Tales of Snowcat 14: Ancient Friends? 

TALES OF SNOWCAT (14)

PERIOD6: Magician

ERA6: Light Baroque

AGENDA12: Boston Lockdown

DATE1:  07/26 - 07/31/ 2076

BROADCAST6: Unter „SatHS in Danger“ wird Material als Dokumentation der Situation in Boston gedreht. Da es viel Material gibt und eine hohe Nachfrage besteht, werden die Abstände zwischen zwei Episoden immer wieder angepasst. Episode S3/E12 wird ab 09/11/2076 als Stream zu Verfügung gestellt.

PRODUCTION: Spinrad Media

APPEARANCE2 : AveRage, Doc, Eden, Fang, Fierce, Foggy, Liam16, Mash, Mr. Tea, Shark Finn, Sinister, Snowcat, Tiernan;

SPECIAL APPEARANCE2;7: Alba13, Dana15, Dave, Sionn16, Tango; 

SPOILER ALERT: Die Episode enthält massive Spoiler auf Boston Lockdown von Catalyst Game Labs.

WARNING: Diese Trideoserie ist für Zuschauer unter 17 Jahren nicht geeignet. Sexualität, Gewalt, Magie, Tod, Kraftausdrücke und Drogenkonsum können vorkommen. Mitglieder der Howling Shadows sind in Waffen- und Magiegebrauch ausgebildet und sind sich der tödlichen Gefahr bewusst, mit der sie es während des Drehs zu tun haben. Zuschauer werden gebeten, diese Dinge nicht nachzumachen, es sei denn, es wird in einem Nachspannclip ausdrücklich erlaubt. Ferner ist absolut davon abzuraten, sich auf eigene Faust mit den gezeigten oder ähnlichen magischen Gefahren, Geistern und/oder Crittern anzulegen.

WAS BISHER GESCHAH:

Snowcat erfährt aus Matrixquellen frühzeitig von den Ereignissen in Boston. Als klar ist, dass der gesamte Sprawl wegen einer mysteriösen Krankheit, offiziell eine Version von Enzephalitis, abgeriegelt wird, beschließt Snowcat, nach Boston zu gehen, um nach Tango und Dave, zwei eingeschlossenen Freunden, zu sehen. Snowcat ruft das Team zusammen.

Alle UCler erklären sich sofort bereit, sich an der Mission zu beteiligen. Ein Teil bezieht in einem Lager außerhalb des Lockdown Stellung. Die Gruppe um Snowcat lässt sich nicht mal eine Woche nach dem Ereignis in Boston abwerfen. (Tag 1) Sie kapern Versorgungsdrohnen für ihre Reise in den abgeriegelten Sprawl. In Boston angekommen haben die Howling Shadows gleich den ersten Kontakt mit Shamblern, der wahren Bedrohung, die die Ursache für den Lockdown ist. Man kehrt schließlich bei Tango, dem Fechtlehrer von Snowcat, ein und baut dort das Basislager auf. Die Runner kommen schnell zu dem Schluss, dass es sich bei der ausgebrochenen Krankheit um eine veränderte Form von CFD handelt. Außerdem vermutet man, dass Experimente und Forschung von NeoNET sowie der Große Drache Celedyr und Cerberus für den Ausbruch verantwortlich sind. Das Team möchte unbedingt herausbekommen, was es mit all dem auf sich hat.

Innerhalb der nächsten Tage retten Snowcat und die Howling Shadows Dave (Tag 2) und den Hub-Blogger14 (Tag 4), letzteren aus der HCZ. Außerdem befestigen sie ihr Lager und bauen es aus.

Ein gewisser DJ, ein Elf und vornehmlich Detective bei Knight Errant, erfährt von diesem Einsatz in der HCZ. Er nimmt Kontakt zu Snowcat (Tag 5) auf und beauftragt sie, in die schlimmste Zone von Boston, die MCZ, zu gehen. Dort sollen die Runner neun Metamenschen rausholen. Bei dieser Mission wird den Runnern bewusst, wie viele Shambler und Rager es offenbar geben muss.

Kurz nach diesem Run meldet sich Zoh Rothberg, die Sprecherin des großen Drachen Celedyr, bei Snowcat. Sie hat gehört, dass unter dieser Nummer fähige Runner verfügbar sein sollen. Zoh beauftragt Snowcat, in das magische Labor Nummer 15 einzudringen und dort die Situation zu dokumentieren (Tag 7). Auf dem Weg zum Labor rettet man - quasi im Vorbeigehen - Max14 und Caroline. Auch dieser Job gelingt. Allerdings bringt er gleich zwei unschöne Erkenntnisse mit sich: Die Shambler können regenerieren, und AveRage ist schon seit längerem mit CFD infiziert. Er infizierte sich bereits, als er vor Jahren in einem NeoNET-Labor in Albuquerque gefangen gehalten wurde.

Da Tangos Studio nun schon 19 Metamenschen beherbergt, beschließt man, Wohnmobile zu besorgen, um mehr Schlafplätze, WCs und Betten zur Verfügung zu haben (Tag 9). Auch diese Mission wird erfolgreich abgeschlossen, verläuft aber ohne die Führung von Snowcat, Liam oder Doc chaotisch.

Eines schönen Morgens wird Eden auf ihrem Wachposten auf dem Dach via Matrix angegriffen, weitere Commlinks spielen verrückt (Tag 17). Als man den Angreifer stellt, entpuppt er sich als Sionn, ein Elf aus dem O’Niall-Clan, der ebenfalls in Boston gestrandet ist. Sionn bleibt. Als O’Niall genießt er einen Vertrauensbonus. Es ist klar, dass er zukünftig mit auf Missionen gehen wird.

Während der nächsten Mission möchte Snowcat herausbekommen, was es mit dem Technomancer in der MCZ auf sich hat, der offenbar eine Armee aus Shamblern kontrollieren kann (Tag 19). Man findet heraus, dass er von einem anderem Stamm von CFD infiziert ist und dass es sich bei ihm um einen „Manipulator“ handelt. Vor dem Durchgang in die Zone trifft man auf die Reporterin Alba Garcia Ruiz, die man später ebenso mit in Tangos Studio nimmt wie die überraschend aus dem Haus befreite Hexe Dana Flynn, Edens Freundin aus Kindertagen. Für die sechs weiteren geretteten Metamenschen erhält Snowcat sechs Paar Schuhe, da DJ inzwischen bereit ist, für jeden aus der Zone Befreiten ein Paar Schuhe zu bezahlen und die Personen danach unterzubringen.

Um das Leben in Boston für die Gruppe angenehmer und sicherer zu gestalten, und damit man nicht immer zu Fuß unterwegs sein muss, beschließt man, zwei Limousinen zu organisieren (Tag 21). Auf dem Weg zum Zielort bemerkt AveRage, dass seine Schuhe ihm Probleme bereiten. Neue Schuhe werden in einer Mall besorgt. Währenddessen trennt Columbo sich von der Gruppe, wird von einem Shambler angegriffen und stirbt, noch bevor die anderen zu seiner Hilfe eilen können. Die Mission wird dennoch fortgesetzt. Man verbrennt Columbo auf einem Baseballfeld und nimmt seine Asche in einer Ares-Munitionskiste mit. Der Zielort erweist sich als ehemalige Knight-Errant-Polizeiwache, die inzwischen von Wolverine Security betrieben wird. Im Host finden sich Informationen, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Siebzehn menschliche Wachmänner halten achtzehn Personen anderer Rassen gefangen, vergewaltigen die Frauen und zeichnen das auf. Das Team ändert den ursprünglichen Plan und arbeitet an der Befreiung der Gefangenen. Am frühen Abend tauchen Mitglieder der Knights of the Red Branch auf. Spontan beschließt die kleine Gruppe Howling Shadows, sofort zuzuschlagen. Während der Aktion setzt man den Anführer der Red Branch und dessen Bodyguard fest, befreit die Gefangenen und entkommt mit den Limousinen. Sieben Gefangene haben keinen Ort, an den sie gehen können, darum nimmt man sie in Tangos Studio mit.

Nach der Rückkehr ins Studio halten die Howling Shadows und ihre neuen Gäste eine irische Wake für Columbo ab. Da das Haus langsam zu voll wird, plant man einen Umzug. Alba schlägt das Gelände der Clairmont Academy, Boston Elite vor. Eine Privatschule mit Internat, auf der Alba selbst gewesen ist. Da sich das große Gelände bestens eignet, startet der Umzug nach einem Balladenabend. Gut zwei Wochen später werden die Einzugsarbeiten durch einen Anruf von einem aztlanischen Johnson namens Sandellero unterbrochen, der einen Auftrag für die Runner hat. Sie sollen eine Datei in einen Host in der MCZ spielen. Die Adresse entpuppt sich als Back-Up-Station einer Knight-Errant-Polizeiwache, in der Shambler lernen, sich wie Metamenschen zu benehmen. Das Team spielt die Daten - eine Namensliste von Teilnehmern verschiedener Projekte, die letztendlich alle zum Ereignis des Boston-Lockdowns führten - trotzdem auf, verändert die Liste jedoch leicht. Auf dem Weg zum Grenzzaun bemerken die Runner eine Sprachnachricht, die in den Äther geblasen wird. Erneut wird ein Team für die MCZ gesucht. Zunächst informiert Snowcat sowohl Sergeant McNamara als auch DJ über die bedrohlichen Neuigkeiten über die Shambler. Zurück in der Academy probiert Snowcat noch vor dem Debriefing die Nummer des unbekannten Auftraggebers aus. Penelope Anne Xavier wirkt freundlich und ungeübt, als sie die Runnern damit beauftragt, einige Universitätsrechner, die in der MCZ stehen, wieder anzuschalten und ans Grid anzuschließen, damit ihre sechsköpfige Projektgruppe die Daten retten kann. Erst beim anschließenden Debriefing und gleichzeitiger Auftragsbesprechung wird den Runnern dank Eden klar, dass es sich bei dieser Auftraggeberin um die berüchtigte Technomancerin Pax handelt.

Nach einem Kriegsrat zieht noch in der selben Nacht ein kleines Team los, um die Server zu sprengen, damit die weiteren Pläne von Pax nicht umgesetzt werden können (Tag 36). An einem der Server entdeckt die Gruppe wieder eine FlySpy-Drohne. Als man sich nach erfolgreicher Verdrahtung der einzelnen Parts auf den Rückweg macht, entdeckt man einen einzelnen Shambler, der immer wieder "Hallo" ruft. Snowcat, weiterhin verschleiert, sprich über ihren Geist mit dem Shambler. Als der Geist antwortet, kehrt Intelligenz in den Shambler ein. Cereus steuert den Shambler. Er hat einen Auftrag für das Team. Er braucht saubere Naniten-Flüssigkeit und die Blutprobe eines funktionierenden mit Boston-CFD-Infizierten, um sich einen angemessenen Shambler zu erschaffen. Snowcat verspricht, zu überprüfen, ob sie den Job erledigen können. Sie sagt aber nur zu, da sie nicht sicher ist, ob man den Kontakt zu Cereus irgendwann mal gebrauchen kann, und sei es auch nur, um ihn zu fangen.

Beim nächsten Team-Meeting besprechen die Howling Shadows, was die vergangenen Ereignisse bedeuten und was zu tun ist, um das Gelände der Academy sicherer zu machen. Die angestrebten Arbeiten müssen noch warten, da DJ einen neuen Auftrag für das Team hat. Die B-Station, in der die Shambler unauffälliges Verhalten ausbilden, soll ohne zivile Verluste dem Erdboden gleich gemacht werden. Bevor man wieder arbeitet, bekommt das Gelände der Academy einen neuen Namen und wird feierlich in Snow Haven umbenannt (Tag 35). Außerdem wird Fierce zu Snowcats erster Walküre ernannt. Nach einigen Vorbereitungen erledigen die O’Nialls den Job von DJ (Tag 38), wobei man Metamenschen befreit, von denen einige in Snow Haven einziehen. Am nächsten Tag nimmt man endlich Kontakt zu den Metamenschen des Community Centers auf, in dem man Wochen zuvor Dave fand. Alle 120 Personen dort dürfen mitsamt ihrem Equipment nach Snow Haven umziehen. Nachdem die meisten Umbauarbeiten an dem ehemaligen Schulgelände abgeschlossen sind, wird es Zeit, Kontakte zu knüpfen, um die Versorgung auch während eines längeren Aufenthaltes in Boston zu gewährleisten. Am Abend begibt man sich in die Innenstadt, um das Avalon aufzusuchen (Tag 45). Das Team bekommt von Smedley Pembrenton III. den Auftrag, etwas zu einem gewissen Dr. Brain in die MCZ zu bringen. Die Güter gibt es im Beaded Shamrock, einem Pub, in dem sich Mitglieder der O’Riley-Mafiafamilie treffen. Shane O’Connor hat gleich einen weiteren Job für die Howling Shadows: Sie sollen eine Gang aus einem Depot vertreiben. Da es sich laut Sionn um eine dissonante Gang handelt, nimmt man den Job sofort an. Shane bittet Snowcat, nicht mit in die MCZ zu gehen. Snowcat willigt ein, während der Runs im Pub zu warten. Als man mit beinahe allen Howling Shadows in den Pub zurückkehrt, ist Kyle O’Farell, der Consiglieri der O’Rileys und ein alter Bekannter von Snowcat, anwesend. Er hat eine Einladung zum Essen beim Don für Snowcat dabei. Früh am Morgen des nächsten Tages kehren Snowcat und alle Howling Shadows lebend nach Snow Haven zurück. Alba geht in dieser Nacht auf ihren ersten richtigen Run und muss das Erlebte im Anschluss verarbeiten. Zudem hat Snow Haven nun vier weitere Bewohnerinnen, Studenten, die man aus dem Simmons College aufgenommen hat.

