Tales of Snowcat 38: Welcoming Committee (Run 83/1) 

Weiter

TALES OF SNOWCAT (38)

PERIOD4: Magician

ERA4: Modern Baroque

AGENDA8: Shadowrun

TIMESTAMP1: 04/28-30/2077

RUN NO: 83/1

ON THE RUN: Blackstone, Drizzt9, Medaron, Phoenix, Snowcat

APPEARANCE2: Blue Sky, Hamaka

SPECIAL APPEARANCE2;5: Laurent Nazaire, 

SPOILER ALERT: Die Episode enthält Spoiler auf den Missions-Band „Boundless Mercy“ von Catlayst GameLabs. 

WARNING: Dieser Text ist für Leser unter 17 Jahren nicht geeignet. Sexualität, Gewalt, Magie, Tod, Kraftausdrücke, Folter, Rassismus, Alkohol- und Drogenkonsum können vorkommen. 

DAS GESCHAH ZULETZT:

Etwas mehr als eine Woche später meldet Nazaire sich erneut. Bei dem Meeting am Abend ist ein weiterer Runner, Drizzt, zugegen, den Hamaka und Snowcat tatsächlich mit auf den Run nehmen. Die vom Team besorgten Daten wurden ausgewertet, nun möchte Elizabeth mit einem der Männer, Magus Tyrone Girardi, einem Mitglied der Illuminates of the New Dawn, sprechen. Dafür soll dieser gefunden und zu ihr gebracht werden. Bloody Guts gelingt es, das Safehouse zu ausfindig zu machen, doch als das Viererteam dort ankommt, sind die IOND bereits aufgeflogen. Die Runner finden zwar eine Spur, die in die Kanalisation führt, kümmern sich zunächst aber um ein zurückgelassenes Experiment in Form des schwer verletzten Trolls Zork, den sie heilen und zu ihm nach Hause bringen. Bevor sie den Troll begleiten, informiert Snowcat noch Mr. Tea und Blackstone, damit sie dem Team zu Seite stehen. 

Nachdem Blackstone und Mr. Tea - in teuren Maßanzügen - am Einsatzort erschienen sind, macht man sich an die Verfolgung der Illuminaten. Während Drizzt, Blackstone, Hamaka und Mr. Tea ihren Weg durch die Kanalisation finden, fahren Snowcat und Bloody Guts überirdisch hinterher. Unterwegs bekommen es die Runner unten mit einem Basilisken zu tun. Als die Spur aus der Kanalisation herausführt und die Runner ihr folgen, löst Hamaka eine magische Falle an einem Gullideckel aus. Durch den Feuerball verliert der Ork eine Hand. Gemeinsam gelingt es den Runnern, die vier Zauberer der Nachhut der Illuminati auszuschalten. Eine Befragung eines Überlebenden ergibt eine neue Spur: eine Adresse in Green River. Obwohl das Team bereits seit Stunden unterwegs ist, beschließt es, gleich noch im Anschluss die Adresse aufzusuchen. 

In Green River muss das Team feststellen, dass das Ziel auch dort bereits abgereist ist. Es gelingt jedoch, einen Hinweis auf den Aufenthaltsort zu bekommen. Giradi ist nach Montréal gegangen. Als das Team den Auftraggeber darüber informiert, wird es ohne zu zögern bezahlt. Man vereinbart, dass UC die Suche auch in Montréal fortsetzen wird.

Anmerkungen:

1. Der Zeitstempel wird an unsere Zeitlinie angepasst und ist maximal an die offizielle Timeline angelehnt.

2. Die Episode wurde am 05.07.19 erspielt. Neben mir und dem GM waren der Spieler von Blackstone, der Spieler von Medaron und die Spielerin von Phoenix anwesend. Da wir eine große Gruppe von 8 Spielern sind, nimmt jeder Spieler meist nur einen Charakter mit auf den Run. (Unter Umständen kann ein weiterer Charakter für den Run notwendig sein.) So sollen zu viele gleichzeitige Handlungsstränge vermieden werden. Nur in der ausgespielten Downtime kann ein Spieler alle seine aktiven Charaktere ausspielen. Wegen den Widrigkeiten und Schönheiten des RL können nur selten alle Spieler am Spielabend teilnehmen. Deshalb können Charaktere in einer Episoden ohne weitere Erklärung auftauchen, verschwinden oder nicht weiter erwähnt werden. Darüber, welche Charaktere mit auf einen Run gehen, entscheiden die Spieler nach eigenem Gefallen. Das muss nicht immer die logischste Entscheidung sein, und entspricht in keinem Fall nur Snowcats Willen, auch wenn es in der Geschichte anders zu lesen ist. Manchmal ist ein Charakter mit auf einem Run, obwohl sein Spieler abwesend ist. In diesen Fällen wird der Charakter zwar mitgeführt, sein Handeln gerät, wenn möglich, aber in den Hintergrund. Das Spotlight soll auf Charakteren liegen, deren Spieler anwesend sind. Gegebenenfalls hinterlassen Spieler beim GM Regieanweisungen. 

Eine Beschreibung aller Charaktere findest du hier [LINK].

3. Die verlinkten Songs sollen lediglich zu Stimmung beitragen und enthalten keine versteckten Hinweise. Jedenfalls meistens nicht :). Übrigens kaufen wir jeden in den Episoden verwendeten Song, sollte er sich nicht schon vorher in unserem Besitz befunden haben. Nicht nur, damit wir die Songs jeder Zeit auf all unseren Geräten abspielen können, sondern auch, weil wir damit den jeweiligen Künstler unterstützen möchten. Eine Liste mit dem kompletten Soundtrack findest du hier [LINK]. Eine YouTube Playlist zur aktuellen Season findest du hier [LINK].

