Tales Of Snowcat 17: Follow The White Rabbit

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TALES OF SNOWCAT

PERIOD6: Magician

ERA6: Light Baroque

AGENDA12: Boston Lockdown

DATE1:  08/04 - 08/06 2076

BROADCAST6: Unter „SatHS in Danger“ wird Material als Dokumentation der Situation in Boston gedreht. Da es viel Material gibt und eine hohe Nachfrage besteht, werden die Abstände zwischen zwei Episoden immer wieder angepasst. Episode S3/E15 wird ab 09/19/2076, also nur einen Tag nach Episode 14, als Stream zu Verfügung gestellt.

PRODUCTION: Spinrad Media

APPEARANCE2 : AveRage, Doc, Eden, Fang, Fierce, Foggy, Liam16, Mash, Mr. Tea, Shark Finn, Sinister, Snowcat, Tiernan;

SPECIAL APPEARANCE2;7: Alba (wird zu Phoenix)13, Dana15, Kariwase17, Dave, Sionn16, Tango; 

SPOILER ALERT: Die Episode enthält massive Spoiler auf „Boston Lockdown“ von Catalyst Game Labs.

WARNING: Diese Trideoserie ist für Zuschauer unter 17 Jahren nicht geeignet. Sexualität, Gewalt, Magie, Tod, Kraftausdrücke und Drogenkonsum können vorkommen. Mitglieder der Howling Shadows sind in Waffen- und Magiegebrauch ausgebildet und sind sich der tödlichen Gefahr bewusst, mit der sie es während des Drehs zu tun haben. Zuschauer werden gebeten, diese Dinge nicht nachzumachen, es sei denn, es wird in einem Nachspannclip ausdrücklich erlaubt. Ferner ist absolut davon abzuraten, sich auf eigene Faust mit den gezeigten oder ähnlichen magischen Gefahren, Geistern und/oder Crittern anzulegen.

WAS BISHER GESCHAH:

Snowcat erfährt aus Matrixquellen frühzeitig von den Ereignissen in Boston. Als klar ist, dass der gesamte Sprawl wegen einer mysteriösen Krankheit, offiziell eine Version von Enzephalitis, abgeriegelt wird, beschließt Snowcat, nach Boston zu gehen, um nach Tango und Dave, zwei eingeschlossenen Freunden, zu sehen. Snowcat ruft das Team zusammen.

Alle UCler erklären sich sofort bereit, sich an der Mission zu beteiligen. Ein Teil bezieht in einem Lager außerhalb des Lockdown Stellung. Die Gruppe um Snowcat lässt sich nicht mal eine Woche nach dem Ereignis in Boston abwerfen. (Tag 1) Sie kapern Versorgungsdrohnen für ihre Reise in den abgeriegelten Sprawl. In Boston angekommen haben die Howling Shadows gleich den ersten Kontakt mit Shamblern, der wahren Bedrohung, die die Ursache für den Lockdown ist. Man kehrt schließlich bei Tango, dem Fechtlehrer von Snowcat, ein und baut dort das Basislager auf. Die Runner kommen schnell zu dem Schluss, dass es sich bei der ausgebrochenen Krankheit um eine veränderte Form von CFD handelt. Außerdem vermutet man, dass Experimente und Forschung von NeoNET sowie der Große Drache Celedyr und Cerberus für den Ausbruch verantwortlich sind. Das Team möchte unbedingt herausbekommen, was es mit all dem auf sich hat.

Innerhalb der nächsten Tage retten Snowcat und die Howling Shadows Dave (Tag 2) und den Hub-Blogger14 (Tag 4), letzteren aus der HCZ. Außerdem befestigen sie ihr Lager und bauen es aus.

Ein gewisser DJ, ein Elf und vornehmlich Detective bei Knight Errant, erfährt von diesem Einsatz in der HCZ. Er nimmt Kontakt zu Snowcat (Tag 5) auf und beauftragt sie, in die schlimmste Zone von Boston, die MCZ, zu gehen. Dort sollen die Runner neun Metamenschen rausholen. Bei dieser Mission wird den Runnern bewusst, wie viele Shambler und Rager es offenbar geben muss.

