sie wird sich freuen, zu hören, dass Sie nach ihr gefragt haben.“

Einer der beiden Orks wurde sogar rot. „Dann grüßen Sie sie mal bitte!“

„Das tue ich!“

Sergeant McNamara lächelte. „So, habt ihr nun genug Fotos gemacht?“ 

„Eigentlich nicht, Sarge!“, doch die Männer und Frauen traten beiseite. 

Gerade wurde mir bewusst, dass wir die einzigen angenehmen Highlights waren, die ihr harter Dienst wahrscheinlich überhaupt hatte. 

❄️

[Song 3: Hans Zimmer & Benjamin Wallfisch /Blade Runner 2049 - Mesa3] Nachdem sich das zweite Doppeltor ratternd hinter uns geschlossen hatte, brauchte es nur wenige Schritte, bis mich die harte Realität der MCZ wieder eingeholt hatte. 

Der Gestank verwesender, teilweise verkohlter Leichen schlich sich in mein Bewusstsein, obwohl ich einen Breezer aufgesetzt hatte. Die Bilder der Straße brachten die Erinnerung mit sich. 

Natürlich hatten wir alle allein aus Sicherheitsgründen die Filter mit eigener Luftversorgung aufgesetzt, außerdem hatte jeder von uns zwei Paar Plastikhandschuhe übergezogen. Wir wussten nicht, wie hoch die Konzentration von Naniten in der Luft hier noch war, und wir wollten kein unnötiges Risiko eingehen.

Shark Finn zog seine Ingram Smartgun aus seinem Rucksack. In seinen großen Händen sah die Waffe winzig aus. Der Fomori bevorzugte eigentlich schwerere Waffen, aber ein LMG war nun mal laut, und wir wollten so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen.

Sinister ging wieder vor. 

‹Wenn wir jetzt die Fernbedienung hätten!›, stellte Tiernan bedauernd fest. 

‹Ach, der Anblick ist auch so nett›, kommentierte Sionn.

Als wir uns außer Sichtweite des Tores befanden, bat ich Leprechaun Cian11, der bereits den Mindnet-Zauber für mich aufrecht hielt, uns vor allen fremden Sinnen zu verschleiern. 

‹Wir Ihr wünscht, Mylady›, versprach das Männlein mit grimmigen Blick. Langsam aber sicher baute sich hier in der MCZ eine unangenehme Hintergrundstrahlung auf, die einem aufs Gemüt schlug.  

„Krächz!“, ertönte es wütend, als eine Krähe einem riesigen Raben ausweichen musste, der beinahe direkt auf ihrem Kopf gelandet war, um ihr den besten Fressplatz an einer Leiche streitig zu machen. 

Ich nahm astral wahr und stieß ein wenig erleichtert den Atem aus. Immerhin entdeckte ich bei den gut ein Dutzend Aasfressern keine aktiven Naniten. 

Die Sonne ließ die hübschen Gebäude des Massachusetts Institute of Technology and Thaumaturgy in einem warmen Licht erstrahlen. Autos waren ordentlich entlang der Gehwege geparkt. Die kleinen Grünflächen, auf denen sich während des Sommersemesters Studenten zum Lernen oder Quatschen versammelten, hatten inzwischen ein verdorrtes Braun angenommen, da man die automatische Wasserversorgung offenbar abgeschaltet hatte. Vielleicht war sie auch einfach nur kaputt. Alles hätte dennoch friedlich ausgesehen, wenn es nicht überall Blutspuren, umgestoßene oder gar angeknabberte Bänke und andere Gegenstände und natürlich immer mal wieder Leichen gegeben hätte. 

Sinister entdeckte ein Stück voraus vier Shambler, die wir großräumig umgingen. Wir hatten es nicht eilig. Außerdem hatten wir ja Sionn dabei, der seine ‚Living Persona‘ zwar so unauffällig wie möglich fahren konnte, bei der es sich aber dennoch aus der Nähe betrachtet um ein für Shambler sichtbares Matrix-Icon handelte. Ein Schicksal, das Sionn mit Liam oder AveRage teilte. Und ein Risiko, welches wir gezielt eingingen, da die Vorteile, einen Decker dabeizuhaben, nun mal deutlich überwogen. 

‹Wie hat dir denn Alba nun gefallen, Tiernan?›, wollte Sionn wissen.

‹Sie ist sehr hübsch, aber sie hatte mehr Augen für dich, Chummer›, bemerkte Tiernan dazu. 

‹Hey, ich hab dich ins beste Licht gerückt!›, meinte Sionn nun. 

‹Das war dein bestes Licht?›, fragte Tiernan und seine Gedanken troffen nur so vor Sarkasmus.

‹Na, das beste, was ich so schnell auftreiben konnte. Du bist eben nicht der Hintern von Sinister, der in jedem Licht gut zur Geltung kommt›, erklärte Sionn. 

Tiernan lachte. ‹Hey, Sinister, geht es dir eigentlich auf die Nerven, dass wir dir ständig auf den Hintern glotzen?› 

Sinister reagierte nicht.

Sionn meinte nun: ‹Ich glaub, sie hat dich nicht gehört. Tiernan, frag noch mal!› 

‹Die Straße, Jungs! Konzentriert euch auf die Mission!›, forderte Shark Finn. 

‹Wir sind voll bei der Mission!›, behauptete Tiernan. 