4. In den ‚Tales of Snowcat’ erzählt Snowcat einem imaginären, nicht näher definierten Zuhörer die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Sicht. Seit dem Weggang von Katze führt Snowcat auch Tagebuch. Was ihr zunehmend wichtiger wird, da ihr die Dialoge mit Katze fehlen. Man kann ToS demnach auch als Tagebuchauszug betrachten. ‚Period‘ beschreibt dabei den Lebensabschnitt auf dem sich Snowcat befindet. ‚Era' beschreibt das Thema, unter das Snowcat in dieser Zeit den Inhalt ihres Kleiderschranks gestellt hat. ‚Broadcast‘ fasst zusammen, was von dem per Drohne gedrehten Material dem Trideo-Zuschauer der Serie Snowcat and the Howling Shadows zur Verfügung gestellt wird und wann es gestreamt wird.

5. Einige der Namen, die in der Geschichte auftauchen, sind auch in der offiziellen Shadowrun-Welt ein Begriff. Ähnlichkeiten sind beabsichtig. Allerdings kann das hier dargestellte Bild auch deutlich von dem Bild im SR-Kanon abweichen, da es unserer Spielwelt angepasst wurde.

6. Teilweise stehen Dialoge in diesen » « Textzeichen. Die gesprochenen Worte werden dann vornehmlich via Teamnetzwerk oder Commlink verbreitet und sind für Wesen, die keine Mitglieder im Teamnetzwerk sind, nicht oder nur schwer zu hören. Ferner stehen in <> schriftliche Nachrichten und in ‹ › stehen Dialoge via Geistesverbindung, wie zum Beispiel die mit einem Geist unter Kontrolle, Gespräche via Mindnet oder Dragonspeech. Wird zusätzlich eine andere Schriftart verwendet, handelt es sich um unausgesprochene Gedanken oder extra-persönliche Anmerkungen von Snowcat.

7. Snowcat sieht die Geister, die einen Element zugeordnet sind als klassische Elementarwesen:  Luftgeister sind Sylphen, Erdgeister Gnome (früher Brownies), Feuergeister Salamander und Wassergeister sind Undinen. Jeder Geist, den sie beschwört, hat für sie zudem einen eigenen Namen. Guidance Spirits sieht Snowcat als weise Paten, die sie mit Godfather und Godmother betitelt. Guardian Spirits sind für sie Warden, also Krieger verschiedenen metamenschlichen Rassen. Die Warden tragen als Hommage an meine Lieblingsbuchsreihe den ‚Dresden Files‘ von Jim Butcher, die Namen von den Warden des White Council. Spirits of Man sind für sie Leprechauns (Kobolde) und Task Spirits sind Brownies. Beast Spirits bekommen den Titel Master und Plant Spirits den Titel Mother (z.B. Master Wolf oder Mother Oak). 

8. Schlagwort(e), Überschrift(en) unter denen die Episode steht.

9. Die Namen sind eine Hommage an die wundervolle Welt Forgotton Realms/Dungeon and Dragons und an das Computerspiel aus den 80er Jahren. 

• Weitere Begriffserklärungen findest Du dort: [LINK].

POSTED BY SNOWCAT:

[Song 1: Sara Bareilles - King of Anything3] Am Abend des 28. April 2077 betrat ich beschwingten Schrittes das Haunted Mug durch den Hintereingang, der Familienmitgliedern oder Passwortkennern vorbehalten war. Ich setzte mich kurz an die Bar, um mit Barkeeper Mac ein paar Worte zu wechseln und mein Stück Kuchen entgegenzunehmen. Der Three-Chocolate-Mug-Cake mit Mango-Sahne schmeckte einfach köstlich. Ein Stück davon konnte wahrscheinlich eine Kleinfamilie für drei Tage ernähren, was die Kalorien darin anging, aber das störte mich nicht. Seit wir hier lebten, waren die Kuchenkreationen zahlreicher und kreativer geworden, was mich vermuten ließ, dass nicht nur Tiernan, sondern auch mein Hausgeist Henry ihre Magie mit ins Spiel gebracht hatten. 

Das Haunted Mug war für einen Dienstagabend mehr als nur gut gefüllt. Eine Gruppe Studenten versuchte sich am Retro-Pool-Billard, eine weitere Gruppe am Dart und eine dritte an den virtuellen Rennspielen. Für diese Uhrzeit und Gegend waren das außergewöhnlich viele Studenten. Vielleicht hatte irgendein junger Metamensch die Mischung aus Café und Pub als Insidertipp entdeckt oder aber der Taliskrämer-Laden, den Tiernan und die rothaarige, sommersprossige Molly Carpenter seit ein paar Wochen hier betrieben, hatte die Studenten angelockt.

Der Rest des Klientel bestand aus der üblichen Mischung aus Nachbarn, Arbeitern nach Dienstschluss, Shadowrunnern und Metamenschen irischer Abstammung. 

Stumm reichte Mac mir einen Pot Kaffee zum Kuchen. 

Ich genoss die Atmosphäre. 

Im Haunted Mug behelligte mich niemand, nicht mal, wenn man mich erkannte. 

Wenn jemand mal ein Bild von mir im Haunted Mug machte, verschwand die Datei ominöserweise nach einigen Minuten vom Commlink. Versuchte derjenige es gar zu posten oder sonstwie in die Weiten der Matrix zu versenden, schaltete dessen Commlink sich sogar ab und der Besitzer fand nach dem Reboot ein totales Chaos auf seinem Device vor. 

❄️

Als Blackstone kurz vor 21.00 Uhr das Haunted Mug betrat, trank ich meinen Kaffee aus, um ihn im Anschluss zu begrüßen. Gemeinsam gingen wir ins Hinterzimmer. Dort warteten wir dann auf die anderen. Da ich Drizzt schon beim letzten Mal angeboten hatte, den Job weiter mitzumachen, fand das Meeting zwangsläufig im Hinterzimmer des Haunted Mug statt. 