In den frühen Morgenstunden des Tages findet ein Debriefing mit den O’Nialls und Doc statt. Snowcat beschließt, Dr. Brain und Dr. Volt aus der MCZ auf eigene Kosten zu unterstützen. Nachdem man sich ausgeruht hat, findet am Abend eine Party statt, auf der das Leben an sich und Albas erster Kampfeinsatz gefeiert werden. Nach dem Musizieren gibt es plötzlich Applaus. Der Geist Squire Asher Benjamin Clay stellt sich vor. Er lebt schon lange in der Academy. Snowcat macht mit ihm einen Handel und erhält ein Spirit Mark. In einem Gespräch über die genauen Modalitäten der Abmachung kommt zufällig ein Geheimnis ans Licht. In der Academy gibt es eine unterirdische Anlage, in der noch Sicherheitsleute wohnen. Die Howling Shadows befreien die Sublevel und beanspruchen sie ab nun für sich. Man bekommt heraus, dass die Schüler der Academy auf Technomancer-Potenzial untersucht worden sind. Am Vormittag des folgenden Tages (Tag 47), führt Snowcat im Zen-Garten ein Gespräch mit Alba. 

Anmerkungen:

1. Der Zeitstempel wird an unsere Zeitlinie angepasst und ist maximal an die offizielle Timeline angelehnt.

2. Die Episode wurde am 25.05.18 erspielt. Neben mir und dem GM, waren die Spielerin von Alba, der Spieler von AveRage & Dana und der Spieler von Eden & Mr. Tea anwesend. Wegen den Widrigkeiten und Schönheiten des RL, können nur selten alle Spieler am Spielabend teilnehmen. Deshalb können Charaktere ohne weitere Erklärung auftauchen oder verschwinden. Darüber, welche Charaktere mit auf einen Run gehen, entscheiden die Spieler nach eigenem Gefallen. Das muss nicht immer die logistische Entscheidung sein. Manchmal ist ein Charakter mit auf einem Run, obwohl sein Spieler abwesend ist. In diesen Fällen wird der Charakter zwar mitgeführt, sein Handeln gerät, wenn möglich, aber in den Hintergrund. Das Spotlight soll auf Charakteren stehen, deren Spieler anwesend sind. Gegebenenfalls hinterlassen Spieler beim GM Regieanweisungen. 

Eine Beschreibung aller Charaktere und Marks findest du hier [LINK].

Eine Übersicht von Cast und Crew von SatHS findest Du hier [LINK].

3. Die verlinkten Songs sollen lediglich zu Stimmung beitragen und enthalten keine versteckten Hinweise. Jedenfalls meistens nicht :). Übrigens kaufen wir jeden in den Episoden verwendeten Song, sollte er sich nicht schon vorher in unserem Besitz befunden haben. Nicht nur, damit wir die Songs jeder Zeit auf all unseren Geräten abspielen können, sondern auch, weil wir damit den jeweiligen Künstler unterstützen möchten. Eine Liste mit dem kompletten SatHS Soundtrack findest du hier [LINK]. Eine YouTube Playlist zur aktuellen Season findest du hier [LINK].

4.Die Truppe mit der Captain America (Marvel) im zweiten Weltkrieg gegen Hydra ins Feld zieht, heißt „Captain America and the Howling Commandos". Daran angelehnt, entstammt die Titelidee eigentlich. Abgesehen davon, ist „Howling Shadows“ der Titel des aktuellen Shadowrun® -Critter Quellenbuchs von Catalyst. Wir fanden die Doppeldeutigkeit gerade bei der Zusammensetzung des Teams passend. 

5. Eine Übersicht des Steampunk- Journals findest Du hier [LINK].

6. In den ‚Tales of Snowcat’ erzählt Snowcat einem imaginären, nicht näher definierten Zuhörer die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Sicht. ‚Period' beschreibt dabei den Lebensabschnitt auf dem sich Snowcat befindet. ‚Era' beschreibt das Farbthema, unter das Snowcat in dieser Zeit den Inhalt ihres Kleiderschranks gestellt hat. ‚Broadcast‘ fasst zusammen, was von dem per Drohne gedrehten Material dem Trideo-Zuschauer der Serie Snowcat and the Howling Shadows zur Verfügung gestellt wird und wann es gestreamt wird.

7. Einige der Namen, die in der Geschichte auftauchen, sind auch in der offiziellen Shadowrun-Welt ein Begriff. Ähnlichkeiten sind beabsichtigt. Allerdings kann das hier dargestellte Bild auch deutlich von dem Bild im SR-Kanon abweichen, da es unserer Spielwelt angepasst wurde.

8. KE, kurz für Knight Errant, ein Sicherheitskonzern und Tochter von Ares Marcotechnologies.

9. Teilweise stehen Dialoge in diesen « » Textzeichen. Die gesprochenen Worte werden dann vornehmlich via Teamnetzwerk oder Commlink verbreitet und sind für Wesen, die keine Mitglieder im Teamnetzwerk sind, nicht oder nur schwer zu hören. Ferner stehen in < > schriftliche Nachrichten und in ‹ › stehen Dialoge via Geistesverbindung, wie zum Beispiel die mit einem Geist unter Kontrolle, Gespräche via Mindnet oder Dragonspeech. Wird zusätzlich eine andere Schriftart verwendet, handelt es sich um unausgesprochene Gedanken oder extra-persönliche Anmerkungen von Snowcat.

10. „AveRage“ hat seine Drohnen-Kamera-Einheiten, die je aus drei CU^3 bestehen, nach berühmten Kameramännern benannt.

11. Snowcat sieht die Geister, die einen Element zugeordnet sind als klassische Elementarwesen:  Luftgeister sind Sylphen, Erdgeister Gnome (früher Brownies), Feuergeister Salamander und Wassergeister sind Undinen. Jeder Geist, den sie beschwört, hat für sie zudem einen eigenen Namen. Guidance Spirits sieht Snowcat als weise Paten, die sie mit Godfather und Godmother betitelt. Guardian Spirits sind für sie Warden, also Krieger verschiedenen metamenschlichen Rassen. Die Warden tragen als Hommage an meine Lieblingsbuchsreihe den ‚Dresden Files‘ von Jim Butcher, die Namen von den Warden des White Council. Spirits of Man sind für sie Leprechauns (Kobolde) und Task Spirits sind Brownies. Beast Spirits bekommen den Titel Master und Plant Spirits den Titel Mother (z.B. Master Wolf oder Mother Oak). 

12. Schlagwort(e), Überschrift(en) unter dem die Episode steht.

13. Alba wird von der Spielerin T. geführt. Sie ist neu in der Gruppe und ein RPG-Frischling.

14. NPC, der in Boston gerettet wurde und für den Verlauf der Geschichte keine namhafte Rolle spielt. Max und Caroline sind eine Hommage an die Serie Two Broke Girls.

15. Nach dem Tod von Columbo übernimmt Spieler I. die Charakterführung von Dana, die ursprünglich als NPC gedacht war.

16. Die Gesichter von Liam und Sionn sind in der Trideoserie nicht zu erkennen. Beide tragen stets Halsbänder, die dafür sorgen, dass Kameras ihre Gesichter nur verpixelt aufnehmen. Liam wird in der Serie als Sapper geführt, Sionn als Anarchy. Wir gehen in den SatHS-Texten im CatPoint nicht auf die veränderten Namen ein, um nicht alles zu verkomplizieren.

17. Den Diebstahl der Food-Trucks haben der GM und ich an einem schönen Shadowrun-Nachmittag gespielt. Darüber haben wir die restlichen Teammitglieder per WhatsApp informiert. Der Teamchat ist zu großen Teilen eine Kopie daraus.

POSTED BY SNOWCAT

[Song 1: James Brown - It’s a Man’s Man’s Man’s World3] Wir hatten alle Fenster im gemeinsamen Aufenthaltsbereich von Snowcat Manor weit geöffnet. Die Sonne stand hoch und klar am Himmel. Es wehte ein angenehmer Wind, der das Sommerfeeling im gesamten Haus verteilte. 

Frühstück - oder besser gesagt Brunch - am offenen Fenster, gutes Essen und 18 einzigartige und überaus begabte Metamenschen, von denen ich viele in irgendeiner Form als Freunde bezeichnen konnte. Manche waren sogar mehr als das.

AveRage war in Begleitung seiner vier Oh-La-La-Drohnen erschienen. Die Second-Skin-Line-Panzeranzüge waren auf den Look von hochgeschlossenen CatSuits eingestellt. 

Waren sie angezogen? - Mmm, ja! 

Doch das hautenge Design betonte die wunderbare Figur der Drohnenfrauen und überließ die Perfektion ihrer sexy Körper keinesfalls der Fantasie des Betrachters. Der sexy Gang der vier Frauen unterschied sich nur in winzigen Details voneinander. Sie begangen gerade erst, ihre Persönlichkeiten zu entwickeln. Die Drohnen kamen der Realität eines lebenden Körpers so nahe, dass es sexistisch gewesen wäre, AveRage zu gestatten, sie in Bikinis oder Unterwäsche herumlaufen zu lassen. Mich störte ihre Anwesenheit nicht im geringsten. Mir war auch egal, ob sie in Dessous oder gar nackt umherliefen. Bei der Frage ihrer Kleidung ging es um eine Vorbildfunktion. Und selbstverständlich darum, dass ich es nicht brauchen konnte, wenn ein Teil der Howling Shadows ständig abgelenkt war, um einer Drohne auf den Busen zu glotzen. 

Für AveRage waren die ‚Frauen‘, die in ihrem neuesten Design meiner Freundin Moxi nachempfunden waren, jedenfalls genau das richtige. Ein Fund in unserem neu akquirieren Subleveln, der dem an CFD erkrankten Technomancer vielleicht sogar zusätzliche Stabilität brachte. Für ihn waren sie nicht nur Objekte. Er hatte tatsächlich die Absicht, sich um sie zu kümmern. Zwei von ihnen jeweils rechts und links untergehakt war AveRage mit stolz geschwellter Brust zum Brunch erschienen. 

Liam hatte böse grinsend den Kopf geschüttelt, fast so langsam, wie Sinister dies Nase rümpfend getan hatte. Sionn hatte lieber gejohlt und applaudiert. „Da kommt er, unser Lebemann!“, hatte er gerufen.

Fierce hatte gelacht. „Mann Sionn, warum hast du nicht mal eine abgekommen?“

Sionn hatte abgewunken. AveRage war eingegrätscht und hatte gemeint: „Weil er noch nicht reif genug dafür ist!“

Woraufhin Sionn seinen Tee lachend zurück in seine Tasse geprustet hatte. Dann hatte der attraktive Elf sich den Mund abgewischt und erklärt: „Deine Mädchen sind nur einen Bruchteil so heiß wie das Original, und alle vier zusammen können nicht mal ansatzweise mit den wunderschönen, selbstständigen Frauen mithalten, die hier mit uns am Tisch sitzen!“

❄️

Foggy zog einen Vertrag für die Drohnen aus seinem Commlink und sandte ihn an AveRage. „Unser Sponsor wird begeistert sein, wenn du dich möglichst trideogen um den Einsatz der Drohnen kümmerst. Er hatte tatsächlich schon einmal vorgeschlagen, die ‚Oh-La-La‘ in die Serie einzubauen, doch der Lockdown kam dazwischen.“

AveRage sah den Vertrag durch. „Cool. Mehr Geld für mich, dafür, die Persönlichkeiten von den Vier zu entwickeln?“ Der glatzköpfige, grauhäutige Mensch stapelte sich eine weitere Portion Essen auf seinen Teller. „Ja, das mache ich gern. Sie lernen ja von selbst, da muss ich nicht mal viel tun.“ AveRage unterschieb via AR und drückte im Anschluss seinen Daumen auf einen Scanner, den Foggy ihm hinhielt. Beide wirkten äußerst zufrieden.