Kurz nach diesem Run meldet sich Zoh Rothberg, die Sprecherin des großen Drachen Celedyr, bei Snowcat. Sie hat gehört, dass unter dieser Nummer fähige Runner verfügbar sein sollen. Zoh beauftragt Snowcat, in das magische Labor Nummer 15 einzudringen und dort die Situation zu dokumentieren (Tag 7). Auf dem Weg zum Labor rettet man - quasi im Vorbeigehen - Max14 und Caroline. Auch dieser Job gelingt. Allerdings bringt er gleich zwei unschöne Erkenntnisse mit sich: Die Shambler können regenerieren, und AveRage ist schon seit längerem mit CFD infiziert. Er infizierte sich bereits, als er vor Jahren in einem NeoNET-Labor in Albuquerque gefangen gehalten wurde.

Da Tangos Studio nun schon 19 Metamenschen beherbergt, beschließt man, Wohnmobile zu besorgen, um mehr Schlafplätze, WCs und Betten zur Verfügung zu haben (Tag 9). Auch diese Mission wird erfolgreich abgeschlossen, verläuft aber ohne die Führung von Snowcat, Liam oder Doc chaotisch.

Eines schönen Morgens wird Eden auf ihrem Wachposten auf dem Dach via Matrix angegriffen, weitere Commlinks spielen verrückt (Tag 17). Als man den Angreifer stellt, entpuppt er sich als Sionn, ein Elf aus dem O’Niall-Clan, der ebenfalls in Boston gestrandet ist. Sionn bleibt. Als O’Niall genießt er einen Vertrauensbonus. Es ist klar, dass er zukünftig mit auf Missionen gehen wird.

Während der nächsten Mission möchte Snowcat herausbekommen, was es mit dem Technomancer in der MCZ auf sich hat, der offenbar eine Armee aus Shamblern kontrollieren kann (Tag 19). Man findet heraus, dass er von einem anderem Stamm von CFD infiziert ist und dass es sich bei ihm um einen „Manipulator“ handelt. Vor dem Durchgang in die Zone trifft man auf die Reporterin Alba Garcia Ruiz, die man später ebenso mit in Tangos Studio nimmt wie die überraschend aus dem Haus befreite Hexe Dana Flynn, Edens Freundin aus Kindertagen. Für die sechs weiteren geretteten Metamenschen erhält Snowcat sechs Paar Schuhe, da DJ inzwischen bereit ist, für jeden aus der Zone Befreiten ein Paar Schuhe zu bezahlen und die Personen danach unterzubringen.

Um das Leben in Boston für die Gruppe angenehmer und sicherer zu gestalten, und damit man nicht immer zu Fuß unterwegs sein muss, beschließt man, zwei Limousinen zu organisieren (Tag 21). Auf dem Weg zum Zielort bemerkt AveRage, dass seine Schuhe ihm Probleme bereiten. Neue Schuhe werden in einer Mall besorgt. Währenddessen trennt Columbo sich von der Gruppe, wird von einem Shambler angegriffen und stirbt, noch bevor die anderen zu seiner Hilfe eilen können. Die Mission wird dennoch fortgesetzt. Man verbrennt Columbo auf einem Baseballfeld und nimmt seine Asche in einer Ares-Munitionskiste mit. Der Zielort erweist sich als ehemalige Knight-Errant-Polizeiwache, die inzwischen von Wolverine Security betrieben wird. Im Host finden sich Informationen, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Siebzehn menschliche Wachmänner halten achtzehn Personen anderer Rassen gefangen, vergewaltigen die Frauen und zeichnen das auf. Das Team ändert den ursprünglichen Plan und arbeitet an der Befreiung der Gefangenen. Am frühen Abend tauchen Mitglieder der Knights of the Red Branch auf. Spontan beschließt die kleine Gruppe Howling Shadows, sofort zuzuschlagen. Während der Aktion setzt man den Anführer der Red Branch und dessen Bodyguard fest, befreit die Gefangenen und entkommt mit den Limousinen. Sieben Gefangene haben keinen Ort, an den sie gehen können, darum nimmt man sie in Tangos Studio mit.