Es dauerte nicht lange, bis Hamaka, Medaron, Drizzt und Phoenix eingetroffen waren. Ich stellte Drizzt Phoenix und Medaron namentlich vor, wobei mir auffiel, dass Drizzt einen deutlich interessierteren Blick auf Medaron als auf Phoenix warf. Drizzt stand offenbar auch auf Männer, eine Tatsache, die mir vorher noch nicht aufgefallen war. Vielleicht waren Mr. Tea, Hamaka oder Blackstone einfach auch nicht sein Typ? Der Gedanke, dass ich nun nicht mehr der Wunschkandidat Nummer 1 von Drizzt war, stieß meinem Ego ein wenig bitter auf. Allerdings nur für einen Moment. Erstens war das nicht entschieden, solange ich es nicht darauf anlegte, und zweitens war mein Herz und somit auch mein Körper vergeben. Warum also sollte sich Drizzt nach mir verzehren, wenn da sowieso nichts laufen würde? - Eben!

Im besten Fall würde was mich anging sowieso nie wieder so etwas wie Sex auf einem Run stattfinden. Jedenfalls nicht, solange sich Harlequin nicht doch noch dazu entschied, eine Karriere als Shadowrunner bei UC anzustreben. 

Allen ohne meine selbstgemachten Probleme kann ich Sex auf dem Run übrigens nur empfehlen. Er ist aufregend, anregend und belebend zugleich. Die vermeidliche Gefahr im Nacken lässt alles noch intensiver wirken. Ein Umstand, der perfekt den Mangel an Zeit für ein langes Liebesspiel kompensiert.

Ich seufzte innerlich. Irgendwann würde sich mein tägliches Verlangen nach Sex schon legen … so in 200 bis 300 Jahren … vielleicht.

Ein breites Grinsen huschte über mein Gesicht, bevor ich zu dem kam, weshalb ich zu diesem Treffen geladen hatte.

Ich setzte Medaron und Phoenix mit wenigen Worten über unser Ziel, Magus Tyrone Giradi, ins Bild. Für alle anderen war die Suche nach dem Mitglied der ‚Illuminates of the New Dawn‘ ja nur ein Folgeauftrag. Laurent Nazaire nannte ich dabei nur Mr. Johnson. Zum jetzigen Zeitpunkt waren Informationen über ihn unwichtig. Da die beiden mit dem Begriff der IoND nichts anfangen konnten, baute ich einen kurzen Ausflug über dieses Thema ein. [LINK zum Eintrag]

❄️

„Hamaka, Drizzt, Mr. Tea, Blackstone und ich haben bereits vor vier Tagen hier in Seattle nach Giradi gesucht, konnten aber nur herausfinden, dass er sich inzwischen nach Montréal abgesetzt hat“, schloss ich meine Ausführungen. 

„Ah, es geht also nach Montréal!“, schlussfolgerte Phoenix richtig. 

Ich lächelte. „Genau. Heute Abend war ich bei Mr. Johnson und habe die Verhandlungen über den neuesten Run geführt. Wir sollen nach Montréal reisen und dort nach Giradi suchen. Sollten wir ihn finden, gehört es zum Job, ihn lebend zu fangen, damit unser Auftraggeber ein Gespräch mit ihm führen kann.“

„Müssen wir ihn dafür wieder mach Seattle bringen?“, wollte Medaron wissen.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, nicht unbedingt. Unter Umständen könnte das Gespräch auch in Montréal stattfinden. Wir sollen uns melden, sobald wir ihn haben und dann sehen wir, wie wir es machen. Jeder von uns bekommt für den Job 14.000 Nuyen. Mr. Johnson kümmert sich um das Safehouse. Um den Transport kümmern wir uns selbst. Ich dachte, wir nutzen ein befreundetes Unternehmen mit einer großen Transportmaschine, damit wir vor Ort ein eigenes Fahrzeug nutzen können und möglichst frei in der Wahl unseres Equipments sind.“

„Find ich gut!“, befand Blackstone.

„Ich war noch nie in Montréal“, erklärte Phoenix, „Wie ist es da denn so?“

Ich bin bisher auch noch nie wirklich in Montréal gewesen. Wir sind nur einmal durchgefahren, nachdem bei einem Run Blackstones Drake-Gen ausgebrochen war und wir uns aus Québec City hatten in Richtung Lake Louise absetzen müssen. Doch selbstverständlich hatte ich mich in den letzten Tagen erneut über Montréal schlau gemacht. Was ich jetzt zum Besten gab. 

[LINK zum Eintrag]

❄️

„Wer von uns spricht denn Französisch, wo das da so wichtig ist?“, fragte Drizzt, als ich meine Ausführungen beendet hatte.

„Voulez-vous coucher avec moi?“, gab Phoenix den einzigen Satz zum besten, den sie in der Sprache kannte. 

„Je ne sais pas!“, erwiderte Medaron, was sogar irgendwie passte, und übrigens der einzige Satz war, den der Elf auf Französisch kannte.

„Wenn das 'ne Beleidigung war, klang es auf jeden Fall nett“, meinte Drizzt darauf zu Medaron.

Ich befand, dass das erstmal genug an Lektionen in punkto Fremdsprachen war und erklärte: „Ich spreche Französisch, und für Blackstone haben wir einen Chip besorgt. Das wird reichen. Alle anderen sollten ein Übersetzungsprogramm auf ihrem Commlink parat haben! Damit könnt ihr zwar kein Wort Französisch sprechen, aber ihr könnt zumindest alles verstehen.“ 

Phoenix machte sich sofort daran, ein entsprechendes Programm zu organisieren. 

Ich bat sie, gleich noch nachzusehen, ob die Zufahrt auf die Insel über eine der Brücken, die über den St. Lorenz Strom führen, irgendwie zugangsbeschränkt war. 