„Sehr schön!“, freute sich Foggy. „Es ist aber wichtig, dass jede eine eigene Persönlichkeit bekommt, um die Möglichkeiten der Drohnen aufzuzeigen.“

AveRage nickte. „Geht klar!“ 

Unser elfischer Anwalt sah zu Liam. „Könntest du dich mit dem Modell vertraut machen, Liam? Damit du sie im Notfall reparieren kannst?“

Liam nickte. „Na klar!“

Foggy bedankte sich. Er war schlau genug, für Liam keinen Vertrag rauszuholen.

„Wie heißen deine vier Engel denn nun?“, wollte Sionn von AveRage wissen.

„Ich habe ihnen noch keine Namen gegeben“, gestand dieser. „Aber das will ich in jedem Fall noch.“

Liam lachte dreckig. „Vier Engel für AveRage - da wäre Engel 1 bis 4 tatsächlich einfallslos.“

„Jetzt, wo du das sagst…“, Sionn driftete kurz in die Matrix ab. 

Nachdem er wieder daraus aufgetaucht war, meinte er: „Es gab im letzten Jahrtausend mal so eine Serie. Ich hab's sogar gefunden, zum Glück sind die Bostoner Datenbanken noch da. Hier guck mal!“ Sionn warf AveRage eine Datei zu.

AveRage studierte sie ein paar Minuten und bat die Drohnen dann, sich in einer Reihe aufzustellen. Was sie natürlich sofort taten. 

Er zeigte auf die schwarzhaarige Afroamerikanerin. „Dein Name ist nun Sabrina!“

Die Blonde, die durchaus aus der skandinavischen Union stammen konnte, nannte er Jill, die rothaarige ‚Irin’ Kelly, und die südamerikanische Schönheit mit dem braunen Haar bekam den Namen Rosemarie. 

Die ‚Engel‘ freuten sich!

„Ich würde sie gerne auch unterschiedlich kleiden“, sagte AveRage nun. „Aber ich habe nur diese farblich verstellbaren Anzüge und je ein Paar Highheels.“

Tiernan erbarmte sich. „Na, mit der Kleidung kann ich dir ja helfen. Ich…“, Tiernan zwinkerte, „… zaubere dir was zurecht!“ 

Ich seufzte leise. Nur ein Paar Highheels. Ich wusste nur all zu gut, wie tragisch das war. Ich hatte auch nur ein Paar Highheels dabei. Dank DJ hatte sich meine Auswahl zumindest ein bisschen vergrößert. Doch ich vermisste meine Schuhe trotzdem. 

Sie - und noch viel mehr. 

Schuhe vermissen. - Was für ein Luxusproblem. - Ich lachte innerlich und konnte mir auch ein äußerlich breites Grinsen nicht verkneifen. 

Ein Luxusproblem war immerhin wenigstens etwas mit Luxus.

Ich erhob mich wortlos vom Tisch und verschwand oben aufs Dach zu meinem Kirschblütenthron. Dort begann ich mit dem Entwurf für das Kunstprojekt für den Geist Asher. Ein Skizzenblock ist ein guter Anfang für jede Art von Kunst.

❄️❄️

Langsam aber sicher entwickelte jeder von uns seine Boston-Routine. 

Eden zum Beispiel stand jeden Morgen um 5 Uhr auf, ging zum Wachpersonal, checkte die Lage, wechselte ein paar Worte mit der Nachtschicht und machte sich dann daran, ein Lauf- und Konditionstraining zu absolvieren, welches zwischen ein und zwei Stunden dauerte und immer mit einer Übung im Pool endete.  

Alba hatte sich Eden angeschlossen, was das morgendliche Training anging. Egal wie viel und wie oft sie am Tag zuvor mit Fang und Fierce trainiert hatte, die junge Frau stand morgens auf der Matte und begleitete Eden. Für jeden, der schon so früh wach war, bot sich also ein toller Anblick. 

Gleich am ersten Nachmittag nach dem Umzug von Mash in die unterirdische Anlage besuchte Eden ihn. Ich war mir nicht ganz sicher, ob Eden persönliches Interesse an unserem Arzt zeigte oder einfach nur verhindern wollte, dass er sich dort unten einsam fühlte. Eine Sorge, die sie meiner Meinung nach nicht zu haben brauchte. Auf mich machte Mash jedes Mal den Eindruck, als wäre er gern allein. Obwohl er sich natürlich freute, wenn ihn jemand besuchte. Besonders, wenn es sich um eine schöne Frau handelte. 

Mit einem Augenzwinkern betrachtet konnte man sagen, dass Eden für Mash sogar etwas riskierte. Immerhin überließ sie zu solchen Zeiten Sionn den anderen Frauen wie Sinister, Max14 oder Caroline14. Eden konnte sich das natürlich leisten. Nicht nur, weil sie eine schöne, begehrenswerte, sensible Frau mit einer Navy-SEAL-Ausbildung war, sondern auch, weil sie von allen Kandidatinnen für Sionn die Favoritin des restlichen Clans war. Nicht nur mir war aufgefallen, dass Eden immer Lippenstift auflegte, wenn sie bei den Zuhörern auftauchte, wenn Sionn musizierte. 

Liam hatte das ebenfalls bemerkt. 

Einmal winkte Liam Eden nach ihrem Auftreten zu sich und meinte: „Hol doch mal 'nem alten Mann ein Bier!“ Damit spielte er auf das Interview an, welches Eden gegeben hatte und in dem sie erklärt hatte, Liam sei ihr zu alt. 

Edens Wangen röteten sich, doch sie holte das Bier, ohne zu widersprechen. Als Belohnung erhielt sie von Liam den ultimativen Tipp, um bei Sionn Punkte zu sammeln. „Sing doch mal mit, wenn er spielt!“ Als Gratisbeigabe sandte Liam Eden die Texte zu Sionns meistgespielten Songs aufs Commlink. Eden setzte die Ansage sofort in die Tat um. Man musste nicht empathisch sein, um zu erkennen, wie sehr Sionn das freute. Die violetten Augen des Elfen begannen zu leuchten und er lächelte Eden auf eine Art an, dass frau ins Schwärmen geraten konnte.

Mr. Tea, der wegen der Ansteckungsgefahr als reiner Nahkämpfer nur wenig eingesetzt wurde, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Bereiche von Snow Haven genauestens zu inspizieren. Jetzt, wo er von den Subleveln wusste und sich dort Wege und Türen eingeprägt hatte, kontrollierte er sämtliche Häuser und jede Etage ein weiteres Mal. 

Alba verbrachte übrigens auch viel Zeit mit Sionn. Immerhin brachte er ihr das Hacken von Supply-Drops bei. Der Elf wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch dabei zumindest ein bisschen mit der Menschin geflirtet hätte. 

Wobei mir gerade auffiel, dass Sionn mit mir nie flirtete. Sionns Verhalten mir gegenüber hatte sich maßgeblich verändert. Bei seiner Ankunft hatte er noch heftig mit mir geflirtet. Jedenfalls für ein paar Stunden. Dann hatte er schlagartig damit aufgehört. Bald darauf war er auf die Idee gekommen, zu meinem Ritter werden zu wollen. Nachdem ich ihn dazu ernannt hatte, hatten zunächst noch übertriebene Verbeugungen und Komplimente stattgefunden, aber seitdem wir nach Snow Haven umgezogen waren, hatte er all das eingestellt. Ich zuckte innerlich mit den Schultern. 

Das hatte ich nun davon, die Anführerin zu sein - Jemand bringe mir ein Taschentuch! - Vergesst es, nicht nötig.-  Vorausschauenderweise habe ich immer eines dabei.

Ich selbst nutzte den Großteil meiner Zeit für das Training bei Tango und um meine Fähigkeiten an diversen Instrumenten zu verbessern, von denen es hier so eine schöne Auswahl gab. Sogar einen Steinway-Flügel hatte Snow Haven zu bieten. 

Zudem erteilte ich den Kindern in Snow Haven Kunstunterricht. Wenn es das Wetter zuließ - was bisher an den meisten Tagen so gewesen war - malten und bastelten wir draußen. Den jüngeren Kids erzählte ich immer wieder eine Geschichte, die ich mit Illusionen unterstützte und in die ich das eine oder andere Wissen über Kunst einflocht. Vor allem nutzte ich den Unterricht aber dazu, um den Kindern spielerisch das Verhalten im Falle von unerwünschtem Shambler-Besuch oder während eines Angriffes beizubringen. Außerdem schärfte ich ihnen ein, dass sie sich an einen Erwachsenen wenden sollten, wenn sich jemand, den sie kannten, komisch verhielt. Wir hatten zwar den Crazy-Repeller, und wir checkten jeden, der bei einem Außeneinsatz gewesen war, aber es war eben nie die Frage, ob man paranoid war.

Apropos Paranoia. Ein weiterer Anruf bei Pax stand an, um die Frau bei Laune zu halten. Wir wollten sie immer noch fangen, aber andere Dinge hatten Priorität, und so musste ich Erklärungen finden, warum wir ihren Job noch nicht ausgeführt hatten. Ewig würde das nicht gutgehen. Doch immerhin war sie auch in Boston eingeschlossen, das engte den Bereich ein, in dem sie verschwinden konnte, sollten wir Pax aus den Augen verlieren. 

AveRage entwickelte dank seiner Engel übrigens die Idee, tanzen zu lernen - oder zumindest, wie man sich besser bewegte. Fierce machte sich einen Spaß daraus und forderte ihn wann immer möglich zum Tanzen auf. Allerdings tanzte sie dann gar nicht richtig. Sie hakte ihn unter und spielte mit ihm Ringelreihen. So hatte AveRage das zwar nicht gemeint, aber er machte mit, was jedes Mal zur Heiterkeit aller anwesenden Howling Shadows beitrug. 

Im restlichen Snow Haven entwickelte sich langsam aber sicher ebenfalls ein den Umständen angepasster, geregelter Lebensablauf. 

Mein Freund Dave war von den Bewohnern zum Bürgermeister von Snow Haven gewählt worden und diente als Bindeglied zwischen uns und den ‚Nicht-Runnern‘, die hier lebten. 

Die Ausbildungsprogramme waren angelaufen und die Metamenschen von Snow Haven hatten erfolgreich ihren ersten Supply-Drop organisiert, ohne dass jemand von uns hatten eingreifen müssen.

Immer mehr Klassenräume und Labore waren umfunktioniert worden. Dort wurde gebaut, gewerkelt, repariert und Vorratslager samt Ausgabestellen für verschiedene Arten von Gütern eingerichtet. 

Bei einem meiner zahlreichen und regelmäßigen Besuche im ehemaligen Schulhaus hatte ich angeregt, das Ganze als Werkstätten und Geschäfte auszupreisen und auch in die optische Gestaltung zu investieren. Die Idee war mit Begeisterung aufgenommen worden. Spontan hatte man den ganzen Flügel in ‚Market Hall‘ umbenannt. 

Dank der frisch entdeckten Sublevel konnten wir Howling Shadows uns bald mit Krankenhaus und Laboren aus dem Schulhaus zurückziehen und nach und nach weitere Räume freigeben.

Wenn Liam unsere neu entdeckte unterirdische Anlage völlig verstanden und sichergestellt hatte, dass NeoNET keinen Zugriff mehr darauf bekam, würde dann auch er ruhig damit schlafen können.

Nachdem es eine Market Hall gab, hatten die Bewohner das Prinzip ausgeweitet. Sie hatten ein virtuelles Zahlungssystem eingeführt und die Haven-Points entwickelt. Wer, wie die Krankenschwestern oder die Sicherheitsmänner, regelmäßig irgendwo fest eingeteilt war, bekam automatisch Haven-Points. Ansonsten konnte man sich Haven-Points verdienen, indem man etwas für die Gemeinschaft tat oder etwas herstellte und verkaufte. Die erfolgreiche Teilnahme an eine Außenexpedition brachte besonders viele Haven-Points. Für Haven-Points konnte man dann andere Güter kaufen. 