Nach der Rückkehr ins Studio halten die Howling Shadows und ihre neuen Gäste eine irische Wake für Columbo ab. Da das Haus langsam zu voll wird, plant man einen Umzug. Alba schlägt das Gelände der Clairmont Academy, Boston Elite vor. Eine Privatschule mit Internat, auf der Alba selbst gewesen ist. Da sich das große Gelände bestens eignet, startet der Umzug nach einem Balladenabend. Gut zwei Wochen später werden die Einzugsarbeiten durch einen Anruf von einem aztlanischen Johnson namens Sandellero unterbrochen, der einen Auftrag für die Runner hat. Sie sollen eine Datei in einen Host in der MCZ spielen. Die Adresse entpuppt sich als Back-Up-Station einer Knight-Errant-Polizeiwache, in der Shambler lernen, sich wie Metamenschen zu benehmen. Das Team spielt die Daten - eine Namensliste von Teilnehmern verschiedener Projekte, die letztendlich alle zum Ereignis des Boston-Lockdowns führten - trotzdem auf, verändert die Liste jedoch leicht. Auf dem Weg zum Grenzzaun bemerken die Runner eine Sprachnachricht, die in den Äther geblasen wird. Erneut wird ein Team für die MCZ gesucht. Zunächst informiert Snowcat sowohl Sergeant McNamara als auch DJ über die bedrohlichen Neuigkeiten über die Shambler. Zurück in der Academy probiert Snowcat noch vor dem Debriefing die Nummer des unbekannten Auftraggebers aus. Penelope Anne Xavier wirkt freundlich und ungeübt, als sie die Runnern damit beauftragt, einige Universitätsrechner, die in der MCZ stehen, wieder anzuschalten und ans Grid anzuschließen, damit ihre sechsköpfige Projektgruppe die Daten retten kann. Erst beim anschließenden Debriefing und gleichzeitiger Auftragsbesprechung wird den Runnern dank Eden klar, dass es sich bei dieser Auftraggeberin um die berüchtigte Technomancerin Pax handelt.

Nach einem Kriegsrat zieht noch in der selben Nacht ein kleines Team los, um die Server zu sprengen, damit die weiteren Pläne von Pax nicht umgesetzt werden können (Tag 36). An einem der Server entdeckt die Gruppe wieder eine FlySpy-Drohne. Als man sich nach erfolgreicher Verdrahtung der einzelnen Parts auf den Rückweg macht, entdeckt man einen einzelnen Shambler, der immer wieder "Hallo" ruft. Snowcat, weiterhin verschleiert, sprich über ihren Geist mit dem Shambler. Als der Geist antwortet, kehrt Intelligenz in den Shambler ein. Cereus steuert den Shambler. Er hat einen Auftrag für das Team. Er braucht saubere Naniten-Flüssigkeit und die Blutprobe eines funktionierenden mit Boston-CFD-Infizierten, um sich einen angemessenen Shambler zu erschaffen. Snowcat verspricht, zu überprüfen, ob sie den Job erledigen können. Sie sagt aber nur zu, da sie nicht sicher ist, ob man den Kontakt zu Cereus irgendwann mal gebrauchen kann, und sei es auch nur, um ihn zu fangen.

Beim nächsten Team-Meeting besprechen die Howling Shadows, was die vergangenen Ereignisse bedeuten und was zu tun ist, um das Gelände der Academy sicherer zu machen. Die angestrebten Arbeiten müssen noch warten, da DJ einen neuen Auftrag für das Team hat. Die B-Station, in der die Shambler unauffälliges Verhalten ausbilden, soll ohne zivile Verluste dem Erdboden gleich gemacht werden. Bevor man wieder arbeitet, bekommt das Gelände der Academy einen neuen Namen und wird feierlich in Snow Haven umbenannt (Tag 35). Außerdem wird Fierce zu Snowcats erster Walküre ernannt. Nach einigen Vorbereitungen erledigen die O’Nialls den Job von DJ (Tag 38), wobei man Metamenschen befreit, von denen einige in Snow Haven einziehen. Am nächsten Tag nimmt man endlich Kontakt zu den Metamenschen des Community Centers auf, in dem man Wochen zuvor Dave fand. Alle 120 Personen dort dürfen mitsamt ihrem Equipment nach Snow Haven umziehen. Nachdem die meisten Umbauarbeiten an dem ehemaligen Schulgelände abgeschlossen sind, wird es Zeit, Kontakte zu knüpfen, um die Versorgung auch während eines längeren Aufenthaltes in Boston zu gewährleisten. Am Abend begibt man sich in die Innenstadt, um das Avalon aufzusuchen (Tag 45). Das Team bekommt von Smedley Pembrenton III. den Auftrag, etwas zu einem gewissen Dr. Brain in die MCZ zu bringen. Die Güter gibt es im Beaded Shamrock, einem Pub, in dem sich Mitglieder der O’Riley-Mafiafamilie treffen. Shane O’Connor hat gleich einen weiteren Job für die Howling Shadows: Sie sollen eine Gang aus einem Depot vertreiben. Da es sich laut Sionn um eine dissonante Gang handelt, nimmt man den Job sofort an. Shane bittet Snowcat, nicht mit in die MCZ zu gehen. Snowcat willigt ein, während der Runs im Pub zu warten. Als man mit beinahe allen Howling Shadows in den Pub zurückkehrt, ist Kyle O’Farell, der Consiglieri der O’Rileys und ein alter Bekannter von Snowcat, anwesend. Er hat eine Einladung zum Essen beim Don für Snowcat dabei. Früh am Morgen des nächsten Tages kehren Snowcat und alle Howling Shadows lebend nach Snow Haven zurück. Alba geht in dieser Nacht auf ihren ersten richtigen Run und muss das Erlebte im Anschluss verarbeiten. Zudem hat Snow Haven nun vier weitere Bewohnerinnen, Studenten, die man aus dem Simmons College aufgenommen hat.