‹Genau!›, bestätigte Sionn sofort. ‹Ich bin ein Mann, ich kann mich problemlos auf zwei Sachen gleichzeitig konzentrieren.› Er lachte einnehmend.

‹Das glaube ich sofort. Haltet dennoch mehr Funkdisziplin›, verlangte ich nun, ‹Das ist gerade bei der geistigen Verbindung wichtig. Das hier ist kein normales Teamnetzwerk.›

Die Gedankenströme der beiden Männer verstummten. Vielleicht eine Spur widerwillig, doch das störte mich nicht weiter.

❄️

Als wir uns unserem vierzehnstöckigen Zielgebäude näherten, entdeckten wir vor dem Eingang fünf Shambler, die offenbar Wache hielten. Sie stampften im Gleichklang, statt nur wirr umherzuwackeln. Außerdem sahen sie sich regelmäßig um.

Sionn wollte bis auf gut 50 Meter an das Gebäude heranschleichen, da er von dort aus Icons im Gebäude via Matrix ausmachen konnte. Wir blieben zusammen und begleiteten ihn bis an eine Hausecke in der Nähe.

Nach einigen Minuten des Schweigens räusperte Sionn sich und begann dann zu berichten, was er bemerkt hatte. Er unterstütze seine Erklärung mit einer Karte des Hauses, die er uns sonst ins Teamnetzwerk gestellt hätte, nun aber per Gedankenverbindung weitergab. Entsprechende Symbole für gesichtete Shambler ließ er dann im virtuellen Gebäude erscheinen. ‹Die Matrixverbindung ins Haus und drumrum ist schlecht. Wir haben da einen Noiselevel von 3. Die fünf Shambler vor dem Eingang sind irgendwie verbessert. Kräftiger als alles, was ich bisher in Boston gesehen hab. Über der Eingangstür sitzt eine MCT-Flyspy-Drohne. Zu den fünf Shamblern vorne gibt es hinten einen Gegenpart von fünf weiteren Shamblern. Des weiteren hab ich zehn Shambler im Erdgeschoss, dreißig nahe oder in einer Wohnung im 10. Stock, und noch mal zehn Shambler, die zwischen den Etagen hin und her laufen.›

‹Sechzig also!›, kommentierte Sinister kühl. 

‹Genau so!›, erwiderte Sionn. ‹Dann hab ich noch eine Living Persona, die sich unterscheidet. Das ist wohl der, den wir suchen. Ob sich oben welche verschanzt haben, kann ich nicht sagen. Wenn da noch welche sind, haben sie keine Commlinks an.›. 

‹Das heißt, wir können nicht innen durchs Haus. So viel Munition haben wir nicht dabei›, stellte ich fest. ‹Dass oben keine Commlinks sind, bedeutet erst mal nichts. Sie könnten auch einfach nur klug sein und jegliche Elektronik ausgeschaltet haben. Wir sollten aber im jeden Fall die Leute rausholen, wenn da noch welche sind. Denn ewig können die dort nicht überleben. Nicht mit sechzig Shamblern unter ihnen. Sie dürften schon jetzt Probleme mit der Versorgung haben.›

‹Wenn wir nicht durchs Haus können, gehen wir vielleicht übers Dach rein›, schlug Sinister vor.

Sionn warf einen Blick aufs Haus. ‹Klar, ich sehe eine Route, man kann von außen hochklettern.›

‹Oder wir gehen von einem anderen Dach aus rüber›, überlegte Sinister. 

Ich blickte mich um. ‹Unser Zielhaus ist das höchste in der Umgebung. Aber das dort auf acht Uhr, das hat immerhin elf Etagen, und es sollte nah genug sein, damit ein Seil rüber reicht.›

Shark Finn sah zu mir. ‹Und dann?›

‹Haben wir einen Weg, wie wir Überlebende rausbringen können›, erklärte ich.

‹Damit sind wir aber noch nicht auf dem Dach›, stellte Shark Finn missmutig fest.

Ich lächelte. ‹Wir müssen ja auch nicht alle auf das Zieldach.›  

Finn verzog das Gesicht. Mein Plan sah nicht unbedingt vor, dass wir uns am Ende alle auf dem Zielgebäude befanden. Der schwere Fomori würde auf dem anderen Dach warten müssen. Ich wusste, dass er genau das befürchtet hatte. 

‹Wenn wir uns den Typen schnappen wollen, müssen wir in jedem Fall an den dreißig Shamblern vorbei›, überlegte Sinister.

‹Nicht, wenn wir nur mit dem Typen sprechen wollen›, erwiderte Tiernan.

Sionn machte große Augen. ‹Warum sollte er mit uns sprechen?›, fragte er.

Shark Finn grinste breit. ‹Weil wir Snowcat dabeihaben. Du hast sie noch nie im RL live in Aktion gesehen, Bro’. Wenn er noch reden kann, dann spricht er mit ihr.›

‹Da hat er Recht!›, bestätigte Sinister.

❄️

‹Klingt wie ein schlechter Witz: Sind drei Elfen auf dem Dach!›, fasste Shark Finn zusammen, was wir eben besprochen hatten.

Sionn griente und sah zu mir und Sinister. ‹Wir drei sehen bestimmt ultra gut zusammen aus!›

Tiernan lachte. ‹Ja Mann, willst du auch so einen Catsuit haben?›

Sionn winkte ab: ‹Nee, lass mal, ich bleib beim Kilt. Das ist ja grad das Coole, der Kerl trägt Kilt und die Ladies Catsuits. Die rahmen mich dann gut ein.›

‹Du übernimmst dich, Bro’!›, stellte Finn kühl fest.