Die lebensnotwendige Grundversorgung blieb selbstverständlich weiterhin kostenlos, und zwar in sämtlichen Bereichen.

❄️❄️

[Song 2: Sofi Tucker feat. NERVO & The Knocks & Alisa Ueno - Best Friend3] Am Vormittag des 27.07. 2076, unserem 48. Tag im Boston Lockdown, erreichte uns eine bis dato außergewöhnliche Text-Nachricht im Teamnetzwerk.

 >>>Sionn:

<Falls ihr was von mir wollt, ich bin mal 'ne Weile nicht da. Bin mit Tiernan unterwegs.>8

<Sionn meldet sich aus Snow Haven ab>

<Tiernan meldet sich aus Snow Haven ab>

Der  Zeitstempel stand auf 10.25 Uhr. Ich saß gerade auf dem Dach von Snowcat Manor und malte. 

Fast eine Stunde blieben die Kanäle der zwei Abgemeldeten still, dann traf eine weitere Nachricht ein.

Es handelte sich um ein ‚Selfie‘ der beiden O’Nialls. 

Sionn, im Kilt, der so weit hochgeschoben war, dass seine Waden zu sehen waren, in Docks, Socken im Tartanmuster, einer Panzerweste, ein Basecap auf dem Kopf und eine Sonnenbrille im Gesicht, der neben Tiernan - im ähnlichen Outfit, nur dass dieser eine Panzerjacke statt einer Weste anhatte - fuhren auf Cyclops-Motorrädern durch die sonnigen Straßen von Boston. Hinter ihnen war strahlend blauer Himmel zu sehen. Beide grinsten breit und formten mit je einer Hand das ‚Rock You‘-Zeichen.

Ich grinste ebenfalls. Was auch immer die beiden vorhatten, sie hatten sich unterwegs mal eben zwei von den stylischen, klappbaren Einrad-Maschinen organisiert.

Alba antwortete ihnen. 

>>> Alba: 

<Geil!!! So gut hätte ich es jetzt auch gerne!>

Sie schickte ebenfalls ein Selfie von sich zurück. Darauf war sie in Trainingsklamotten zu sehen. Das extralange, rote Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden, ihre Haut glitzerte von Schweiß. 

Natürlich waren jegliche Nachrichten mit diversen Emojis geschmückt worden. 

Sionn reagierte postwendend.

>>> Sionn:

<DANKE! Wow! Dabei war uns doch schon vorher heiß ... Sollen wir dir was mitbringen, Alba?>

>>> Alba: 

<Na, so ein Cyclops wär toll>

<Ansonsten wäre es klasse, wenn ihr mir eine Hose oder 'nen Anzug mitbringt, der etwas mehr aushält als meine Jeans oder Hotpants>

>>> Sionn:

<Was'n? Hat Fang dir von einer seiner Touren mit Fierce noch keine frischen Klamotten mitgebracht? Was'n das für'n Mentor?>

<Wir gucken mal, was wir so finden>

>>> Fang:

<Einfach mitbringen ist nich’. Alba muss mal den Mund aufmachen. Dann bringen wir ihr auch was mit!>

>>>Fierce:

<rofl - knuuuutsch!>

❄️

Die Zeit verging. Aus Minuten wurden Stunden. Doch weder von Tiernan noch von Sionn kamen Nachrichten oder Selfies. 

Liam blieb entspannt, also blieb ich es auch.

Fierce wollte zwischendurch wetten, wie viele Häuserblocks Anarchie und Chaos wohl in Schutt und Asche legen würden. Doch Liam meinte, dass würde nur Spaß machen, wenn wir die Nachrichten darüber verfolgen können würden, was aber bei der Lage in Boston nicht möglich war.

Bei Eden kam dieses Thema gar nicht gut an. Sie war sowieso unruhig wegen des Alleingangs gewesen. Nun kam regelrecht Nervosität auf. Sie lenkte sich damit ab, dass sie ihre Waffen kontrollierte und reinigte. Da sie damit viel zu schnell fertig war, ging Eden dazu über, sich die Waffen unserer Sicherheitsmannschaft vorzunehmen.

❄️

Eden musste sich bis 17:47 Uhr und 23 Sekunden gedulden. Dann kam eine frische Nachricht über das Teamnetzwerk rein.

>>> Sionn

<Ey, Chummer, macht uns mal das Tor beim Security Building auf, wir kommen zurück - und haben euch was mitgebracht!>

Alba, Fang und Fierce sprangen auf und rannten zum Tor. AveRage schob eh gerade Dienst im oberirdischen Part der Security. Jill, Kelly, Sabrina und Rosemarie waren an seiner Seite. Er musste also einfach nur den Knopf drücken, wenn die beiden Ausflügler am Tor erschienen.

Eden legte betont langsam ihr Equipment zusammen und machte sich dann auch zum Tor auf.

Selbstverständlich war ich neugierig genug, um mich ebenfalls auf den Weg zu machen. Ich war gespannt, was die beiden organisiert hatten.

❄️

Letztendlich waren wir eben fast alle neugierig und erschienen am Tor.

Die beiden XXL-Fahrzeuge, die die Auffahrt hinauf kamen, wären kaum zu übersehen gewesen. Dennoch hupten die beiden laut.

Nur virtuell versteht sich. Es gab hier in der Gegend zwar keine Shambler, aber Tiernan und Sionn waren Profi genug, um keine schlafenden Hunde jeglicher Art wecken zu wollen.

Das O’Niall-Duo hatte die beiden Foodtrucks besorgt, die sie selbst auf unsere Liste mit benötigten Dingen gesetzt hatten. 

Sie wurden von so einigen Howling Shadows mit großem ‚Hallo‘ in Empfang genommen. 

Die beiden hatten aber auch ganze Arbeit geleistet. Sowohl der Eiswagen [BILD] als auch der Wagen, in dem man gegrillte Fleisch- und Soyburger [BILD] kaufen konnte, waren noch ziemlich gut gefüllt. Sogar gut 50 echte Fleischpattys waren tiefgekühlt vorhanden. Wahrscheinlich, weil die wenigsten es sich leisten konnten, sich einen Fleischburger zu kaufen. Pommes, Sojamassen, Saucen, Süßigkeiten und genügend Pulver für Eiscreme, mit dem man noch wochenlang Eiscreme produzieren können würde, hatten das Rumstehen unbeschadet überstanden. Nur einen Großteil des Salats hatten sie wegwerfen müssen. Mit seinem Zauber hatte Tiernan sämtliche Batterien der Trucks im Nu aufgeladen. So würde alles auch noch weiter frisch bleiben.

Ich umarmte Sionn und Tiernan zum Dank und küsste jeden von ihnen auf die Wange, „Das habt ihr großartig gemacht! Einer Sommerparty mit allen Bewohnern von Snow Haven steht jetzt nichts mehr im Weg!“

Sionn räusperte sich. „Ich dachte, wir machen sogar eine Poolparty draus, Prinzessin!“, meinte er leicht heiser und zeigte auf die Tasche, die Tiernan dabei hatte.

„Ja, genau!“, kam da von Tiernan. „Wir haben für die Howling Shadows Badesachen mitgebracht, die zaubere ich uns noch zurecht.“ 

„Du bist ein wahrer Schatz!“, sagte ich und küsste ihn ein weiteres Mal zart auf die Wange.

❄️

Dana war mit Eden in die Gärten geflitzt, um Salat, Kräuter und Tomaten zu ernten.

Max und Caroline hatten die Verantwortung für den Eiswagen bekommen und sich sofort mit den Geräten dort auseinandergesetzt.

Liam, Sionn und Shark Finn hatten Boxen aufgestellt, damit wir um den Pool herum Musik hören konnten.

AveRage und seine vier Engel würden ‚den DJ‘ geben.

Ich hatte die Kinder zusammengerufen und mit ihnen Dekorationen gesucht oder gebastelt. 

Auch alle anderen Howling Shadows waren damit beschäftigt, die große Party vorzubereiten. Getränke wurden per Drohne umhergefahren, Handtücher bereitgelegt, Sportgeräte rausgeholt und Picknickdecken organisiert.

Bevor wir Howling Shadows auf der Party erschienen, gab es eine feierliche Badekleidungsübergabe auf Snowcat Manor. 

Tiernan ist ein wahrer Künstler auf so vielen Gebieten. Als Modedesigner, Koch oder Braumeister könnte er ein Vermögen verdienen. 

Doch das tat Tiernan nicht. Er war hier bei uns und überreichte uns Bademode, damit wir im Boston Lockdown stilvoll eine Poolparty feiern konnten. 

Jeder von uns bekam ein einzigartiges Unikat. Ob Bikini, Badehose oder Badeanzug, sie alle zierte ein grünes, wellenförmiges SatHS-Logo. Das war es dann schon mit den Gemeinsamkeiten. Jeder bekam das, worauf er persönlich stand. Oder das, wovon Tiernan glaubte, dass er darauf stand.

Bei mir wusste Tiernan übrigens ganz genau, wie mir meine Bademode gefiel. Ich hatte einen strahlend weißen Badeanzug erhalten, der an den Nähten hellgrau abgesetzt war. An den Trägern und über die gesamte Rückseite war er mit zarten Kirschblüten verziert, die sich wahrscheinlich absolut perfekt in meine Tattoos einfügten. Am Rücken war er tief ausgeschnitten, ansonsten war der Stoff aber nicht all zu knapp bemessen. Tiernan wusste genau, dass ich zum Planschen und Schwimmen lieber einen Badeanzug mit etwas mehr Stoff trug. Außerdem beinhaltete mein Paket ein Tuch, welches ich mir um die Hüfte knoten konnte und ein Bandana, um mein langes Haar zusammen zu halten. 

Als ich zufrieden mit meinem Paket abzog, sagte Liam zu Tiernan: „Wenn der Badeanzug nachher wie angegossen sitzt, führen wir beide noch ein ernstes Gespräch!“

Darauf wurde Tiernan ein wenig blass um die Nase. 

❄️

Die Party wurde ein voller Erfolg. Sionn hatte sogar an Wasserspielzeug und aufblasbare Becken für die Kinder gedacht. Tiernan hatte für die Kids Badekleidung in verschiedenen Größen gezaubert, damit sie alle ins Wasser konnten. Die Erwachsenen mussten sehen, wie sie das mit den Klamotten machten. Über 100 Metamenschen passten eh nicht in den Pool.

Man spielte Frisbee oder Volleyball. 

Tiernan, Sionn, Alba und Fierce brieten Burger, während Max, Caroline, Eden und Dana im Ice-Truck werkelten.

Der Party für alle endete um 22.30 Uhr. Danach wollten wir Bewohner von Snowcat Manor allein weiter feiern.

Während sich die letzten Familien auf den Weg ins Schlaf- oder Schulhaus machten, nahm Eden Sionn beiseite. „Können wir mal unter vier Augen reden?“, fragte sie leise.

Sionn antwortete ohne zu zögern: „Klar, gerne! Lass uns spazieren gehen.“ Er legte den Arm um Eden und deutete in eine Richtung.

Kurz bevor das Paar zwischen ein paar Bäumen verschwand, hörte ich Sionn sagen: „Ach so, du meintest tatsächlich reden!“ Enttäuschung schwang in seiner Stimme mit. 

Ich grinste in mich hinein. Sicherlich würde Eden Sionn jetzt erklären, dass ihr sein Ausflug mit Tiernan nicht gefallen hatte. Das drückte zwar Edens Gefühle für Sionn aus, war meiner Meinung nach aber keine Sache, die Eden bei Sionn weiterbringen würde. Obwohl, das konnte ich gar nicht sicher sagen. Es war nur nichts, was ich jemals tun würde. Besonders nicht, wenn ich etwas für einen Mann empfand.

Ich suchte meinerseits nach Tiernan und fand den attraktiven Mann nach einem kurzen Blick. Er lächelte, als ich auf ihn zukam. Ich wollte mit ihm über das Kunstwerk sprechen, das ich als ‚Gegenleistung‘ für den Squire plante. Wenn Tiernan mir den Shape-Earth-Zauber beibrachte, konnte ich mich als Bildhauer für eine von mir entworfene Brunnenskulptur versuchen. Doch darum allein ging es mir in dem folgenden Gespräch nicht. Mit Tiernan über bildende Kunst zu sprechen, war immer eine Bereicherung für uns beide. 