Das waren sie zum Glück nicht - und so stand der Idee, uns mitsamt einem Fahrzug in die Nähe des Sprawls bringen zu lassen, nichts mehr im Weg. „Macht euch Gedanken, was ihr so mitnehmen wollt. Medaron, du hast Zugriff auf die Drohnen von UC in unserem Clubhaus, pack nach eigenem Ermessen welche in den Wagen, denk aber bitte daran, dass wir alle auch noch Platz brauchen und persönliches Gepäck dabei haben werden.“

❄️

Nachdem wir uns über der Modalitäten unserer Reise einig geworden waren, sah Medaron zu Drizzt. „Und, was kannst du so?“

Ich grinste breit und warf nebenbei ein: „Wir nehmen ihn mit, damit bei uns überhaupt einer arbeitet.“

Drizzt lachte. „Ich deck euch den Arsch. Nicht als Bodyguard oder so. Ich bin schnell und pass auf, dass die anderen gar nicht erst zum Schuss kommen.“ Drizzt bleckte die weißen Zähne, die aus seinem schwarz-pelzigen Gesicht blendend hervortraten. „Ich bin natürlich nicht so gut wie Blackstone hier!“ Der Elf tappte dem Zwerg zweimal auf die Schulter. „Mein kleiner Zwilling schafft nämlich Großartiges. One shot, one tire! Ansatzlos hat er letztes Mal einen Reifen erschossen.“

Blackstone griente. „Zu dem Zeitpunkt war das wichtig!“

Drizzt lachte erneut. „Schon gut!“ Dann blickte er voller Interesse zu Medaron. „Und? Was machst du so?“

„Ich bin der Rigger!“, erklärte Medaron.

Drizzt verschränkte die Arme. „Soso. - So ein richtiger Rigger?“

„Was meinst du damit?“, fragte Medaron nach.

„Die Rigger, die ich kenne, haben drei Aufgaben. Sie fahren uns sicher überall hin, überwachen mit Drohnen, was zu überwachen ist, und wenn es schwierig wird, dann ballern sie uns mit ihren Drohnen den Weg frei!“, erklärte der Nocturna.

Medaron nickte. „Ja, so in der Art. Ich bin ein guter Fahrer. Vor allem das mit dem schnell und sicher überallhin fahren passt bei mir gut!“

Jetzt kniff Drizzt die Augen zusammen. „Moment mal, dein Name ist Medaron? Das ist doch elfisch für Tod!“

Medaron lächelte zufrieden. „Ja genau. Der Tod fährt mit.“

Blackstone sah zu Drizzt. „Wir brauchen keine Angst zu haben, wir sind so schwarz, da sieht uns der Tod nicht!“

Drizzt zuckte mit den Schultern. „Okay. Wenn du das sagst!“

„Zumindest ist seine Unfallbilanz besser als die von einem gewissen anderen Rigger im Team“, warf Phoenix ein.

Ich stutzte kurz. Wie kam sie denn jetzt darauf? Phoenix hatte bisher noch mit keinem unserer Rigger irgendeine Art von Crash erlebt. Sie musste sich wohl auf das beziehen, was ihr so über AveRage erzählt worden war.

Drizzt tat beeindruckt. „Ihr habt mehr als einen Rigger?“

Ich nickte. „Zwei. Zweieinhalb, wenn wir den Rigger-Decker mit dem Namen AveRage mit einrechnen!“

„Wow!“ Drizzt sah nun zu Phoenix. „Und welche Position hast du?“

„Ich bin Decker!“, antwortete sie knapp, aber fröhlich.

Darauf fragte Drizzt: „Und was ist mit dem Großen? Mit Bloody Guts?“

Nun lächelte ich strahlend. „Wir haben auch mehrere Decker. Viereinhalb, um genau zu sein.“

Jetzt war Drizzt wirklich beeindruckt. „Ihr seid viele!“

„Das stimmt. Aber arbeiten tun wenige! Und ich bin sowieso nur dazu da, um gut auszusehen!“ Ich zwinkerte ihm mit langsamen Augenaufschlag zu.

Medaron deutete erst auf Blackstone und dann auf Drizzt! „Möchtet ihr eigentlich auf der Fahrt nebeneinander sitzen?“  

„Blackstone sitzt bei mir immer auf dem Schoß“, antworte Drizzt ohne zu zögern.

Medaron nickte. „Verstehe, ohne Kindersitz darf er nicht fahren!“

Blackstone verdrehte die Augen, nahm das Zwergen-Gebashe aber mit Humor. 

„Solange ich nicht wieder die Hose verliere, bin ich zufrieden!“, stellte Hamaka fest und warf Blackstone einen bedeutungsschweren Blick zu. 

„Jetzt wäre eh Medaron dran mit dem Hose verlieren!“, konterte Blackstone.

Drizzt winkte ab. „Nee, lass mal. Dafür sorge ich dann schon selbst!“ Er warf nun seinerseits Medaron einen Blick zu. Nach einer Pause fügte er hinzu: „Eines gibt es über mich noch zu wissen. Ich werde nach Sonnenaufgang unleidlich.“

Phoenix blickte fragend in die Runde. „Wieso das?“

„Drizzt ist ein Nocturna. Sie sind hauptsächlich nachtaktiv!“, erklärte ich. „Aber Schokolade und Sex helfen dagegen.“ Ich sah zu Drizzt. „Diesmal hast du es ja nicht schwer. Phoenix hat dir ja eben schon Sex angeboten.“

„Ach, hat sie? Als sie Französisch gesprochen hat, meinst du?“, fragte Drizzt nach.

Ich nickte.

„Hat Medaron auch so was in der Art gesagt?“, wollte der Norturna nun wissen.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Aber ich dachte, du nimmst es mit dem Geschlecht nicht so genau.“

Drizzt erklärte: „Ja, schon, aber aktuell bin ich mehr in meiner Jungsphase. Von meinem Blickwinkel aus seid ihr eh alle Glatte.“

Was dann ganz kurz vor einer Beleidigung stand, wie ich fand. Bei dem verschiedenen Aussehen und der unterschiedlichen Ausstrahlung, die wir hier zu bieten hatten. 

Medaron sah Drizzt ehrlich freundlich an. „Ach so, verstehe! Aber dafür bin ich nicht zu haben. Ich stehe nun mal nur auf Frauen!“

Was Drizzt natürlich schade fand.

Phoenix grinste niedlich. „Ich schick mal ne Nachricht an Dawante. Da bekämst du wenigstens 'ne Umarmung. Und wer weiß, vielleicht geht da noch mehr?“

Doch Dawante erteilte ihr nachrichtwendend eine Absage.