❄️

Unser Plan sah vor, dass wir alle drei auf unterschiedlichen Wegen auf das Dach gelangten. 

Sionn kletterte von unten an der Fassade hoch. Er hatte den längsten Weg und machte den Anfang. Klettern war dabei nicht der richtige Ausdruck. Er sprang von Sims zu Sims, machte Zwischenstopps auf Balkonen und stieß sich von Balustraden ab.

‹Wow!›, dachte ich für alle hörbar und machte keinen Hehl daraus, wie überrascht ich über die Leistung des Technomancers war.

‹Aber surfen kann er nicht!›, kommentierte Shark Finn.

‹Ich kann surfen!›, bemerkte Sionn zwischen zwei ziemlich riskanten Sprüngen. ‹Ich sehe dabei nur nicht so gut wie du aus!›

Sinister stand bereits mit mir, Tiernan und Shark Finn auf dem tiefer gelegenen Dach. Sie beabsichtigte, von unserem Haus an die Fassade des Hochhauses zu springen und dann nur das letzte Stück zu klettern. Als Adept sollte der Sprung für sie kein Problem darstellen. Ich denke, sie versuchte es eigentlich so zu timen, dass sie kurz vor Sionn auf dem Dach ankommen würde. Allerdings gelang ihr das nicht ganz. Ihr Sprung klappte zweifelsohne und sah elegant aus, aber als sie versuchte, schnell kletternd die letzten Meter zu überbrücken, bemerkte sie, wie schwergängig das Gelände war. Sie musste ihr Tempo drosseln. 

Sionn zog sich also ein paar Sekunden vor ihr aufs Dach, beugte sich sogleich runter und bot Sinister jungenhaft lächelnd eine Hand an, um sie das letzte Stück rauf zu ziehen. 

‹Gerne doch. Danke!› , meinte die Ghost lächelnd und ließ sich helfen.

Shark Finn verdrehte die Augen.

Ich grinste niedlich. 

Tiernan hatte mein Seil inzwischen auf dem tieferen Dach befestigt. Ich würde das andere Ende des Seils kurzerhand nehmen und hinüberfliegen. In elfischer Gestalt. Ich beherrschte meine Drakegestalt so gut, dass ich ihre Fähigkeiten auch in meiner metamenschlichen Gestalt nutzen konnte. Als magischer Abdruck der Kraft würden Flügel auf meinem Rücken zu sehen sein, aber das war immer noch unauffälliger, als in Drakegestalt zu fliegen. Nur für den Fall, dass jemand unsere Verschleierung durchblicken und uns entdecken sollte. 

Es war eben nicht die Frage, ob man paranoid war …

❄️

[Song 4: Ruelle - Game Of Survival3] Fliegen! 

Es war helllichter Tag und ich erhob mich aus eigener Kraft in die Luft. Es war nicht ganz dasselbe Gefühl, als wenn ich den Wind auf meinen Schuppen gespürt hätte, aber es war dennoch erhaben und belebend. Mit dem ersten Flügelschlag war vergessen, wie schrecklich die Situation in Boston eigentlich war. Es war, als begrüßte die Drachenmagie meine Drake-Fähigkeit mit einer gehörigen Portion Glücksgefühl. 

Ich stieg höher, als es für die Überbrückung der Meter notwendig gewesen wäre. 

Als ich über dem Dach des Hochhauses flog, ließ ich das Seil in der Nähe von Sionn und Sinister fallen und drehte noch eine Runde. Ich spielte mit dem Gedanken, noch ein Stück weiter die Umgebung zu erkunden. Wer sollte mich aufhalten?

Doch der sorgenvolle Blick von Shark Finn, den ich förmlich auf mir spüren konnte, belehrte mich eines besseren. Zwei meiner Leute standen alleine auf dem Dach. Also drehte ich eine weitere Pirouette und landete bei Sinister und Sionn.

Erst auf den zweiten Blick entdeckte ich die kleine schwarze Katze, die hinter einem Aufbau vor dem Eingang ins Haus hervorkam. 

Sie lief auf mich zu und strich schnurrend an mir vorbei, um dann auf Sinister zuzuhalten. 

Moment mal, wir waren verschleiert, wie konnte sie uns so leicht sehen? Waren das die berühmten erweiterten Sinne einer Katze? Oder steckte mehr dahinter?

Ich wechselte auf Astralsicht.

„Wir sind hier, um die Metamenschen in der obersten Etage zu retten!“, verkündete Sinister plötzlich laut.

„Ja genau!“, kommentierte Sionn grinsend. „Gut, dass du es uns noch mal sagst, ich hatte mich schon gewundert, was ich hier mache.“ 

Ich sah gerade noch, wie die beeinflussende Magie des Ally Spirits zerfaserte. Offenbar war zumindest eine der Personen, die wir dort vor ein paar Tagen entdeckt hatten, am Leben und nicht nur das, sie war magisch aktiv und besaß einen Vertrauten. 

Ich bat Leprechaun Cian, die Verschleierung auszusetzen. Selbstverständlich sagte ich das ebenso an, wie ich erklärte, dass es sich bei der Katze um einen Familiar handelte.

Auch wenn die Katze uns jetzt sehen konnte, da sie uns einmal entdeckt hatte, galt das nicht für alle, die unter uns ausharrten. Und wir wollten sie ja tatsächlich retten, auch wenn das nicht unser einziges Begehr war.