❄️❄️

[Song 3: Lea Santee - Rollin3] Zwei Tage nach der Poolparty schnitt Liam beim Frühstück das Thema der durch NeoNET weggebrachten Schüler der Academy an. Liam sah sehr ernst aus. Es war klar, dass er nichts Gutes herausgefunden hatte. „Die haben hier schon lange bevor es mit dem Lockdown losging Schüler nach Blue Hills gebracht! Da ist eine NeoNET-Forschungseinrichtung. Und wenn NeoNET was an Technomancern forscht …“, Liam warf einen kurzen Blick auf AveRage, „… dann ist das nie was Gutes!“

„Wieso? Was macht NeoNET mit den Technomancern denn?“, wollte Alba wissen.

„Na, sie forschen an den Gehirnen, egal, was das mit den Metamenschen macht!“, erklärte Liam kalt.

Alba sah betroffen aus. „Das habe ich schon befürchtet. Man hört da ja so einiges. Doch ich hoffe immer bis zum Schluss, dass es übertrieben ist. - Ich bin in jedem Fall dabei, wenn ihr sie raushauen wollt!“ Die hübsche, junge Menschin räusperte sich. „Also ich wäre gerne dabei!“, korrigierte sie sich.

„Die Blue Hills Facility, war das nicht auch der Ort, an dem wir laut Cereus die sauberen Naniten für ihn bekommen können?“, fragte ich lächelnd. Albas Art war wirklich einnehmend.

Liam nickte. „Genau das!“

„Na, dann sollten wir uns das Areal in jedem Fall mal ansehen. Das scheint ja ein Ort von NeoNETs Wahl zu sein, was TM-Forschung angeht. Das macht es für uns extrem interessant“, stellte ich böse lächelnd fest.

Natürlich waren alle damit einverstanden. Schon allein, weil man dort Technomancer  befreien können würde. Aus keinem anderen Grund hatte Liam die Sache ja zur Sprache gebracht. Klar, dass man weder Sionn noch AveRage fragen musste, was als nächstes dringend auf unserer Tagesordnung stand.

Doch bevor wir eine Befreiung planen konnten, mussten wir wissen, wie es dort aussah. 

Eine Scout-Mission war zwingend.

Blue Hills lag ein ganzes Stück weit von Snow Haven weg. Wir würden also fahren müssen. Entweder den längeren Weg außen rum oder aber mitten durch eine der höllischsten Gegenden von Boston, direkt durch die Rox. Die Rox war in mehrerlei Hinsicht mit den Puyallup-Barrens von Seattle vergleichbar. Eine von diversen Gemeinsamkeiten war, dass dort das Hauptquartier des hiesigen Ancients-Chapter zu finden sein würde. 

Als wir die Route festlegten, meinte ich darum: „Lasst uns auf dem Hinweg durch die Rox fahren. Ich wollte sowieso wissen, wie es dort aussieht. Auf dem Rückweg nehmen wir dann die Strecke außen rum. “

Alba, Dana und Dave, alle drei waren ja ursprünglich in Boston beheimatet, wurden sichtlich unruhig. 

„Das ist keine gute Gegend!“, stellte Dana fest.

Dave meinte schüchtern: „Äh, Snowcat, du kennst die Rox doch schon, wenn ich mich nicht irre? Da musst du doch nicht noch mal hin!“ 

„Ich kannte sie, wie sie vor dem Lockdown war. Zu wissen, wie es jetzt dort aussieht, ist an sich eine wichtige Information.“, stellte ich fest.

„Das finde ich auch!“, bestätigte Alba zuversichtlich, obwohl ich ihr den unterschwelligen Respekt vor dieser Gegend ansehen konnte. 

Liam verzog das Gesicht. „Wie ich Snowcat kenne, will sie dabei mal wieder zwei Sachen verbinden.“

Ich lächelte, er kannte mich eben zu gut. „Genau!“, bestätigte ich. „Wenn wir durch die Rox fahren, möchte ich die Ancients treffen!“

Sionn stöhnte auf. „Orrr nö!“ 

Alba legte den Kopf schief. „Kann man die denn so einfach treffen?“, fragte sie.

Foggy meinte: „Wenn man SatHS ist in jedem Fall!“

Tiernan fügte hinzu: „Snowcat sowieso!“

Sionn schüttelte den Kopf. „Klar kann Snowcat die treffen. Ist nur die Frage, warum man die Ancients überhaupt treffen wollen sollte?“

„Um Drogen von ihnen zu kaufen!“, antwortete ich.

Dana hatte sich bei der Erwähnung der Ancients versteift. Offenbar hielt sie von der Gang gar nichts. - Interessant! Es war nicht unüblich, dass jemand von einer rassistischen Go-Gang wie den Ancients nichts hielt. Danas Reaktion kam mir nur außergewöhnlich heftig vor. Vielleicht hatte sie schlechte Erfahrung mit ihnen gemacht.

„Auf dem Rückweg von der Scout-Mission nehmen wir dann die Außenroute“, bestimmte ich. „Danach wissen wir auch, welche Strecke besser für die eigentliche Blue-Hills-Mission in Frage kommt!“

„'Wir' heißt also, dass du mit auf Erkundung gehst?“, wollte Liam wissen.

Ich nickte und lächelte süß. „In dem Fall schon! Wer sonst sollte mit den Ancients verhandeln?“

❄️

Am Ende bestand die Gruppe aus Alba, AveRage, Eden, Shark Finn, Sionn und mir. Sionn war hin- und hergerissen gewesen, wollte letztendlich aber unbedingt beim ersten Blick auf die Anlage dabei sein. Es war gut, ihn als zweiten Technomancer im Team zu haben. 

Alba brauchte für die Tour natürlich die Genehmigung von Fang. Die sie selbstverständlich erhielt.  Jedenfalls, nachdem Eden sich bereit erklärt hatte, auf Alba aufzupassen. 

„Eine Frage hab' ich aber noch!“, meinte Alba zum Schluss. „Woran erkennen die Ancients denn, dass wir mit ihnen reden wollen? Nicht, dass sie uns angreifen.“

Liam sah zu Tiernan. „Da weiß ich was. Allerdings könnt ihr dann erst morgen los!“

Tiernan freute sich: „Au ja, lass uns die Limousine umlackieren!“

So verschoben wir die Mission auf den 30.07.2076, unserem 51. Tag im Boston Lockdown.

❄️❄️

Die BMW-Limousine glänzte in einem dunklen Grün. Alle Ränder waren mit Schwarz nachgezogen. Auf den hinteren Türen war in keltischer Knotenschrift SatHS geschrieben. Außerdem konnten man auf Knopfdruck einen weiteren Schriftzug projizieren lassen, der aufflammte und dann wieder verschwand. Abwechselnd würde dann auf der einen Seite ‚Snowcat …‘ und auf der anderen Seite ‚and the Howling Shadows‘ zu lesen sein. Nach drei Wechseln blieben die Buchstaben dann stehen.

AveRage fuhr, Shark Finn nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Eden, Alba, Sionn und ich stiegen hinten ein. 

„Die Mädchen sitzen hinten!“, erklärte Shark Finn grinsend.

Sionn schob sich in mädchenhafter Geste eine Haarsträhne hinter sein spitzes Elfenohr. „Finn, du musst mich nicht als Mädchen betiteln, damit ich zwischen den schönen Frauen sitzen darf, ohne Ärger mit dem Oheim zu bekommen. Liam ist mehr als nur Familie, er ist mein Freund!“ 

Alle anderen im Wagen meinten sofort unisono: „Dein einziger Freund!“

Ich grinste in mich hinein. Liam hatte alle mit seiner Lieblingsbemerkung zu Sionn geprägt. Dabei war er mit Sicherheit nicht der einzige Freund, den Sionn besaß. Zumindest gab es auch noch Tiernan. Es sei denn natürlich, man wertete Tiernan und Sionn als Brüder, dann konnte es doch sein.

❄️

Wir erreichten die Rox ohne Zwischenfälle.

Müll sammelte sich auf den Straßen. Hier und da lag auch mal eine Leiche herum. Doch die sonst üblichen Shambler-Gruppen fehlten. 

Fenster und Türen waren verbarrikadiert. Metamenschen liefen wenn überhaupt nur gepanzert und bewaffnet umher. 

Doch in der Rox war immer Kriegsgebiet. Das Stadtbild hatte sich im Vergleich am wenigsten verändert. So merkwürdig es klingen mochte, zur Abwechslung war es mal ganz schön, etwas ‚normal‘, im Sinne von, ‚wie sonst auch‘, vorzufinden.

Die Metamenschen in einer Z-Zone wie der Rox waren es gewöhnt, dass man sich nicht um sie kümmerte. Sie waren daran gewöhnt, vorsichtig, misstrauisch und kämpferisch zu sein. Wer sich nicht schnell genug anpasste oder nicht mitbekam, was abging, konnte innerhalb eines Augenzwinkerns sein Leben verlieren. 

Die Fähigkeit zu überleben hatte den Bezirk offenbar auch widerstandsfähig gegen die Shambler gemacht. 

Ich war in einer solchen Gegend aufgewachsen. Was ich in der Zeit gelernt hatte, konnte man in keinem Training auf die Schnelle beigebracht bekommen. Man verlernte das auch nicht.

Als wir durch die Straßen der Rox fuhren, nahm ich automatisch eine andere Attitüde an. 

Ich spannte meine Muskeln an, immer bereit und stets auf dem Sprung. Ich blickte ernst. Meine Ausstrahlung wurde kühler, berechnender und überlegen. Wer hier nicht selbst von sich überzeugt war, konnte auch niemand anderen von sich überzeugen. 

Erinnerungen aus Puyallup blitzen in meinen Gedanken auf. Szenen, die mich stark gemacht hatten. Was immer der Lockdown Boston bringen würde, die Metamenschen in der Rox würden damit klarkommen. Sie würden sich anpassen, wie Teufelsratten oder Kakerlaken.

Und wenn die Metamenschen in der Rox sich nicht anpassen konnten, dann würde sowieso nichts mehr bleiben. 

❄️

Natürlich erregten wir in einer Gegend wie der Rox mit einer unbekannten Limousine jede Menge Aufmerksamkeit. Doch zunächst behelligte uns niemand.

Um die Ancients zu finden, mussten wir einfach an der richtigen Stelle im Bezirk abbiegen, dann würden sie uns finden.

Wir waren noch nicht ganz im Zielgebiet, als in unserem Rückspiegel acht Motorräder auftauchten. Die gemischte Gruppe aus Menschen, Trollen und Orks trug die Farben Rot, Orange, Gelb und Schwarz. 

Hellriders. 

Ich hatte weder Bock darauf, mich mit denen anzulegen, noch wollte ich mit einer Horde hinter uns in das Gebiet der Ancients fahren. Nachher würden sie noch behaupten, sie hätten uns schützen oder gar retten müssen.

Also machte ich kurzen Prozess mit den Hellriders. Ich blickte nach hinten, konzentrierte mich, gestikulierte und formte die Fäden der Magie nach meinem Willen. Mit einer eleganten Bewegung meiner zartgliedrigen Finger hüllte ich die Gruppe in eine Wolke aus ablenkendem Chaos ein.  

Es dauerte nur Sekunden, dann hatten sich die acht Bikes zu einem Knäuel versponnen, für dessen Entwirrung sie einige Zeit brauchen würden.

Mehr benötigten wir nicht.

AveRage gab Gas!

❄️

Das HQ der Ancients in Boston war ein Laden, der sich ‚Kostum Road Bikes‘ nannte. ‚Kostum‘ mit K, als Provokation gegen die Knights of the Red Branch. 

Tatsächlich konnten man dort Motorräder oder Autos pimpen lassen. Jedenfalls, wenn man ein Elf war.

Selbstverständlich kamen wir nicht mal ansatzweise in die Nähe der besagten Werkstatt, ohne von den Ancients bemerkt zu werden.

[Song 4: Sam Tinnesz ft. Silverberg - Wolves3] Ein halbes Dutzend aufgemotzte Mirage-Motorräder brachen wie aus dem Nichts von zwei Seiten hinter uns auf die Straße. Elfen in Vollkörper-Kampf-Biker-Panzerung in schwarz, mit Ketten und Nieten, verziert mit neongrünen Applikationen und einem prominenten, ebenso grünem vierblättrigen Kleeblatt. Ich zählte vier Männer und zwei Frauen. Sie waren alle bewaffnet, doch das verstand sich ja von selbst.

Sie umschlossen uns von beiden Seiten und fuhren dich an uns heran.