„Wer von uns kann eigentlich kochen?“, wechselte ich das Thema.

Blackstone meldete sich als einziger.

Womit ich durchaus zufrieden war. Immerhin hatte er sein Können in Boston bei Tango erlangt.

„Cool!“, befand Phoenix. „Wenn wir schon unseren Koch nicht mitnehmen können, dann ist es schön, wenn wenigstens einer irgendwie kochen kann.“

„Ihr habt 'nen Koch?“ Drizzt blickte ungläubig drein.

❄️❄️

Am späten Abend des 29.04.2077 setzte uns Blue Sky irgendwo in der Nähe von Montréal ab. Für einen Rücktransport würde sie uns nach Meldung innerhalb von 24 Stunden zur Verfügung stehen.

❄️

[Song 2: Willyecho - Welcome to the Fire3] Den Weg über die Brücke und dann über die Straßen, die wie angekündigt von schlechter Qualität waren, zu unserem Safehouse fanden wir problemlos. 

Obwohl wir einen Rigger am Steuer hatten, wurde der Wagen die ganze Zeit ordentlich durchgeschüttelt. Montréal war wahrlich kein gutes Pflaster für Fahrzeuge. Zum ersten Mal seit langer Zeit bewies sich, dass all das Geld, welches wir in den Roadmaster zum Schutz und Komfort der Passagiere gesteckt hatten, nicht rausgeschmissen gewesen war.

In einer schlechten Gegend von Montréal sollte uns zum Ausgleich zumindest eine alte Villa erwarten. Ich mochte Häuser mit Geschichte. 

❄️

Vorsichtig, wie wir nun mal waren, drosselten wir unser Tempo und sahen uns aufmerksam um, als wir in die trostlose Straße einbogen, an deren Ende der Zugang zu unserem Safehouse sein sollte. 

Phoenix meldete im Haus schräg gegenüber von unsere Adresse zwei versteckte Commlinks, was weniger ungewöhnlich gewesen wäre, wäre die Straße ansonsten nicht ziemlich tot an Signalen gewesen.

Ich nahm astral wahr. »Fahr noch mal langsamer!6«, wies ich Medaron sofort an. 

Der Elf bremste sanft. 

»Ich habe hier einen Hellsichtzauber auf dem Haus liegen6«, erklärte ich.

Hamaka fragte: »Was für einen genau?«

»Kann ich noch nicht sagen«, lautete meine knappe Antwort.

Hamaka bot an, seinen Körper zu verlassen und astral gucken zu gehen. 

Nur Sekunden später war er wieder zurück. »Da sind zwei duale Wesen drin. Infizierte, würde ich sagen«

»Womit infiziert?«, fragte Phoenix nach.

Während ich den Zauber erneut askennte erwiderte ich: »Mit HMHVV. Mit Infizierten meint man eigentlich immer Vampire und Co. Das ist hier nicht mehr wie letztes Jahr in Boston. - Bei dem Zauber handelt es sich um einen ‚Borrow Sense‘, der sich über das Haus auf der anderen Straßenseite erstreckt. Ich nehme an, dahinter sitzt was, was sich von irgendwem die Sinne borgt, um die Straße zu beobachten.«

Medaron ließ eine kleine Drohne starten, um damit die Gegend zu erkunden. Wir hatten inzwischen außerhalb des Einflussbereiches des Zaubers angehalten. 

In unserem Haus selber entdeckte Medaron nichts, und auch Phoenix konnte keinerlei ungewöhnliche Signale ausmachen. Dafür bekam unser Rigger jedoch ein schwarzes SUV auf die Sensoren, welches eine Straße weiter, die zu unserer genau parallel verlief, und auf Höhe des Zaubers geparkt worden war. 

Hamaka verließ abermals seinen Körper, um sich das SUV anzusehen. 

Die Sekunden verstrichen. Langsam und zäh. 

Doch schließlich regte sich sein Körper auch diesmal wieder. Er fuhr sich mit seiner intakten Hand zwischen die Hauer und um den Mund herum, so, als wolle er sich vergewissern, nicht angemalt worden zu sein. Zufrieden betrachtete er seine Finger, an denen keinerlei Farbkleckse zu finden waren. Dann sagte er: »In dem schwarzen SUV weht der Hauch des Todes. Ich spürte Macht, Gewalt, Tod und Verwesung. Zwei Personen befinden sich darin, aber ich habe nicht gewagt, sie mir näher anzusehen.«

Phoenix fragte: »Und nun?«

»Nun fahren wir weiter und sehen uns unser Safehouse an. Vielleicht gehört das alles zur Sicherheit. Was ich allerdings nicht glaube. Darum werden wir auf der Hut sein und uns bereithalten!«, entschied ich.

Medaron setzte unseren Ares Roadmaster wieder in Bewegung.

Da ich keine Lust hatte, gleich als ich selbst enttarnt zu werden, wendete ich ein wenig Illusionsmagie an. Die Körpermaske der jungen, menschlichen Frau mit dem rotbraunem Haar, den niedlichen Grübchen, den Sommersprossen und den smaragdgrünen Augen, gekleidet in Blue-Jeans, braune Stiefel, ein Sweatshirt und eine Panzerweste, konnte einer meiner Zauberspeicher aufrechterhalten.  

Medaron parkte den Wagen geschickt rückwärts in der Auffahrt. Die Überwachungsdrohne hoverte über dem Dach unseres Safehouses, von dem wir ja wussten, dass es dort zumindest weder Personen noch Commlinksignale gab.

Unser Rigger sowie Blackstone und Hamaka blieben im Wagen sitzen, während Phoenix, Drizzt und ich mit etwas Handgepäck ausstiegen. Zu unserem Handgepäck gehörten übrigens auch sichtbare Waffen in Form von Maschinenpistolen und kleineren Pistolen. Das hier war eine düstere und trostlose E-Gegend. Unbewaffnet zu sein wäre da weitaus auffälliger.

Drizzt streckte sich ausgiebig, so, als wäre er lange hierher unterwegs gewesen.