Ich wandte mich der Katze zu und hockte mich hin. „Hallo!“, sagte ich sanft und weiter astral wahrnehmend, da mir der Geist höchstwahrscheinlich nur so antworten konnte. „Meine Freundin hat die Wahrheit gesagt. Ich bin Snowcat und habe einige Howling Shadows mitgebracht. Wir sind gekommen, um die Metamenschen in diesem Haus in Sicherheit zu bringen. Würdet ihr uns aufmachen?“

Die Stimme der Katze in meinem Kopf war männlich und weiblich zugleich. ‹Deine Worte klingen freundlich, aber sind deine Absichten wirklich rein?›, fragte sie. 

„Das sind sie! Jedenfalls, was die uninfizierten Metamenschen betrifft“, versprach ich wahrheitsgemäß. „Ich kann allerdings nicht mehr tun, als das zu sagen und euch einen Blick auf meine Aura werfen zu lassen.“

Wir vernahmen Bewegung hinter der Tür ins Haus.

Eine weibliche Stimme rief: „Das klingt wirklich gut, aber ich weiß, dass sich einige der Betroffenen gut verbergen können.“

Ich lächelte und meinte freundlich: „Ich verstehe dein Problem, aber du wirst schon etwas riskieren und die Tür öffnen müssen, um dich vom Gegenteil zu überzeugen.“

Nach einem kurzen Zögern rief die Frau: „Du hast Recht, ich komme raus.“

Ich bat Sionn und Sinister, ihre Waffen zu senken. Was sie ein wenig, aber nicht völlig taten. 

Es war eben nie die Frage, ob man paranoid war …

Eine schlanke, dunkelhaarige menschliche Frau, die ich so auf Mitte bis Ende dreißig schätzte, gekleidet in einen weiten Rock und eine Bluse aus Naturfaser, mit einer Umhängetasche, einer Schärpe, an der ein Survival-Knife befestigte war, stecke den Kopf aus der Tür. Sie trug diversen Schmuck wie Ketten und Ringe und machte einen erschöpften, ja sogar unterernährten Eindruck,

Meine Augen weiteten sich und ich begann zu grinsen. „Sie sind Dana Flynn, nicht wahr?“, fragte ich, obwohl ich mir ziemlich sicher war, Edens Freundin aus Kindheitstagen vor mir zu haben.

Die Frau nickte. „Ja, das bin ich tatsächlich.“

„Oh, wie wunderbar, das wird Eden freuen zu hören, wenn wir nachher nach Hause kommen.“

Das Leben machte es einem schwer, manchmal nicht an Schicksal zu glauben.

❄️

Mit diesem Leumund war es ein leichtes, die Hexe Dana davon zu überzeugen, uns einzulassen.

Bevor wir im Inneren des Hauses verschwanden, fragte Finn: ‹Oh Mann, muss das sein? Könnt ihr nicht draußen bleiben?›

‹Keine Sorge!›, versprach Sionn. ‹Ich pass auf sie auf!›

Finn nickte. ‹Okay. Aber das ist ein Männerwort, oder, Sionn?›

Sionn zögerte kurz und meinte dann: ‹Na klar!›, dann nahm er seine Maschinenpistole wieder in Anschlag. Seine Körperhaltung war nun weniger lässig.

Wir halfen den insgesamt sieben Überlebenden dabei, ihre Habseligkeiten zusammenzupacken. Drei von denen, die wir hier gesehen hatten, waren also in den letzten Tagen gestorben. Da sie durch die Shambler tatsächlich völlig von der Außenwelt abgeschnitten gewesen waren, hätten die anderen wohl auch nicht mehr lange durchgehalten, trotz Danas Magie. Sie hatten tatsächlich bereits überlegt, wie sie ihrer persönlichen Hölle hätten entkommen können, auch wenn sie nicht gewusst hatten, wohin sie hätten gehen sollen. 

Doch nun waren wir ja da. Ich ließ für jeden einen Healthy-Glow-Zauber springen, der sie zumindest erfrischte. Mithilfe von Griffen, Rollen und Gurten, die Tiernan aus Fundstücken von unterwegs zusammengezaubert hatte, und unter dem Schutz meines Geistes, der verhindern würde, dass sie einen Unfall erlitten, halfen wir den Metamenschen rüber auf das Dach zu Tiernan und Shark Finn. Dana ging als letzte und wandte sich noch einmal an mich: „Kann ich euch noch irgendwie helfen?“, fragte sie.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, danke. Du bist ziemlich erschöpft. Wir machen das allein. Hilf deinen Leidensgenossen, so gut es geht. Wir sind ja bald zurück.“

[Song 5: Muse - Contagion3] Mit einem unangenehmen Gefühl in der Nackengegend bewegten wir uns leise nach unten bis zur Barrikade vor dem 13. Stock. Dann besannen wir uns anders. Es war simpler, bei der Außentaktik zu bleiben und uns mit Hilfe eines Seils an der Wand über die Balkone zunächst in die 11. Etage zu bewegen. 

Wir wussten ja, in welcher Wohnung unser Ziel lebte, und wählten darum die Seite des Hauses, die am dichtesten dran war. Und nicht nur das, die übrigen Bewohner des Hauses - zu denen Dana übrigens nicht gehörte, sie war mehr zufällig auf dem Heimweg hier gelandet - hatten mit der Beschreibung der Wohnung zusammengetragen, dass es sich bei dem Mann, der dort lebte, um Ronny Warschowski handelte. 