„AveRage, versuchen jetzt nicht, abzuhauen!“, mahnte ich. „Bleib einfach zwischen ihnen. Auch wenn es dir schwer fällt.“

AveRage seufzte. «Mach ich!», versprach er schweren Herzens. 

Ich konnte seine Anspannung sogar über die Kopfhörer der Microtansceiver hören. 

«Die sind ganz schön martialisch angezogen, aber das hat auch was. Ich hab jedenfalls alle Kameras laufen, die die Limousine seit gestern zu bieten hat!», erklärte der glatzköpfige Technomancer. 

„Sehr gut!“, lobte ich. „Und jetzt mach unser frisches Zeichen an!“ 

«Copy!»

Da klopfte es auch schon an unseren Scheiben.

„Wow, die sind aber dicht!“, sagte Alba leise.

Ich tauschte mit Sionn während der Fahrt den Platz und bat AveRage, mein Fenster runterzulassen. 

„Meins auch!“ meinte Shark Finn sofort. 

Beide Scheiben glitten beinah lautlos hinunter. 

Shark Finn hielt sein Sturmgewehr aus dem Fenster. 

Ich blickte in das Gesicht eines Elfen mit langer, blonder Mähne. „Hi!“, meinte ich dezent lächelnd.

„Fahrt uns hinterher!“, wies der Ancient an. Natürlich sprach er Sperethiel.

Sie gaben Gas. In perfekter Formation. So wie immer. 

Die Luft roch nach Kunstleder, echtem Leder, Motoren und Waffenstahl. Die Mischung war mir so vertraut, dass ich Gänsehaut bekam. 

Average ließ auf meine Anweisung die Fenster wieder hochfahren.

❄️

Nur die Visiere ihrer Helme waren offen, wenn jemand denn einen Helm aufhatte. Damit jeder sehen konnte, dass sie Ancients waren. Ansonsten war die Panzerung geschlossen. Egal wie heiß es war. So gehörte es sich einfach. - Es sei denn, man kam aus dem Chapter in L.A. 

Auf der nächsten Kreuzung stand ein einzelnes Bike quer. Lässig daran gelehnt stand ein Elf mit perfekt frisierten, violetten Haaren mit Glitzer darin. An der Maschine hing in einem entsprechenden Holster ein FN HAR-Sturmgewehr. Außerdem war er mit einer Ares Crusader und zwei Cougar Fine Blades bewaffnet.

Die Stimmung bei uns im Wagen war so angespannt, dass niemand einen Spruch zum Glitzer machte. 

Auf dem Bike saß eine Elfin mit roter Mähne in beinah perfekter Pose.

„Ich kann so ein Elfenpack nicht leiden!“, kommentierte Sionn mit zusammengepressten Lippen.

Ich holte Luft, um etwas zu sagen. 

Alba kam mir zuvor. Sie legte ihre Hand auf den Oberschenkel von Sionn und versprach: „Ich pass auf, dass er keinen Blödsinn macht!“

AveRage ging nicht vom Gas.

Ich bleckte die Zähne. „Bau jetzt keinen Scheiß, AveRage!“, wies ich an. „Wenn du sie umfährst, werde ich echt wütend!“ Die letzten Worte waren grollend aus meiner Kehle gekommen, wie ich überrascht feststellte.

AveRage trat spät und zum richtigen Zeitpunkt auf die Bremse. Er kam mit ausreichend Abstand zum Stehen. Er wusste eben intuitiv, wie viel Platz ich für einen großen Auftritt brauchte. 

❄️

Ich ließ mir Zeit, öffnete mein Haar, schüttelte es auf und kniff mir, in Erinnerung an eine alte Angewohnheit, zwei mal in die Wangen, damit sie etwas Farbe bekamen.

Finn und Eden stiegen zuerst aus.

Beide wussten auch, wie man sich in Szene setzte und Aufmerksamkeit erzeugte. Sie waren Trideo-Stars. Moxi hatte ihnen gezeigt, wie man sich in Pose setzte.  

Ich stieg aus. 

Langsam und betont sexy. 

Shark Finn folgte mir. Eden blieb beim Wagen.

„Du bist es tatsächlich!“, bemerkte der Elf mit leicht spöttischem Unterton, als ich ein paar Schritte näher gekommen war. Er sprach ebenfalls Sperethiel. Doch seine Augen zeigten deutlich, dass er beeindruckt von meiner Erscheinung war.

Ich drehte mich gekonnt. Er sollte sich in Ruhe davon überzeugen, wie fantastisch ich in der Realität aussah. 

„Was führt dich zu uns? - Suchst du noch kernige Typen für deine Show?“, fragte er keck.

 „Frag ihn, ob er welche kennt?“, raunte Finn mir zu.

Ich grinste kurz.

Sionn erkundigte sich gar nicht erst, ob jeder von uns Sperethiel konnte, er begann einfach damit, für die anderen zu übersetzen.

„Erstmal wollte ich euch nur treffen und vielleicht ein paar Sachen bei euch kaufen.“ Ich legte den Kopf leicht schief und fügte weiterhin im perfekten Singsang des Sperethiel hinzu: „Gleichen wir erstmal deinen Vorteil aus, denn meinen Namen kennst du natürlich“, bat ich mit einem angemessenen Lächeln. Sperethiel war einfach genial, was das Klarstellen von Positionen anging. Ich konnte allein durch die Konjunktion der Verben betonen, dass wir gleichberechtigte Individuen waren.

„Ich bin Chain. - Kaufen? Na, wir können über alles verhandeln, nachdem du den Trog weggeschickt hast!“

Wut keimte in mir auf. Der Kerl stand mir gegenüber, und anstatt mich anzubeten, machte er sich Gedanken darüber, dass Shark Finn bei mir war? Der hatte sie ja nicht mehr alle.

Mein Lächeln gefror absichtlich. „Kümmere dich nicht um ihn!“

Chain verschränkte die Arme. „Warum hast du ihn mitgebracht? Willst du uns provozieren?“

‹Eigentlich nicht! - Aber wenn du nicht gleich das Thema wechselst, zerbrösele ich dich zu Eiswürfeln!9›, kam es mir in den Sinn. Doch ich schluckte den ungewohnt heftigen Ärger runter. „Ich will euch nicht provozieren. Er ist mein Bodyguard und immer zu meinem Schutz dabei!“

Chain stand die Abscheu ins Gesicht geschrieben. „Ist schon klar, dass er dein Bodyguard ist. Ich muss das aber als Provokation sehen. Du kommst hierher, zu uns - und bringst den Trog mit!“

Eigentlich hatte ich keine Lust, auch nur einen Deut meiner Position aufzugeben. Ich war Snowcat, von Snowcat und den Howling Shadows. Shark Finn war mein Bodyguard, mein Schild, mein Freund und Vertrauter! Chain sollte sich verdammt noch mal damit abfinden! Andererseits hatte ich gewusst, dass die Ancients Rassisten waren. Ich war selbst ein Ancient und darum im Gebiet der Ancients formal auf keinen Schutz angewiesen. Auch, wenn ich meinen Rassismus überwunden hatte, hatte ich nicht erwarten können, dass die Ancients über ihren hinwegsahen. Ich hatte gewusst, worauf ich mich einließ. Rassismus blieb Rassismus, egal, gegen wen er sich wandte. Und wer mit Rassisten verhandelte, würde zwangsweise auf Rassismus treffen. Ich war nachsichtig mit den Ancients, tolerierte ihren Rassismus, weil ich eine von ihnen war…

von ihnen gewesen war …

‚Einmal ein Ancient, immer ein Ancient!‘, hieß es so schön …

Ich stand überhaupt nur hier, weil mir diese Gang einst das Überleben ermöglicht hatte …

Dennoch konnte ich kaum schlucken, dass sie Finn einen Trog nannten …

Nein, ich war kein Ancient mehr!

Doch heute war nicht der Tag, an dem ich das öffentlich machen würde.

Selbst, wenn ich Chain und den anderen eine Lektion erteilen oder sie zumindest belehren wollte, bekam ich meine Gefühle leicht unter Kontrolle. Ich zögerte angemessen lange und zuckte dann mit den Schultern. „Na gut!“ Ich drehte mich warmherzig lächelnd zu Finn um und bat sanft auf Hawaiianisch: „Gehst du bitte zurück in den Wagen! Keine Sorge, wenn's darauf ankommt, mache ich sie alle fertig!“

Shark Finn nickte mit professionell neutralem Gesichtsausdruck. 

«Diese fragg Kackbratzen!», schimpfte Sionn. 

Was dem Fomori im Weggehen ein Grinsen entlockte. 

Nachdem Shark Finn die Beifahrertür hinter sich geschlossen hatte, lächelte Chain und nickte zur … Anerkennung? … Dank? … Bestätigung? … Siegesbekundung? - Wahrscheinlich alles zusammen. - Und es passte mir nicht. Doch was hatte ich erwartet, wenn ich als Rudelmitglied mit Liebling-Status ausgezogen und als unabhängige Anführerin wiedergekehrt war? Unterordnen war einfach nicht mehr meins.

Ich würde mir meine Probleme damit jedenfalls nicht anmerken lassen. 

Chain winkte die Elfin ran. „Vic!“ Er zeigte auf die Limousine. 

Vic verzog genervt das Gesicht. Angewidert traf es noch besser. Vic hatte offenbar keine Lust, sich zu einem Troll in die Limousine zu setzen. Doch sie gehorchte. Ihr blieb auch nichts anderes übrig.

Als den Howling Shadows klar wurde, dass das bedeutete, dass ich bei Chain mitfahren sollte, begann Sionn zu fluchen. 

Alba beruhigte ihn. 

Eden ließ es sich nicht nehmen, spontan mit Shark Finn die Plätze zu tauschen. Auch wenn es für alle Beteiligten unbequem war, so würde Vic wenigsten zwischen Finn und Sionn sitzen müssen. 

Sionns Anblick erfreute Vic zwar, entschädigte sie aber nicht dafür, dass sie einem Troll näher kam, als sie es je wollte. „Wer bist du denn?“, fragte sie Sionn.

Sionn war viel zu sehr auf das weibliche Geschlecht fixiert, als dass er hätte grimmig bleiben können. „Ich bin der Neue!“, erklärte er beinah freundlich.

Ich hörte ein Zögern und dann die Frage: „Hast du einen buschigen Schwanz?“, womit sie eventuell auf Sionns Fuchs-Icon ansprach. Vielleicht sprach sie aber einfach nur Gälisch. 

„Manchmal!“, erwiderte er.

„Wo sind die andern?“, wollte Vic noch wissen.

„Welche anderen?“, fragte Sionn unschuldig.

„Verarsch mich nicht!“, fauchte Vic. „Die anderen, die noch mit euch in Boston sind. Die Tír-Elfe zum Beispiel!“

Damit hatte sie bei Sionn den falschen Nerv getroffen. „Na offensichtlich nicht hier!“, blaffte er. „Oder glaubst du ich hab sie unter meinem Kilt versteckt?“

Ich stieg unterdessen mit dem Gang einer Königin zu Chain aufs Bike.

Ich rückte an ihn ran, legte meine Hände um seine Taille und hielt mich fest.

Als mir der Fahrtwind um die Nase wehte, konnte ich nicht anders, als zufrieden zu grinsen. Innerlich natürlich, damit es niemand merkte. 

Ich stand einfach darauf, Motorrad zu fahren, selbst, wenn es bei einem rassistischen Elfen hinten drauf war.

❄️

Alle Motorräder hatten Gas gegeben. Seine Maschine zu beherrschen, gehörte bei den Ancients eben dazu. Zudem kannten sie die Gegend.

«Ey, AveRage, verlier die jetzt bloß nicht!», forderte Finn.

«Fahr schneller!», verlangte Sionn.

«Ich mach ja schon!», erwiderte AveRage, aber er klang nicht überzeugt.

„Ey, Bro’, wir sehen die schon nicht mehr!“ Finn klang wirklich besorgt.

«Fahr jetzt links!», wies Alba an.

«Bist du sicher?», wollte AveRage wissen. «Hast du mitbekommen, dass die nach links sind?»

«Nein, nicht wirklich, aber links müsste das HQ liegen, nach dem, was ich weiß.»

Recht hatte sie. Denn als ich abstieg und auf die Sitzgruppe vor dem ‚Kostum Road Bikes‘ zuschritt, hörten meine feinen Ohren, wie unsere Limousine in die Straße einbog.

❄️

Wir setzten uns. 

Gut ein Dutzend Ancients waren hier im Umkreis versammelt. 

Chain bot mir ein Bier an. 