Als ich die Veranda der Villa betrat, poppte ein Arrow auf, der mich samt virtueller Tastatur auf Englisch nach dem Passwort fragte. 

Ich tippte das korrekte Codewort ein, obwohl es mich kurz in den Fingern juckte, zu sehen, was geschah, wenn ich falsch antwortete.

Der Arrow wurde zu einem Pfeil im wahrsten Sinne des Wortes und deutete auf die Fronttür. <Bitte treten Sie ein, dieses Arrow entfernt sich in 10 Sekunden selbst!>, war nun zu lesen.

»Zwei mal zwei Gestalten haben sich aus den Häusern gelöst und kommen nun auf uns zu«, meldete Medaron.  

»Sie sind alle vier infiziert«, gab Hamaka im ruhigen Ton bekannt. Er hatte sich mit seinem Gebüschi auf dem Schoß auf die Beifahrerseite gesetzt und konnte die Wesen nun durch die Frontscheibe heran huschen sehen. 

Blackstone trat durch die Hecktür und blickte unter deren Schutz den Weg hinab. »Soll ich ihnen einen Burst vor die Füße setzen?« 

»Bin dagegen«, kam darauf von Drizzt. »Baller sie einfach weg!«

Ich stand noch auf der Veranda, ließ meine Taschen fallen und drehte mich um. »Feuer frei nach eigenem Ermessen.« 

Kaum ausgesprochen, hörte ich auch schon Blackstones Waffe knattern. Er war aus der Deckung der Hintertür hervorgetreten und nahm das erste Zweierpärchen unter Beschuss.

Auch Drizzt feuerte. Er zog den Abzug seiner smarten Waffe voll durch. Sie war erstaunlich leise. Selbstverständlich hatte er das andere Pärchen anvisiert.

Von diversen Kugeln durchgerüttelt, fielen die beiden wie in Zeitlupe zu Boden. 

Das Adrenalin rauschte in meinen Ohren. Ohne einen magischen Trank von Tiernan oder die Beschleunigung durch eine Kampfdroge war ich zwar nicht ganz so schnell, aber immer noch schnell genug. 

Im Bruchteil einer Sekunde stellte ich fest, dass die beiden Gruppen zu weit voneinander entfernt waren, um sie mit einem einzigen Zauber zu treffen. Doch ich besaß mehr als genug magische Macht, um zwei identische Zauber gleichzeitig wirken zu können. 

Mein Spruch ließ die Temperatur um die beiden Pärchen herum abkühlen. Alle vier wurden mit einer Schicht aus Eis überzogen. Bei dem Team, welches inzwischen bereits am Boden lag, zog das Eis nicht wirklich, aber das von Blackstone getroffene Team fiel ebenfalls zu Boden.

Ein leichter Kopfschmerz schlich sich in meinem Hinterkopf. 

Mehr aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Phoenix ins Haus sprang, um von dort in die Matrix abzutauchen. 

Medaron hatte inzwischen eine bewaffnete Cyberspace-Design-Owl-Drohne gestartet. Mit der nahm er das rechte - also Blackstones - Paar unter Beschuss. 

Drizzt feuerte noch mal auf seine zwei, die wild zuckten, als die Kugeln in sie einschlugen. 

Zu viel des Guten war es nicht. Das waren Infizierte - und die konnten durchaus regenerierende Kräfte haben.  

[Song 3: Adam Jones - You Can Run3] Irgendwo in einiger Entfernung wurde eine Fahrzeugtür zugeschlagen. Fast gleichzeitig waren Motorengeräusche zu vernehmen. 

»Medaron, flieg mit der Drohne hinterher«, befahl Blackstone.

»Copy that«, bestätigte ich der Vollständigkeit halber und nutzte gleich im Anschluss meine hervorragenden Führungsqualitäten, um mein Team zur Höchstgeschwindigkeit anzuspornen. 

»Okay, ich hab den Wagen auf dem Schirm«, gab Phoenix bekannt. »Da ist ein Rigger am Steuer.«

»Na das ist doch mal was!«, freute sich Medaron. Er routete uns den Kamerafeeed unserer Drohne ins Teamnetzwerk durch. 

Wir konnten sehen, dass sich die Heckklappe des SUV öffnete und eine Nissan-Rotordrohne heraus gestoben kam. 

Blackstone und Drizzt nickten sich zu und näherten sich dann mit gezogenen Waffen den beiden Paaren am Boden.  

»Ich greif direkt das Deck des Riggers an«, meldete Phoenix nun. 

Kurz darauf hallte ein Jubelruf durch unser Teamnetzwerk. Außerdem blendete via AR ein >HIT< auf. Ich schmunzelte in mich hinein und machte mich aufmerksam auf den Weg zu unseren am Boden liegenden physischen Angreifern, um sie mir näher anzusehen.

Medaron eröffnete das Autofeuer seiner MP auf die Nissan und holte sie vom Himmel, noch bevor sie richtig gestartet war. 

Phoenix griff erneut das Controldeck des generischen Riggers an. Laut ihres Jubels machte sie erneut Schaden, aber es reichte noch nicht ganz, um es zu zerstören. »Ich muss mal was umswitchen«, kommentierte sie.  

Medaron versuchte unterdessen, das SUV mit Granaten zum Halten zu bringen. Die erste Granate traf voll ins Schwarze, doch der Rigger im Wagen fuhr durch die Explosion, als wäre sie nichts.

Medarons zweite Granate ging daneben. 

Das Fenster auf der Fahrerseite des SUV fuhr kurz herunter. Ein kleiner graublasser Arm kam heraus und zeigte unseren Sensoren den Stinkefinger.

Medaron lachte und beschleunigte seine Drohne, um sich vor den Wagen zu setzen. Was nicht ganz einfach war.

Doch dann jubelte Phoenix erneut. Sie hatte es geschafft, das Deck des Riggers zu crashen. 

Der Wagen ruckte, fuhr aber weiter.

Doch das war alles, was unser elfischer Rigger gebraucht hatte. Mit einem rasanten Manöver setzte er sich vor den Wagen und schoss nun gezielt auf dessen Frontscheibe.