Wir ‚hangelten‘ uns also einfach von Balkon zu Balkon und stoppten in der elften Etage. Hier zog ich eine Endoskop-Kamera aus meinem Rucksack und ließ sie runter, vor den Balkon in der 10. Etage. 

Es war heiß, und die Balkontür in die Wohnung war nur angelehnt. Ronny lebte eigentlich eine Wohnung weiter, in einem Appartement ohne Balkon, aber ich ging nach dem Beschreibungen von Sionn davon aus, dass Ronny inzwischen die gesamte Etage für sich beanspruchte. 

Ich konzentrierte mich, blickte durch die Kamera, gestikulierte, formte die Magie nach meinem Willen und klopfte dann mit ‚magischen Fingern‘ gegen die Tür. 

Wir warteten einen Moment, doch es gab keine Reaktion.

Also schob ich die Tür mithilfe des Zaubers auf. 

Wir schickten Bilder und Ton von dem weiter, was wir sahen, um auch Tiernan und Shark Finn zu zeigen, was hier abging.

Dann verstärkte ich meine Stimme mithilfe von Magie, damit sie weiter trug, und rief: „Ronny Warschowski, ich möchte mit dir sprechen.“

Es dauerte nicht lange, dann erschien ein Shambler auf dem Balkon unter uns und sah sich verwirrt und schaukelnd um. Es handelte sich um ein menschliches Mädchen, welches vielleicht 16 Jahre alt war. Genau ließ sich das schwer sagen. Sie trug helle Yoga-Pants und ein passendes rosa T-Shirt. Ihre Kleidung war angeschmuddelt, aber ihr Gesicht war sauber und ihr Haar gekämmt. 

Ich rief erneut und wiederholte meinen Satz.

Wenig später erschien eine weitere Frau auf dem Balkon. Auch ihr Gesicht war sauber, auch ihre Haare waren gekämmt. Sie trug einen kurzen Rock, eine enge Bluse und High Heels. Ich erkannte ein Muster.

‹Ich werde ihn gleich noch mal mit Befehlsgewalt in meiner Stimme rufen, ich denke, dann sollte er kommen›, teilte ich meinen Howling Shadows mit.

Shark Finn meinte dazu: ‹Passt aber auf, der kann auch welche in die 11. schicken!› 

Womit er natürlich Recht hatte. Wie unaufmerksam von mir. Ich stellte meinen Geist ab, damit er den Zugang zur Wohnung zu unserem Balkon bewachte. 

Also rief ich nochmals, magisch verstärkt und diesmal mit Befehlsgewalt: „Ronny Warschowski, sprich mit mir!“ 

Der magische Zwang meiner Stimme währte nur wenige Sekunden, dessen war ich mir wohl bewusst. Ronny konnte es sich danach durchaus anders überlegen. Ich setzte darauf, dass der Impuls ausreichte, ihm den letzten Schubs zu geben, damit die Neugier das Sicherheitsbedürfnis  übertrumpfte. Meine Stimme wurde im allgemeinen als angenehm und seelenberührend empfunden. Abgesehen davon klang sie äußerst weiblich, und wie gesagt, die beiden Shambler-Frauen auf dem Balkon zeugten von Ronnys Vorliebe.  

So zeigte der Bildschirm meiner durch Sionn geschützten Kamera auch bald das leicht verzerrte Bild eines untersetzten Zwerges mit dunklen Augen, braunem Bart und Haar, welches sogar sauber und gepflegt aussah. Natürlich kam er nicht allein, er hatte fünf weitere Shambler-Mädchen mitgebracht, die ihn umgaben wie Bienen ihre Königin.

Der Zwerg selbst war in ein rotsamtenes Hausjackett, eine dunkle, glänzende Schlafanzughose und braune Hausschuhe gekleidet. Ein goldgelbes Halstuch war ordentlich geknotet. Der Zwerg nutzte sogar Bartwachs. Der gepflegte Bart täuschte einen Moment darüber hinweg, dass sein Outfit mit diversen Blutflecken beschmutzt war, die angesichts ihrer verschiedenen Färbung unterschiedlichen Alters waren. 

„Hey, hallo!“, rief ich mit gespielter Freude und schloss die Gurte meines Kletterzeugs, welches ich vorsichtshalber angelegt hatte. Ich würde mich über die Brüstung des Balkons beugen müssen, damit mein kompletter Charme zog, während ich mit Warschowski sprach. Ich zeigte also auf das Seil, damit Sionn mich sichern konnte. 

‹Aber gerne doch, Prinzessin›, flüsterte er via Mindnet. 

Ich öffnete mein Haar und schüttelte es.

„Wo bist du denn? Zeig dich mal!“, forderte Ronny bereits.

Ich stieg auf eine Abstufung und lehnte mich so weit wie möglich über das Geländer. Mein gewaschenes, duftendes, eisweißes Haar floss einer Kaskade gleich an mir herab. Ich hoffte, dass dies ausreichend darüber hinweg half, dass ich immer noch meinen Breezer trug, der meine Mund- und Nasenpartie abdeckte. Dank der mir innewohnenden Magie würde meine Stimme dennoch klar und verständlich klingen.

„Hallo, ich bin hier!“, verkündete ich fröhlich.