Ich nickte. „Gern!“ 

Ein Elf - natürlich ein Elf, was auch sonst? - den ich auf 16 Jahre schätzte, mit grünem Mohawk und einem Overall unter der Panzerjacke, streckte den Kopf aus der Werkstatt, kam dann angelaufen und brachte uns das Bier. Chain kniff kurz die Augen zusammen, da er offenbar davon ausgegangen war, dass eine der Rocker-Elfinnen, die hier so schön drapiert waren, uns das Bier aus der Kühlbox reichen würden.

Der Mohawk machte vor meinen Augen die Flasche auf und übergab sie mir mit einem süßen Grinsen. 

„Wer hat dich gerufen?“, wollte Chain wissen.

„Na, du!“, erwiderte der Mohawk. „Das Bier aus dem Kühlschrank ist viel kälter und ich dachte, du willst bestimmt ein kühles Bier.“ 

Chain schüttelte mit einer Spur Belustigung den Kopf, nahm Mohawk das zweite Bier ab und scheuchte ihn mit einer Geste davon. Dann sah Chain zu mir. „Was willst du denn nun genau kaufen?“, fragte er.

Ich kam ebenfalls direkt zur Sache. „Jazz, Pixie Dust und 3 Portionen Laés, wenn ihr welches da habt.“

Chain nickte. „Und was bietest du dafür?“

Unsere Limousine traf auf dem Gelände ein. Es dauerte einen Moment, dann stieg Vic aus. Shark Finn zog die Tür von innen zu und beantwortete damit wortlos Edens Frage, ob er aussteigen wollte.

„Ich weiß nicht, was ihr braucht. Ich habe NuYen da, aber die sind in Zeiten wie diesen weniger wichtig. Schlag was vor?“, verlangte ich.

Chain zögerte nicht. „Du sollst gute Beziehungen zum Don haben, habe ich gehört.“

Es war klar, dass er Mafia-Don O’Riley meinte. Ich grinste wölfisch. „Stimmt!“

„Lucky Liam will ein Meeting mit dem Don. Kannst du das arrangieren?“

„Klar!“, antworte ich ohne zu zögern.

Meine Überzeugung überraschte Chain. „Super. Dann sind wir uns einig. Wieviel brauchst du genau?“

„20 Popper und 5 mal Staub“, erklärte ich.

Mohawk hatte sich nicht sonderlich weit entfernt. Er verschwand nach einem Blick auf Chain kurz in der Werkstatt, um meine Bestellung zu holen.

„Wie geht es euch mit dem Lockdown?“, fragte ich Chain.

Chain lehnte sich zurück. „Ist gut für die Geschäfte. Nur mit dem Nachschub ist schwer. Also, alles außer Drogen. Die sind leicht. Die ziehen wir einfach aus den Supplies! Lustige Sachen mischen die Megas da rein.“

Ich verbarg meine Überraschung. Die Konzerne nutzen Boston also bereits wieder dazu, um großflächige Experimente durchzuführen. Ich schalt mich selbst. Damit hätte ich rechnen müssen. Liam tat das mit Sicherheit. Er überprüfte alles, was wir sammelten. Wenn man wusste, wie es ging, konnte man die verschiedensten Substanzen relativ leicht aus dem Essen holen. Ich hatte gelernt, wie das ging. Vielleicht würde ich Zeit finden, das hier in Boston in die Tat umzusetzen.

„Immer gut, wenn man was damit anfangen kann!“, stellte ich fest. „Gibt’s sonst noch was Interessantes zu wissen?“

Chain lächelte mich an. „Weil du es bist, packe ich noch ein Bonus-Geschenk mit drauf. In den Rox rennt ein Norm-Albino rum, der fragt nach den Howling Shadows. Nennt sich White Rabbit. Man hört, der ist 'ne unangenehme Erscheinung.“

Ich tat, als sagte mir der Name nichts. „Okay. Ich wüsste nicht, was er von uns will. Aber danke in jedem Fall für die Info!“ Natürlich hatte der Name sofort bei mir geklingelt. Obwohl, Name, das stimmte nicht ganz. Denn bei den dissonanten D’s war das Icon eines weißen Kaninchens unterwegs gewesen. Vielleicht hatte der dazugehörige Technomancer überlebt. Das war wirklich interessant, beunruhigte mich aber nicht. Im Gegenteil. Die D’s konnten durchaus zu Pax gehören. Wenn ‚White Rabbit‘ uns suchte, hatten wir vielleicht eine weitere Spur, die uns zu Pax führte. Das konnte besonders wichtig werden, wenn wir sie bei dem Job, mit dem sie uns beauftragt hatte, nicht weiter vertrösten konnten. 

Wie aufs Stichwort kam Mohawk mit meinem Paket aus der Werkstatt. Ich erhob mich. „Gut, Chain. Ich komme wieder her, wenn ich das Date mit dem Don klargemacht habe. Nochmal danke für den Bonus!“

Chain nickte. „Gern!“

Ich ließ mir von Mohawk mein Päcken geben. Er grinste.

„Hey, will’ste 'nen Autogramm?“, fragte ich fröhlich und weiterhin auf Sperethiel. 

Mohawk nickte aufgeregt. „Ja!“

Ich legte lasziv frischen Lippenstift auf und küsste ihn auf die Wange. Ich hinterließ einen deutlichen Abdruck.

Mohawk wurde rot.

Die anwesenden Ancients johlten. 

Chain lächelte. „Braucht ihr noch Begleitschutz?“, fragte er.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein danke, wir kommen klar!“

Ich lief hüftschwingend auf die Limousine zu. Shark Finn stieg genau im richtigen Moment aus, öffnete mir die Tür und tauschte dann wieder mit Eden den Platz. 

Wir fuhren los.

„Hatte ich schon gesagt, dass ich die nicht leiden kann?“, fragte Sionn zur Begrüßung. 

❄️

Mohawk fuhr hinter uns her. Er holte schnell auf und klopfte dann ans Fenster.

AveRage ließ die Scheiben sinken.

Mohawk grinste. 

Ich zwinkerte und nutzte den vollen Wow-Effekt meiner langen, dichten Wimpern. „Wie heißt du eigentlich?“

„Dawante!“

Ich streckte die Hand aus dem Fenster, wohl wissend, dass das für ihn nicht einfach zu fahren war. Doch er griff danach. „Freut mich, dich kennen zu lernen, Dawante!“, erklärte ich ehrlich. „Bist du der Bike-Master von Boston?“, wollte ich nun wissen und nutzte damit eine Insider-Bezeichnung.

Dawante schüttelte den Kopf. „Nö. Noch nicht. Aber werde ich sicher bald.“

TAGs zeigten an, dass das für Ancients sichere Gebiet bald endete. 

„Fahrt nicht weiter nach links, da könntet ihr Stress bekommen!“, riet der wirklich schnuckelige Elf.

„Gut, machen wir nicht. Danke!“

Dawante klopfte gegen das Dach der Limousine, gab Gas und wendete nach einigen Metern.

Er war süß. Das konnte mich fast darüber hinweg täuschen, dass er ein Rassist war.

Sicher, Rassismus gab es verschiedenen Schärfegraden, die ich bis zu einem gewissen Punkt verstehen, nachvollziehen oder tolerieren konnte. 

Ich konnte auch zukünftig mit Rassisten Geschäfte machen. Ich legte die Grenzen für mich weiterhin selbst fest.

Als Freunde konnte ich Rassisten jedoch nicht mehr bezeichnen. 

Und ich würde eine Gruppe von Rassisten nicht mehr bevorzugen, nur weil die Rasse, die sie für privilegiert empfanden, zufällig mit einer meiner eigenen Gestalt übereinstimmte.   

❄️

[Song 5: Tomandandy/ Resident Evil Afterlife - Far3] Wir hielten auf dem öffentlichen Parkplatz, der etwa 1000 Meter von der Blue Hills Facility entfernt lag. Hier parkten zwar nur einige wenige Fahrzeuge, dennoch konnten wir die Limousine so stellen, dass sie nicht weiter auffiel. Wir stiegen alle aus und bewegten uns durch den Wald vorsichtig näher. Schon bald bemerkten wir die ersten Shambler, die sich wie üblich in kleinen Gruppen zusammengetan hatten. 

Da war es wohl besser, ich ließ uns verschleiern. 

Ich stellte mich gegen den Wind, griff an meinen Gürtel und zog eine kleine Luftpumpe heraus. Mit ihrer Hilfe versprühte ich wohlriechende Luft, als kleines Geschenk für die Sylphe11, die ich nun rufen wollte. 

Die prächtige Gestalt der schönen Sylphe Keeya erschien und gewährte mir Dienste. Ich nutzte einen sofort und bat um die Gunst der Verschleierung.

Dann rief ich den an mich gebunden Brownie hinzu und wies ihn freundlich an, den Mindnet-Zauber auf uns zu wirken, damit wir uns lautlos unterhalten konnten.

Noch bevor wir die Umzäunung der Anlage erreicht hatten, nahmen wir Geräusche wahr. Offenbar hatte jemand in der Nähe der Facility ein Camp aufgeschlagen. 

Wir schlichen näher, versuchten aber, unentdeckt zu bleiben. 

Wir zählten zehn 4-5-Mann-Zelte und knapp 25 Metamenschen verschiedenen Alters und Geschlechts, bei denen es sich größtenteils um Menschen handelte. Nur zwei Zwerge und ein Ork gehörten zu der Truppe. Sie schienen erfahren zu sein, was das Campen anging, denn sie hatten ihr Lager gut aufgebaut. Die Zelte waren fest gespannt, sie nutzen die Gegebenheiten der Landschaft, und sie hatten zudem ein Gewirr aus Schnüren und dünnen Seilen um das Lager herum gespannt, um sich vor dem ungehinderten Zugang von Shamblern zu schützen.

Wir lauschten eine Zeit den Gesprächen im Camp.

Sie unterhielten sich scherzhaft über das, was das letzte Essen aus Supplys mit ihnen gemacht hatte, die die NeoNET-Leute ihnen überlassen hatte. 

Laut der Information von den Ancients war das jedoch kein Scherz. Ich fragte mich nur, ob NeoNET denen draußen speziell markierte Dinge über den Zaun warf.

Wie auch immer, die hier aßen zumindest keine Shambler, sondern ergänzten ihre Nahrung durch das eine oder andere Tier, welches sie im Wald erjagten. Bei dem Gespräch über die letzte Jagd kam ein für sie unheimlicher Fakt zur Sprache. Offenbar hatten sie ein Reh erlegt und einen Teil des Kadavers über ihre Absperrung geworfen. Am nächsten Morgen waren jedoch genau jene Reste wieder im Lager aufgetaucht. 

Ich hob eine meiner zarten Augenbrauen und sah mich um. Nichts schien wirklich ungewöhnlich zu sein. Bis auf zwei Raben, die auf einem Baum saßen und neugierig in das besagte Lager blickten. Ich wusste nicht genau, ob mir etwas an den beiden Raben aufstieß oder ob ich seit Riven einfach paranoid war, was Raben anging, jedenfalls nahm ich astral wahr. 

Und tatsächlich, die Vögel waren laut ihrer Auren zwar wirklich Vögel, allerdings waren sie magisch mit jemandem verbunden. Ein zarter, kaum sichtbarer astraler Faden führte tiefer in den Wald hinein.

Ich deutete auf die Tiere und gab meinen Kollegen Bescheid. 

❄️

Ich bat Keeya, die magische Verbindung im Auge zu behalten und der Spur zu folgen. 

Wir folgten unsererseits Keeya.

Gut 30 Minuten liefen wir durch den Wald, dann entdeckte Eden die Überreste eines Lagerfeuers. Wer auch immer das Lagerfeuer kürzlich genutzt hatte, jeder Pfadfinder wäre damit zufrieden gewesen. 

Wir sahen uns vorsichtig um, denn die Spuren um die Lagerfeuerstätte wirkten ziemlich frisch. Und irgendwo musste ja der sitzen, der die Verbindung zu den Vögeln besaß.

Alba deutete in eine Richtung, dort hatte sie etwas schimmern sehen.

Der Schleier der Tarnung löste sich plötzlich. 

Während wir sahen, wer zwischen den Bäumen lauerte, wurden auch wir für die anderen sichtbar. So war das bei der Kraft der Verschleierung nun mal.