In den frühen Morgenstunden des Tages findet ein Debriefing mit den O’Nialls und Doc statt. Snowcat beschließt, Dr. Brain und Dr. Volt aus der MCZ auf eigene Kosten zu unterstützen. Nachdem man sich ausgeruht hat, findet am Abend eine Party statt, auf der das Leben an sich und Albas erster Kampfeinsatz gefeiert werden. Nach dem Musizieren gibt es plötzlich Applaus. Der Geist Squire Asher Benjamin Clay stellt sich vor. Er lebt schon lange in der Academy. Snowcat macht mit ihm einen Handel und erhält ein Spirit Mark. In einem Gespräch über die genauen Modalitäten der Abmachung kommt zufällig ein Geheimnis ans Licht. In der Academy gibt es eine unterirdische Anlage, in der noch Sicherheitsleute wohnen. Die Howling Shadows befreien die Sublevel und beanspruchen sie ab nun für sich. Man bekommt heraus, dass die Schüler der Academy auf Technomancer-Potenzial untersucht worden sind. Am Vormittag des folgenden Tages (Tag 47), führt Snowcat im Zen-Garten ein Gespräch mit Alba. 

Tiernan und Sionn organisieren zwei Food-Trucks, am Abend findet daraufhin eine Pool-Party mit allen Bewohnern von Snow-Haven statt (Tag 48). Liam findet heraus, dass Technomancer aus der Anlage unter Snow Haven in eine NeoNET-Anlage in Blue Hills gebracht worden. Das Team will die Technomancer befreien. Die Anlage und der Weg dorthin werden ausgescoutet. Der Hinweg führt durch die Rox, wo Snowcat Kontakt zu den Ancients sucht, um Drogen von ihnen zu kaufen. Als Bezahlung wollen die Ancients ein Meeting zwischen Lucky Liam und Don O’Riley. Snowcat sagt zu, für das Treffen zu sorgen. Vor der Blue-Hills-Facility entdeckt man zwei Raben, die magische mit jemandem verbunden sind. Die Spur führt zu einem Mann mit dem Namen Kariwase, der dank Grid-Guide mit seinen Tieren im jenem Wald gestrandet ist. Man freundet sich an und nimmt Kariwase und seine tierische Crew mit nach Snow Haven (Tag 51). 

Die Howling Shadows erkunden das Gelände der Blue Hills Facility so weit wie möglich im Voraus. Nachdem Brutus, der Familiar von Dana, die Technomancer auf dem Gelände lokalisiert hat, starten sie die Befreiung (Tag 54). Snowcat nimmt diesmal nur aus der Entfernung an der Aktion teil, ist aber durch Mindnet via ritueller Hexerei mit allen verbunden. Sie dirigiert das große Team quasi mit ihrem Geist. Mit viel Gestaltwandlungsmagie gelingt es, die Technomancer und eine mit ihnen befreundete Wissenschaftlerin zu befreien. Sionn und Sinister gehen in das automatisierte Lager, um saubere Nanitenflüssigkeit zu besorgen. Als Sionn wertvolle Commlinks und ein Fairlight Paladin Cyberdeck entdeckt, lässt er drei Pakete zu Sinister liefern und trägt Liams Firma, beziehungsweise Alba, als Besitzer ein. Das Zweierteam wird während dieser Arbeit entdeckt und löst Alarm aus. Snowcat lässt die fest eingeplante Ablenkung starten. Man kann mit der Beute entkommen. Die Ablenkung hat Shambler angelockt, die das Außenteam zu überrennen drohen. Im Nahkampf bekommen sowohl Fang als auch Fierce Shamblerblut ab. Bei Fierce ist die Blutmenge erheblich größer. Zurück in Snow Haven diagnostiziert Teamarzt Mash bei Fierce eine Infektion mit Boston-CFD. 