Die Augen des Zwergs weiteten sich und er trat dicht an die rechte Abgrenzung seines Balkons und reckte den Hals, um mich sehen zu können. Die umherschwankenden Mädchen bewegten sich minimal zur Seite. Sie berührten ihn und sich gegenseitig. Sie waren so sein Schutzwall.

„Wow, du siehst ja heiß aus. Komm doch runter!“, verlangte er, „Ich fang dich auch auf.“ Er streckte halbherzig seine Arme aus und die Mädchen taten es ihm nach. „Eine wie du würde gut zu meiner Sammlung passen.“

‹Boah, der ist ja widerlich!›, kommentierte Sionn.

Damit hatte er völlig recht.

Ungeachtet dessen lachte ich perlend. „Hach, was für ein verführerisches Angebot!“, verkündete ich. „Mit so viel guten Aussehen und Stil hätte ich hier nie und nimmer gerechnet!“, erklärte ich überzeugend schmeichlerisch.

Sionn meinte angewidert: ‹Oh nee, Snowcat flirtet jetzt doch nicht etwa mit dem Widerling? Lasst ihn uns einfach …› 

Weiter kam er nicht, denn Shark Finn zischte: ‹Schnauze, Sionn!›

„Aber bevor ich runter komme, möchte ich mich erstmal mit dir unterhalten, um dich besser kennenzulernen.“

Die Gesichtszüge von Warschowski entglitten ihm voller Ungeduld, doch er fing sich wieder. „Na gut, reden wir, was willste denn wissen?“

Ich lächelte und meinte verführerisch: „Du hast deine Mädchen ja bestens unter Kontrolle. Hattest du solche interessanten Fähigkeiten schon vor dem Ausbruch?“ 

„Wat für 'nen Ausbruch? Ach so, du meinst vor dem Lockdown? Ich war schon immer ich. Ich hab jetzt hier das Sagen. Ich bin der Neue. Ich bin Ronald. Ich habe herausgefunden, dass euch das mit dem Namen wichtig ist.“

Ah, Ronnys Gehirn war also umprogrammiert worden und eine neue Persönlichkeit war entstanden. „Hallo, Ronald, ich bin erfreut, dich kennenzulernen. Du hast das allein rausgefunden? Du bist clever. Ich steh auf clevere Typen!“

„Na, dann komm doch runter! Ich habe alle meine Mädchen gezielt ausgewählt, du passt hier gut rein. Ich würde dich erwählen.“

Ich kicherte mädchenhaft. „Ja, ich komme gleich. Wenn du versprichst, dass ich wirklich sicher bei dir bin. Ich bin nämlich etwas besonders und ich will mich nicht einfach so in deine Sammlung einreihen. Ich will auch ich bleiben. Darum will erst noch mehr wissen. Die anderen faseln immer, sie müssen Cerberus warnen. Wovor sollst du denn Cerberus warnen?“

Ronald verzog das Gesicht und winkte ab: „Cerberus ist mir egal! Er soll aber vor dem Verräter gewarnt werden.“

Perfekt, genau wie ich vermutet hatte. Ich konnte also einen Haken hinter eine meiner Antworten machen. „Ein Verräter? Oh, wie spannend! Wer ist denn der Verräter?“, fragte ich zuckersüß und blickte ein wenig dümmlich drein. 

„Na, was auch immer da raus gekommen ist. Er nennt sich Cereus. Aber der hasst uns alle. Auch mich, der will mir meine Sammlung zerstören. Der hat sogar ein paar seiner Drohnen hierher geschickt und war hinter mir her. Der ist nichts, woran man Interesse haben sollte. Der droht, sobald er den Mund aufmacht. Und er ist vollkommen ohne Stil. Der will nur Tod und Vernichtung. Bei mir bleibst du schön. Früher oder später verändert sich jeder. Ich hab auch herausgefunden, wie ich alle in Schuss halten kann. Ich kann auch dich in Schuss halten. Du bist doch so willensstark. Ich hab noch was von dem guten Zeug da.“

Ich schnurrte. „Cool. Kannst du das denn bestimmen, ob man das gute Zeug bekommt oder nicht?“

„Na klar!“

Ich lachte leise, das letzte glaubte ich ihm nicht. Er konnte die Shambler sicherlich beeinflussen und er war fest davon überzeugt, noch gutes Zeug zu haben, was immer das war, aber ob man ein besserer Shambler oder ein normaler Shambler wurde, konnte er nicht kontrollieren. 

‹Ich bin sicher wir haben jetzt alles Nützliche von ihm erfahren. Lasst uns abhauen!›, teile ich meinen Teamkameraden mit. 

„Dann mach dich bereit, mich aufzufangen, Ronald. Ich nehme nur mal schnell Anlauf“, sagte ich laut.

Ich kam hoch, packte meine Kamera wieder ein, hakte das Seil aus, damit Sinister daran hochklettern konnte und flog aus eigener Kraft zurück aufs Dach. 

Sionn sprang einfach von Balkon zu Balkon.

„Hey, wo bleibst du denn?“, fragte Ronald. Es dauerte nicht lange, bis er wütend zu zetern begann.

Doch wir waren da bereits außerhalb seiner Reichweite.

‹Ich hab da gerade noch die Flyspy von unten bemerkt›, meldete Sionn. ‹Ich denke, die hat uns zumindest zum Schluss zugehört. Und soll ich euch was sagen? Die hatte nichts von der Persona von Ronald. Sie folgt uns nach oben.›

‹Gut zu wissen. Ich werde meinen Geist bitten, uns wieder zu verschleiern. Ich schließe noch Shark Finn, Dana und die beiden Teenager mit ein. Tiernan, kannst du dich und die restlichen Geretteten durch deinen Geist verschleiern lassen, bitte?›

‹Klar, mach ich.›

❄️

Kurz darauf kamen wir problemlos auf das andere Dach. Ich hoffte, dass das reichte, damit uns die Drohne aus den Augen verlor. 