Phoenix nahm inzwischen die Steuerung des SUV aufs Korn. 

Zwei, drei Salven später konnte Medaron durch ein Loch den Kopf eines blassgrauen Zwergs sehen. Ohne zu zögern schoss er ihm in Stirn, wo augenblicklich ein roter Fleck aufblühte.

Der Wagen schlingerte im vollen Tempo und crashte dann gegen eine Hausecke, wo er qualmend zum Stehen kam.

»Ein Commlink ist im Wagen noch«, sagte Phoenix an. Dann fügte sie hinzu: »Irgendwie ist hier was komisch. Ich glaub, ich hab hier warme Flüssigkeit im Gesicht.«

Verdammt.

Blackstone und ich sprangen gleichzeitig hoch und rannten Richtung Villentür. 

Das Bild des zerstörten Wagens, die Tatsache, dass der Zwerg steinerne Haut hatte und dass auf der Rückbank noch eine blasse, schlanke Gestalt saß, nahm ich nur am Rand zur Kenntnis. 

Blackstone war zuerst im Haus.

Ich hörte wie Kleidung zerriss.

Auch ich war kurz darauf endlich durch die Tür.

Mir bot sich ein bizarrer Anblick. 

Direkt vor mir stand ein schwarzer Drake, was natürlich nicht bizarr, sondern unglaublich schön war. Blackstone hatte sich also tatsächlich verwandelt. 

Innerhalb eines Wimpernschlages wurde mir bewusst warum. 

Phoenix hatte sich zum decken auf eine Couch geworfen. Sie war eingestöpselt und ihr Blick wirkte abwesend, da sie Full-VR gegangen war.

Dunkelrotes Blut tropfte ihr Gesicht herab. 

Vor ihr schwebte die manifeste, irgendwie noch metamenschliche, abstoßende Gestalt eines Blutgeistes, der unserer hübschen Deckerin das Blut aus zwei scharfen, dünnen Schnitten an Wange und Stirn zog. 

Blutstropfen flogen von Phoenix zu dem Geist. 

Ich musste nicht astral wahrnehmen, um zu sehen, dass er sich an ihr nährte.

Ohne zu zögern holte ich tief Luft und spuckte an Drake Blackstone vorbei meinen Eisatem aus.

Gleichzeitig kickte ich mit dem Absatz die Tür hinter mir zu.

Der Blutgeist zerplatze und löste sich in Eiswürfeln auf.

Es hatte schon seine Vorteile, wenn man seine Drake-Kräfte auch in seiner metamenschlichen Gestalt einsetzten konnte. 

❄️

Blackstone verwandelte sich umgehend wieder zurück. Aber er war nun nackt.

Ich trat mit einem sanften Lächeln direkt vor Phoenix, um ihr mit meinem Körper die Sicht auf Blackstone zu nehmen, da sie sich gerade ausloggte. Und natürlich auch, um mich um sie kümmern zu können. 

Ich erklärte der hübschen Frau im ruhigen Ton einer erfahrenen Krankenschwester, was eben passiert war, dass sie sich nicht regen solle und dass das viele Blut gar kein Problem sei.

Als ich astral wahrnahm, stellte ich fest, dass der Geist zum Glück noch keine Essenz hatte absaugen können. Die Kratzer waren schnell geheilt. 

Blackstone hatte sich inzwischen seine Tasche geholt, die günstigerweise auf der Veranda gelegen hatte. Er zog sich an.

Phoenix schien die Tatsache, dass ein Geist versucht hatte, sie auszusaugen, wenig zu beeindrucken. Sie war nur daran interessiert, was mit Blackstone geschehen war. 

Mit dem Bewusstsein voll in der Matrix konnte sie nicht viele Details gesehen haben. Blackstones Nacktheit erklärte ich mit einem Zauber, der Panzerung zerstört. Etwas, was es tatsächlich gibt.

❄️

Wir sammelten uns draußen vor der Tür, weiterhin aufmerksam.

Hamaka hatte sich die Leichen angesehen. Die vier waren tot und …  jeder war unübersehbar ein Loup-Garou

Im SUV einen Straßenzug weiter regte sich übrigens nichts. Jedenfalls nicht, dass die Sensoren unserer Drohne es sehen konnten.  

Die Loup-Garou trugen die Kleidung eine Straßengang mit dem Namen ‚The Failed‘. Doch die Kleidung passte nicht sonderlich gut, was die Vermutung nahelegte, dass man sie der Gang nur abgenommen hatte. 

Hamaka war gründlich gewesen und hatte die Toten bis auf die Markenunterwäsche ausgezogen. Markenunterwäsche - das unterstrich unsere Vermutung.

Ich gab Phoenix die vier Commlinks. „Guck doch bitte mal, ob du eine Comm-ID zum Boss finden kannst, der ja vielleicht immer noch im Wagen sitzt.“

Phoenix griff schon nach den Teilen, als Drizzt meinte: „Die hatten alle ballistische Masken auf, damit man nicht sieht, wie hässlich sie sind. Da sind Microtranceiver drin.“

Das war mit Sicherheit der direktere Weg zum Koordinator des Teams. 

Zum Glück habe ich immer ausreichend Desinfektionsmittel dabei. Auch welches, das DNA vernichtet.

Ich sprühte eine der Masken damit ein. Mehrmals! Dann setzte ich sie auf. 

Phoenix leitete das Gespräch ins Teamnetzwerk weiter. 

»Bonsoir«, begann ich.

Es dauerte einen Moment, dann sagte eine männliche Stimme ebenfalls auf Französisch: »Oh. Guten Abend.« Der Ton klang arrogant und distanziert, vielleicht noch eine Spur neugierig.

»Wie verfahren wir denn jetzt hier weiter?«, fragte ich.

»Oh, das ist ganz einfach. Sie reisen ganz schnell wieder ab und sagen Nazaire, dass er hier nicht erwünscht ist.«

»Frag warum!«, verlangte Phoenix.