Um kein Shambler werden zu müssen, bittet Fierce Mash, sie stattdessen mit HMHVV zu infizieren. Sie hat die Hoffnung, dass der Virus schneller als die Naniten ist. Nach einigem Überlegen willigt Mash ein. Der Plan funktioniert, Fierce wird infiziert und fällt ins Koma. Liam besteht darauf, dass Fang nun eine Lebensschuld für Fierce leisten muss, die er in Form von vorzugsweise alkoholisiertem Blut ableisten kann. Es ist klar, dass Fierce Essenz und Blut brauchen wird, wenn sie wieder aufwacht. Essenz-Nahrung soll besorgt werden. Man weiht die unwissenden Alba, Dana, Dave und Tango in das Vampir-Geheimnis ein, nachdem sie eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben haben. Danach kommt es zu einem Disput mit Dana bezüglich der Opferwahl. Schließlich einigt man sich auf die Sicherheitsmänner in der Wolverine-Station, in der man vor einem Monat die Limousinen stahl und Metamenschen befreite. Dana besteht darauf, dass die Metamenschen die Wahl haben sollen, freiwillig Essenz abzugeben oder zu sterben. Ein kleines Team zieht los. Bei der Station stellt man fest, dass sie dort weiter Metamenschen gefangen halten, missbrauchen und foltern und dann weitergeben. Mit aller Macht nimmt das Team die Station ein, befreit die Metamenschen und nimmt die Gardisten sowie die Flaming Swords, die zu Abholung kommen, gefangen (Tag 55).

Anmerkungen:

1. Der Zeitstempel wird an unsere Zeitlinie angepasst und ist maximal an die offizielle Timeline angelehnt.

2. Die Episode wurde am 13.07. erspielt. Neben mir und dem GM, waren am Termin der Spieler von Eden & Mr.Tea und die Spielerin von Alba anwesend. Die Verwandlung von Alba in Phoenix wurde an einem anderen Abend und zwischendurch nur mit der Spielerin von Alba erläutert und festgelegt. Wegen den Widrigkeiten und Schönheiten des RL, können nur selten alle Spieler am Spielabend teilnehmen. Deshalb können Charaktere ohne weitere Erklärung auftauchen oder verschwinden. Darüber, welche Charaktere mit auf einen Run gehen, entscheiden die Spieler nach eigenem Gefallen. Das muss nicht immer die logistische Entscheidung sein. Manchmal ist ein Charakter mit auf einem Run, obwohl sein Spieler abwesend ist. In diesen Fällen wird der Charakter zwar mitgeführt, sein Handeln gerät, wenn möglich, aber in den Hintergrund. Der Spotlight soll auf Charakteren stehen, deren Spieler anwesend sind. Gegebenenfalls hinterlassen Spieler beim GM Regieanweisungen. 

Eine Beschreibung aller Charaktere und Marks findest du hier [LINK].

Eine Übersicht von Cast und Crew von SatHS findest Du hier [LINK].

3. Die verlinkten Songs sollen lediglich zu Stimmung beitragen und enthalten keine versteckten Hinweise. Jedenfalls meistens nicht :). Übrigens kaufen wir jeden in den Episoden verwendeten Song, sollte er sich nicht schon vorher in unserem Besitz befunden haben. Nicht nur, damit wir die Songs jeder Zeit auf all unseren Geräten abspielen können, sondern auch, weil wir damit den jeweiligen Künstler unterstützen möchten. Eine Liste mit dem kompletten SatHS Soundtrack findest du hier [LINK]. Eine YouTube Playlist zur aktuellen Season findest du hier [LINK].