[Song 6: Of Monsters And Men - Dirty Paws3] Zuallererst registrierte ich den großen, schwarzen Hund, der aufmerksam und zum Sprung bereit in unsere Richtung starrte. Das war nicht nur irgendein Hund, sondern - an seinen Dornen entlang des Rückens unverkennbar - die erwachte Variante, die man Barghest nannte. Das prächtige Tier besaß eine Schulterhöhe von knapp 90 Zentimetern, trug ein Geschirr und eine perfekt sitzenden Körperpanzerung. Ich wappnete schon mal meinen Willen, denn wenn der Barghest nun zu heulen begann, wollte ich mit Sicherheit nicht zu denen gehören, die panisch durch den Wald rannten.

So langsam es mir möglich war drehte ich meine Hände in einer beschwichtigenden Geste den Wesen zu, die uns gegenüberstanden. Sie waren zwar bereit, aber noch griffen sie uns nicht an. Das sollte nach Möglichkeit so bleiben. „Ganz ruhig!“, sagte ich sanft und meinte damit sowohl die anderen als auch uns.

Neben dem Barghest stand ein belgischer Schäferhund, dem man ebenfalls Körperpanzerung angelegt hatte.

Tiefer im Unterholz kauerten zwei etwa einen Meter lange Gestalten. Dunkle Augen funkelten uns an. Kleine Hörner auf dem Kopf identifizierten die Tiere als Dämonenratten. Diese eigentlich urbanen und wirklich gefährlichen Critter hätte ich in einem Wald nun wirklich nicht erwartet. Sie galten als unzähmbar. 

Schräg rechts vor ihnen hockte ein menschlicher Mann mit dunklem Haar, dunklen Augen, einem gepflegten Vollbart und Gesichtszügen, die davon zeugten, dass Native Americans unter seinen Vorfahren waren. Er war in zweckmäßige Outdoor-Sachen gekleidet.

Die Dämonenratten sahen den Mann an als warteten sie auf einen Befehl von ihm. Der Typ hatte offenbar bis eben noch auf einem Campingstuhl gesessen, hatte dann etwas bemerkt und sich ein Stück zurückgezogen.

‹MyLady, zu diesem Mensch führt die Verbindung›, erklärte Keeya mit windtosender Stimme in meinem Kopf. ‹Und auch die anderen Tiere hier sind mit ihm verbunden.›

Zu viel dann zu ‚unzähmbar‘!

Ein großer Waschbär in der erwachten Variante, die man allgemein als Bandit bezeichnete, kam keckernd zu dem Mann gelaufen. Das Tier deutete auf mich und machte deutliche Anstalten, dass er zu mir wollte. 

Der Mann sagte etwas zum Waschbären. Es sprach leise und ich würde sagen, dass es Irokesisch war und so etwas wie Geduld von dem Waschbären gefordert hatte. Dann wandte sich der Mann mir zu und kopierte meine Geste. „Mein Name ist Kariwase!“, stellte er sich vor. Dabei erhob er sich langsam. Kariwase war ebenfalls Irokesisch und bedeutete übersetzt: ‚Ein neuer Weg, Dinge zu tun‘.

„Hallo, Kariwase“, sagte ich weiterhin sanft, um keines der Tiere aufzuschrecken. „Ich bin Snowcat und das hier sind Alba, Eden, AveRage und Shark Finn. Ich bin erfreut, dich und deine Begleiter kennenzulernen.“

Kariwase lächelte und nickte. „Das hier sind Rocket …“, er zeigte auf den Bandit. 

Der Bandit wertete die Nennung seines Namens als Erlaubnis, zu mir zu laufen. Er blieb vor mir stehen und hob seine possierlichen Ärmchen. Er wollte auf meinen Arm. 

Alle anderen Tiere entspannten sich nun deutlich. Kariwase deutete zu den Dämonen-Ratten: „Das sind Nix und Nox, Bär und Fluffy. - Ich bin auch erfreut, dich kennenzulernen, Snowcat von den Howling Shadows!“ 

Kariwase war demnach kein völliger Einsiedler und hatte vermutlich schon mal Trideo geguckt.

Bär war der Name der belgische Schäferhundes, der riesige Barghest hieß lustigerweise Fluffy, und die beiden Raben, die bald angeflogen kamen, trugen die literarischen Namen Edgar und Allen.

Ich streckte meine Arme aus, um den süßen Rocket im Empfang zu nehmen. Er kletterte von selber an mir hoch, kuschelte sich dann in meinen Arm, um gleich darauf auf meine Schulter zu steigen und an meinem Rucksack zu schnüffeln. Der Fratz war ziemlich schwer. Doch ich ließ ihn gewähren.

Seine Nase verriet Rocket schnell, wo ich Nahrung aufbewahrte und nach kurzer Rücksprache per Blick mit Kariwase schenkte ich Rocket einen meiner Müsliriegel, die Tiernan zubereitet hatte. Der Bandit verputze ihn innerhalb weniger Sekunden.

Rockets Verhalten sorgte sofort dafür, dass unsere außergewöhnlichen Gruppen einander sympathisch fanden. Wir setzten uns auf dem Waldboden zusammen, um uns näher bekannt zu machen und zu sehen, was uns hier zusammengeführt hatte.

Was Kariwase anging, war es schnell erzählt. Grid-Guide hatte seinen Wagen hier in der relativen Nähe geparkt, als er unterwegs gewesen war. Der Mann war nicht in der Lage gewesen, das Teil wieder zu starten - und so hatte er sich mit seiner Tier-Gang in den Wald zurückgezogen.

Wir waren uns schnell einig. Wir würden ihm helfen, seinen Wagen mit den Tierkäfigen wieder flott zu bekommen, dafür würde er uns helfen, mehr über die NeoNET-Anlage herauszubekommen.

Kariwase bot von selbst an, uns auch bei unserem Einbruch in die Facility zu helfen, nachdem er erfuhr, dass dort junge Metamenschen gefangengehalten wurden, woraufhin wir im anboten, dass er mit seinen Tieren auch nach Snow Haven ziehen konnte. 

Das Haus des Hausmeisters drängte sich dazu förmlich auf.

Kariwase nahm das Angebot gerne an.

Alba freute sich riesig, denn sie war in einige der Tiere bereits vernarrt.

❄️

Die Blue Hills Facility hatte es in sich. 

Zunächst einmal bot sich uns ein friedliches Bild spielender Kinder auf dem Gelände.

Vor dem Lockdown hatten dort 5000 Metamenschen gearbeitet. Wir hatten den Eindruck, dass dort nun eher mehr denn weniger lebten. Vermutlich hatte man nach dem Lockdown die Familien der Mitarbeiter hinzugeholt. 

Vom Zaun der Anlage bis zum Waldrand gab es 30 Meter sauber gerodete Fläche, die wir unbemerkt überbrücken würden müssen. 

Vor dem Haupttor lagen Leichen. Shambler, um genau zu sein.

Kariwase berichtete, dass regelmäßig Supply-Drops auf dem Grundstück oder nahe des Grundstückes landeten. Strandete eine Ladung vor dem Zaun, nutzen die Camper ihre Chance, um sich ein paar Sachen zu schnappen, bevor NeoNET mit den Wagen kam, um alles einzusammeln. Manchmal warfen die Sicherheitsleute tatsächlich auch Nahrung für die Camper über den Zaun. Ob es sich dabei um speziell markierte Päckchen handelte, wusste Kariwase aber nicht. 

NeoNET störte jeglichen ‚Funk‘ nach draußen. Demnach würden wir schon für die simpelsten Matrix-Informationen von dort wirklich physisch hinein müssen. 

Zwei Patrouillenfahrzeuge fuhren mehrmals täglich ihre Runden. Ein Magier kam alle zwei Stunden astral gucken. 

Zwei mal zwei Rotordrohnen und ein Spirit of Air bewachten quasi ständig den Luftraum. Dem Geist konnte man aus dem Weg gehen, wenn man sich ein bisschen Mühe gab. Er konnte ja nicht überall sein. Bei den Drohnen war es schon viel schwieriger. Offenbar saßen da Rigger am Steuer, die ihren Alltag dadurch interessanter machten, indem sie immer wieder andere Routen flogen.

❄️

Nachdem wir das Ganze eine Zeit lang beobachtet hatten, fragte ich Kariwase: „Was haben Edgar und Allen eigentlich für Tricks drauf?“

Kariwase bat mich daraufhin um etwas Blinkendes. Ich nahm einen Ohrring raus, den ich dann werfen sollte. 

Kariwase schnalzte und knackste. Die Raben krächzten, flogen los, zogen ihre Kreise und suchten offenbar. Dann krächzte einer von beiden erneut, der andere landete kurz, nahm etwas auf und erhob sich wieder in die Lüfte. 

Sie brachten mir den Ohrring tatsächlich zurück. 

Ich war beeindruckt. „Wow, das ist großartig. Können sie auch deine Augen sein und über die Anlage fliegen?“

„Ja, schon! Aber wie gut sie erkennen, was für dich interessant ist, ist hier die Frage!“, antwortete er.

„Das Gelände ist ziemlich groß. Wir brauchen einen Überblick, was wo ist. Bisher wissen wir nur, dass die Technomancer dort sind, nicht aber wo. Eine Karte der Anlage wäre da der erste Schritt.“

Kariwase sah mich intensiv an. „Ich weiß ja nicht, wie es mit deinem Mut so aussieht, aber wenn du dir zutraust, als Vogel zu fliegen, könnte ich dich in einen verwandeln und du machst dir dann selbst ein Bild.“

Ich grinste überlegen. „Fliegen, das klingt ja wie für mich gemacht!“

❄️

Shark Finn hatte ein kleines Problem damit, dass ich mich so in die Zauberfertigkeit eines Fremden ergab, doch nachdem er hatte bestimmen dürfen, wie das mit der Rückverwandlung laufen würde, da ich dann nackt sein würde, hatte er schließlich eingewilligt. 

Bevor Kariwase zauberte, stellte Shark Finn ernst und überzeugend bedrohlich fest: „Der Zauber hört auch auf, wenn ich dich töte, richtig?“

Kariwase verzog skeptisch das Gesicht. „Ja, genau. Nur wenn du das im falschen Moment machst und sie noch in der Luft ist, dann stürzt sie ab.“

Shark Finns stoisches Nicken verunsicherte Kariwase eine Spur. Er konnte ja nicht ahnen, dass Finn genau wusste, wie hoch ich sein musste, damit ich ausreichend Zeit hatte, mich noch im Fallen zu wandeln. 

❄️

Mich als Vogel höher zu schrauben, brachte zwar nicht das gleiche Hochgefühl wie wenn ich es in Drake-Gestalt tat, aber Spaß hatte ich dennoch. 

Meine Geister in Bereitschaft und von Edgar und Allen begleitet, flatterte ich über die NeoNET Blue Hills Facility, nachdem der Konzernmagier dort seine Astralrunde kurz zuvor ein weiteres Mal beendet hatte.

Im Vorbeiflug wirkte ich den Zauber, der mich das Gelände kartografieren ließ. Dank meines eidetischen Gedächtnisses würde ich später eine Karte davon erstellen können.

Damit wussten wir zwar noch lange nicht, wo die Technomancer waren oder gar, wie wir sie befreien konnten, doch ein Anfang war gemacht.

❄️

Als wir weit nach Mitternacht nach Snow Haven zurückkehrten, hatte ich einen Riesenhunger. Fliegen war eines von zwei Dingen, nach denen ich immer Hunger bekam. 

Fliegen und Sex.

Beides hatte mehr als nur ‚den Hunger danach‘ gemeinsam. 

Ich hatte auf beides immer Lust, beides war unglaublich befriedigend, ich war in beidem gut und ich konnte nach beidem gut schlafen. 

Sex würde ich in den nächsten Tagen nicht so schnell bekommen, da war das Fliegen eine gute Alternative.

Heute war unser 52. Tag im Boston Lockdown, und es gab noch jede Menge zu tun!

Ende der Episode

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Wir freuen uns, dass du uns während dieser Geschichte begleitest hast, danken dir für’s Lesen und verbleiben bis zum nächsten Mal:

Snowcat and the Howling Shadows

An dieser Stelle bedanken sich die Spieler unserer Runde bei allen, die an der Entwicklung und Verarbeitung der Shadowrun®-Produkte mitgewirkt haben. Ohne ihre Arbeit wäre unser Spiel nicht möglich! 

We would like to thank the authors, artists and all others who are involved in the development of the Shadowrun® rules, adventures and stories. Without them, our game would not be possible.

Vielen Dank auch an @Vin für das Korrekturlesen. ;*

*reckundstrekgenüsslich* Hoffe Ihr habt Spass; *knutschi*