Ich überlegte kurz, stattdessen zu fragen, wer denn Nazaire sei, wusste aber nicht, ob bekannt war, dass er gelegentlich Runner unter seinem Namen anheuerte. Darum versuchte ich es mit: »Bitte? Wir sind Shadowrunner und können nicht einfach abreisen, bevor wir unseren Auftrag erledigt haben.«

»Das wäre aber sehr schade. Wir müssten Ihnen weitere Männer schicken«, sagte der andere ohne jegliches Bedauern. 

Meine samtweiche Stimme beeindruckte ihn also nicht. Pöh! Außerdem war das eine Drohung, die ich nicht auf mir sitzen lassen konnte. »Tun Sie das ruhig, dann werden wir die infizierten ausschalten, wie die letzte Gruppe. Das war nicht sonderlich anstrengend.« Verdammt, der letzte Satz wäre jetzt nicht nötig gewesen. Ich sollte mein Gefühl der Überlegenheit nicht unbedingt aussprechen. 

Die Stimme des Mannes klang kalt. »Noch war das ja auch nur eine Warnung und keine Herausforderung. Sie wissen nicht, mit wem Sie sich hier anlegen. Sagen Sie Ihrem Auftraggeber, dass er hier nicht erwünscht ist, verhandeln Sie neu oder was auch immer. «

»Warum ist er denn nicht erwünscht?«, stellte ich den Einwurf von Phoenix in den Raum.

»Sagen wir es so, wir stehen in Konkurrenz zueinander und wir sind nicht bereit, ihn hier Fuß fassen zu lassen.«

Ich zuckte mit den Schultern, was der Mann natürlich nicht sehen konnte. Darum seufzte ich gelangweilt. »Nun gut. Ich werde mit unserem Auftraggeber sprechen. Mal sehen, wie er sich entscheidet. - Was ist mit Ihrem Mann im Wagen?«

Der Kamerafeed zeigte, dass der Wagen auf dieses Stichwort hin alle vier Türen öffnete und bis auf den Goblin mit Kopfschuss niemand mehr darin war. 

»Dann gute Nacht!« Ich nahm die Maske ab und schaltete sie aus. »Medaron, kommt mit der Drohne bitte zurück zu uns.«

❄️

Phoenix fragte: „Und was jetzt?“

„Jetzt laden wir alles ins Auto, fahren ein Stück und sprechen mit unserem Auftraggeber.“ 

„Kann ich noch kurz ins Haus und die Leichen übernehmen?“, wollte Hamaka wissen.

Ich schüttelte bedauernd den Kopf. „Nein. Einfach, weil ich keine Ahnung habe, wie lange die Loup-Garou noch ansteckend sind. Nicht auszudenken, wenn ein besessener Infizierter einen von uns kratzt und ihn ansteckt.“

Da Hamaka offenbar auch nicht sicher wusste, dass die Loup-Garou nun ungefährlich waren, gab er nach. „Aber hier in Montréal ist ein Kopfgeld auf Loup-Garou ausgesetzt, das sollten wir uns vielleicht holen!« 

Was dann eine gute Idee war. Zum Glück hatte ich in Seattle einen Packen mit gleich zehn Leichensäcken in den Wagen gelegt.  

Wir luden ein und setzten uns ein Stück ab, bevor ich mir von Phoenix eine Verbindung zu Nazaire  herstellen ließ.

Laurent nahm bereits nach dem zweiten Signal ab. Ich setzte ihn kurz über unser Empfangskomitee ins Bild.

»Oh, das tut mir leid!«, meinte Nazaire ehrlich.

„Das ist auch das mindeste, ich bin fast gestorben!“, beschwerte sich Phoenix aus dem Hintergrund.

Ich wollte mein Schmunzeln ob dieser plötzlichen Wahrnehmungsänderung nicht unterdrücken. »Kein Problem, uns ist ja nichts passiert«, erwiderte ich.

Nazaire räusperte sich. »Der Ordo Maximus glaubt wahrscheinlich, dass ich etwas anderes vorhabe und dass dies sie zumindest indirekt betrifft. Ich denke, ich kann das schnell klären und ich besorge auch gleich ein neues Safehouse. Ich melde mich so bald wie möglich.«

»Dann bis bald.«

❄️

Der Ordo Maximus. Da musste ich meinem Gesprächspartner von vorhin im Nachhinein recht geben. Ich hatte nicht gewusst, dass sie es gewesen waren. Der exklusive Club der Londoner Upper Class war in Wirklichkeit eine Geheimorganisation von Vampiren, die übrigens auch am HMHVV-Virus forschten. Vielleicht konnte man den Umstand später sogar gegen Giradi einsetzten. Eventuell wollten sie nicht, dass andere ebenfalls daran forschten.

Ansonsten war der Ordo Maximus tatsächlich niemand, mit dem man sich anlegen sollte.

›Ich würde sie natürlich trotzdem alle zu Eiswürfeln verarbeiten können‹, betonte eine Stimme in mir. 


Ende der heutigen Geschichte. 


❄️❄️❄️


Ob man in einem neuen Safehouse unterkommt, wo man Giradi endlich habhaft wird und ob Snowcat noch mehr Eiswürfel produziert, wird demnächst hier zu lesen sein. 


Du möchtest den Teil kommentieren? - Das kannst du [HIER] tun.

Wir freuen uns, dass du uns während dieser Geschichte begleitest hast, danken dir für’s Lesen und verbleiben bis zum nächsten Mal:

Snowcat und die Runner von UC.

An dieser Stelle bedanken sich die Spieler unserer Runde bei allen, die an der Entwicklung und Verarbeitung der Shadowrun®-Produkte mitgewirkt haben. Ohne ihre Arbeit wäre unser Spiel nicht möglich! 

We would like to thank the authors, artists and all others who are involved in the development of the Shadowrun® rules, adventures and stories. Without them, our game would not be possible.

Vielen Dank auch an @Vin für das Korrekturlesen. ;*


*reckundstrekgenüsslich* Hoffe Ihr habt Spass; *knutschi*