Laut Sionn folgte sie uns jedenfalls nicht mehr. 

❄️❄️

McNamara verschwand zufrieden in den Patrol Master und holte sechs Paar Schuhe heraus. Sie waren in Originalbeuteln verpackt. Alle in meiner Größe und alles High Heels. 

Ich mochte den KE-Mann inzwischen und traute ihm so weit, dass ich kein Problem damit hatte, unsere sechs Geretteten bei ihm zu lassen.

Dana würde uns natürlich in Tangos Studio begleiten. Auf das eine Paar Schuhe verzichtete ich gerne.

Als sich das letzte Zwischentor ratternd öffnete, sprang Alba erfreut auf. Sie hatte tatsächlich die gesamte Zeit über geduldig gewartet. „Schön, dass ihr wieder da seid. Seid ihr auch alle gesund? Erzählt ihr mir, wie es gewesen ist?“, sprudelte es nur so aus ihr heraus.

‹Ein schwarzhaarige Hexe und eine rothaarige Südamerikanerin. Ist das nicht einfach wunderbar?›, freute sich Tiernan.

‹Du weißt aber schon, dass die Haare gefärbt sein könnten?›, fragte Sionn.

‹Ach Mann, Sionn. Lass mir doch einfach den Glauben an die wundervolle Vielfältigkeit unserer Sechsten Welt›, bat Tiernan nun.

‹Lass ich dir doch. Sie sehen doch beide auf ihre eigene Art vielfältig gut aus. Nicht so gut wie die Ladys der Howling Shadows, aber gut. Ich bin der letzte, der an der vielfältigen Schönheit zweifelt, Chummer. Sieh dir einfach Sinisters Hintern an, dann weißt du Bescheid.›

Tiernan lachte. ‹Wenn wir nur diese Fernbedienung hätten …›

Dana ✔

❄️❄️

[Song 6: Sia - Angel by the Wings3] Die Wiedersehensfeier war unten immer noch im vollen Gange. Ich hatte mich mit einem Glas Whiskey in der einen und einer Schale Katzenfutter in der anderen Hand auf ‚mein Dach‘ gegenüber zurückgezogen und saß nun mit baumelnden Beinen auf dem Rand.

Der nächtliche Sternenhimmel funkelte über mir.

Mit Dana hatten wir eine weitere Person unserer Liste abgearbeitet. Damit waren wir ein ganzes Stück weiter gekommen. Jetzt fehlten nur noch die Häkchen bei Professor Popow und Miri und Chris von den ‚Boston Massacre‘. Alle drei waren Personen, von denen wir den Aufenthaltsort nicht kannten und nach denen wir hatten sehen wollen. Allerdings gehörten die drei nicht zu denen, um die wir uns große Sorgen machten. Schon gar nicht um Miri und Chris. 

Dennoch würden wir nicht abreisen. Ich wollte ja noch wissen, was hier geschehen war. 

Cereus! - Der Verräter hatte nun einen Namen. Doch das reichte immer noch nicht, um das Puzzle vollständig zusammenzusetzen. 

Abgesehen davon hatten wir mit Max, Caroline und Alba noch weitere Bostoner unter unseren Schutz genommen, die den Sprawl wahrscheinlich nicht verlassen wollten. 

Nicht einmal Dave würde gerne gehen. Boston war seine Heimat. 

Das hatte mich auf die Idee gebracht, hier lieber etwas aufzubauen. Eine Zuflucht, in der unsere Freunde und die anderen Geretteten bleiben und überleben konnten.

Wir konnten sie ausbilden. Max und Caroline bekamen bereits Unterricht von Mash. Noch ein paar Wochen, dann würden aus ihnen brauchbare Krankenschwestern mit medizinischen Grundkenntnissen geworden sein, die zudem wussten, wie sie sich gegenüber Shamblern verhalten mussten.

Für eine Zuflucht war Tangos Studio selbstverständlich zu klein. Wir würden uns etwas anderes, größeres suchen und dann umziehen müssen.

Dort brauchte es dann mundane und magische Sicherheit. Besonders für die Zeit nach unserer Abreise. Aber auch schon vorher. Wie viele wir brauchten, hing von der Größe des Geländes ab. Sie mussten sich alleine schützen können! 

Ich für meinen Teil hatte jedenfalls nicht vor, ewig hier zu bleiben.

Und ich war sicher, dass der Lockdown noch eine ganze Weile anhalten würde. Spätestens mit dem Winter würden andere Überlebende versuchen, jedem seinen Besitz streitig zu machen. Knight Errant würde die Sicherheit nur noch bedingt gewährleisten können. Das Recht des Stärkeren würde sich weiter ausbreiten.

Also mussten in unserer Zuflucht die Stärkeren sein. Wir konnten ja noch gezielt nach geeigneten Kandidaten Ausschau halten. Alle anderen konnten wir bis dato weiter unterrichten. 

Aus dem Bauch heraus veranschlagte ich drei Monate für dieses Vorhaben. Das sollte auch reichen, um die Geheimnisse zu lüften, die es noch zu lüften galt. 

Selbst. wenn ich vier Monate daraus machte, konnte ich Halloween zu Hause sein. Halloween war eine großartige Deadline. Dann konnte ich Halloween gebührend feiern. Mein Liebster würde an meiner Seite sein und ich konnte mein wunderschönes Kostüm tragen.

Ich seufzte kurz. Halloween. 

Das bedeutete ich würde bis Halloween weder Sex haben noch schöne Kleider tragen oder ausgiebig baden. 

Aber was waren schon vier Monate, wenn die Unendlichkeit über mir funkelte?

„Miauz!“ Das Kätzchen hatte sich angeschlichen und forderte ihr Essen ein. Ich schob ihm die Schale mit Futter sanft rüber und sah dem Tier lächelnd beim Fressen zu.

Die Wiedersehensfreude bei Dana und Eden war groß gewesen. Die beiden Frauen kannten sich seit Kindertagen. 

Ich zog die Beine an, umschlang sie mit meinen Armen und schmunzelte.

Sie kannten sich vielleicht sogar länger, als ich am Leben war. 

Ein faszinierender Gedanke. 

Es lebte wohl niemand, den ich länger als ein Dutzend Jahre kannte. Eddy Korsky vielleicht. Wenn man dann von einigen Ancients absah, von denen ein Großteil zweifelsohne noch am Leben war, kannte ich Liam am längsten, denn ich hatte ihn im September 2070 kennengelernt. 

Wie es wohl wahr, jemanden sein Leben lang zu kennen? 

Ich trank einen Schluck Whiskey und blickte hinauf in den Sternenhimmel. 

Auch wenn der eine oder andere Stern vielleicht schon erloschen war, so währte der Sternenhimmel doch unendlich.

❄️

Das Kätzchen strich schnurrend an meinen Beinen entlang. Ich ließ es auf meinen Schoß und kraulte es am Kopf. „Weißt du, ich vermisse Katze manchmal ein bisschen“, flüsterte ich fast tonlos.

Das Kätzchen drückte seinen Kopf gegen meine Hand und schnurrte lauter. 

❄️

Als ich mich vor ein paar Wochen mit dem Gedanken getragen hatte, einen neuen magischen Weg einzuschlagen, hatte ich mich mit Katze darüber unterhalten. 

‹Aber wenn ich das mache, dann wirst du nicht mehr bei mir sein›, hatte ich wohl zum zwanzigsten Mal angeführt.

Katze hatte jedes Mal dazu geschwiegen, doch nun meinte sie: ‹Sei nicht albern! Das ist nun mal der Lauf der Welt. Aus dir ist eine Drachenkatze geworden. Es ist Zeit, dass du deinen eigenen Weg gehst!›

‹Aber wer rät mir dann, wenn ich nicht weiter weiß, Katze?›

‹Du rätst dir einfach selbst, Drachenkatze! Und nun hör auf, so ängstlich zu sein! Das steht dir nicht.›

‹Ich werde dich sicher vermissen, Katze!›

‹Ja, Drachenkatze, das wirst du wahrscheinlich.›

‹Werden wir uns dann jemals wiedersehen, Katze? Jemals wieder miteinander sprechen?›

‹Das weiß ich nicht, Drachenkatze. Aber ich werde dich im Auge behalten. Und solltest du mich eines Tages brauchen, dann werde ich für dich da sein! - Du hast dich gut entwickelt, liebes Elfenmädchen! Denk immer daran, du kannst alles erreichen, wenn du nur am Leben bleibst!›

‹Danke, Katze! Ich danke dir für alles. Ich hätte es ohne dich nie soweit geschafft!›

‹Wahrscheinlich nicht, Drachenkatze. Du warst meine Mühe wert. - Nun trockne deine Tränen, sonst fängt deine Nase an zu laufen, und nicht einmal du kannst dir wirklich elegant das Näschen schnäuzen, wenn es erst mal richtig läuft.›

❄️

„Sie wusste natürlich, dass ich sie vermissen würde“, flüsterte ich weiter.  

„Sie wusste immer alles vor mir!“, stellte ich leise lachend fest. „Oder sie hat zumindest so getan.“

Ich trank meinen Whiskey aus, hob das Kätzchen sanft hoch und stellte es auf den Boden.

Ich stand auf. „Es ist Zeit für mich, wieder nach unten zu gehen“, erklärte ich dem Kätzchen, wohl wissend, dass es mich nicht wirklich verstand.

Mein Team hatte lange genug auf mich verzichtet.

Ich warf einen Blick zurück über die Stadt. 

Die Shambler machten alles düster und trostlos, doch der Sternenhimmel war immer noch strahlend schön.

Das hatte er mit mir gemeinsam!

❄️❄️❄️

Ende der Episode

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Wir freuen uns, dass du uns während dieser Geschichte begleitest hast, danken dir für’s Lesen und verbleiben bis zum nächsten Mal:

Snowcat and the Howling Shadows

An dieser Stelle bedanken sich die Spieler unserer Runde bei allen, die an der Entwicklung und Verarbeitung der Shadowrun®-Produkte mitgewirkt haben. Ohne ihre Arbeit wäre unser Spiel nicht möglich! 

We would like to thank the authors, artists and all others who are involved in the development of the Shadowrun® rules, adventures and stories. Without them, our game would not be possible.

Vielen Dank auch an @Vin für das Korrekturlesen. ;*

*reckundstrekgenüsslich* Hoffe Ihr habt Spass; *knutschi*