4.Die Truppe, mit der Captain America (Marvel) im zweiten Weltkrieg gegen Hydra ins Feld zieht, heißt „Captain America and the Howling Commandos". Daran angelehnt, entstammt die Titelidee eigentlich. Abgesehen davon, ist „Howling Shadows“ der Titel des aktuellen Shadowrun® -Critter Quellenbuchs von Catalyst. Wir fanden die Doppeldeutigkeit gerade bei der Zusammensetzung des Teams passend. 

5. Eine Übersicht des Steampunk- Journals findest Du hier [LINK].

6. In den ‚Tales of Snowcat’ erzählt Snowcat einem imaginären, nicht näher definierten Zuhörer die Ereignisse aus ihrer ganz persönlichen Sicht. Seit dem Weggang von Katze führt Snowcat auch Tagebuch. Was ihr zunehmend wichtiger wird, da ihr die Dialoge mit Katze fehlen. Man kann ToS demnach auch als Tagebuchauszug betrachten. ‚Period‘ beschreibt dabei den Lebensabschnitt auf dem sich Snowcat befindet. ‚Era' beschreibt das Thema, unter das Snowcat in dieser Zeit den Inhalt ihres Kleiderschranks gestellt hat. ‚Broadcast‘ fasst zusammen, was von dem per Drohne gedrehten Material dem Trideo-Zuschauer der Serie Snowcat and the Howling Shadows zur Verfügung gestellt wird und wann es gestreamt wird.

7. Einige der Namen, die in der Geschichte auftauchen, sind auch in der offiziellen Shadowrun-Welt ein Begriff. Ähnlichkeiten sind beabsichtigt. Allerdings kann das hier dargestellte Bild auch deutlich von dem Bild im SR-Kanon abweichen, da es unserer Spielwelt angepasst wurde.

8. KE, kurz für Knight Errant, ein Sicherheitskonzern und Tochter von Ares Marcotechnologies.

9. Teilweise stehen Dialoge in diesen « » Textzeichen. Die gesprochenen Worte werden dann vornehmlich via Teamnetzwerk oder Commlink verbreitet und sind für Wesen, die keine Mitglieder im Teamnetzwerk sind, nicht oder nur schwer zu hören. Ferner stehen in < > schriftliche Nachrichten und in ‹ › stehen Dialoge via Geistesverbindung, wie zum Beispiel die mit einem Geist unter Kontrolle, Gespräche via Mindnet oder Dragonspeech. Wird zusätzlich eine andere Schriftart verwendet, handelt es sich um unausgesprochene Gedanken oder extra-persönliche Anmerkungen von Snowcat.

10. „AveRage“ hat seine Drohnen-Kamera-Einheiten, die je aus drei CU^3 bestehen, nach berühmten Kameramännern benannt.

11. Snowcat sieht die Geister, die einen Element zugeordnet sind als klassische Elementarwesen:  Luftgeister sind Sylphen, Erdgeister Gnome (früher Brownies), Feuergeister Salamander und Wassergeister sind Undinen. Jeder Geist, den sie beschwört, hat für sie zudem einen eigenen Namen. Guidance Spirits sieht Snowcat als weise Paten, die sie mit Godfather und Godmother betitelt. Guardian Spirits sind für sie Warden, also Krieger verschiedenen metamenschlichen Rassen. Die Warden tragen als Hommage an meine Lieblingsbuchsreihe den ‚Dresden Files‘ von Jim Butcher, die Namen von den Warden des White Council. Spirits of Man sind für sie Leprechauns (Kobolde) und Task Spirits sind Brownies. Beast Spirits bekommen den Titel Master und Plant Spirits den Titel Mother (z.B. Master Wolf oder Mother Oak). 

12. Schlagwort(e), Überschrift(en) unter denen die Episode steht.

13. Alba wird von der Spielerin T. geführt. Sie ist neu in der Gruppe und ein RPG-Frischling. In dieser Episode wird Alba zu Phoenix. Der Charakter steht damit zur Wahl zum Liebling von SatHS zur Verfügung.

14. NPC, der in Boston gerettet wurde und für den Verlauf der Geschichte keine namenhafte Rolle spielt. Max und Caroline sind eine Hommage an die Serie: Two Broke Girls.

15. Nach dem Tod von Columbo übernimmt Spieler I. die Charakterführung von Dana, die ursprünglich als NPC gedacht war.

16. Die Gesichter von Liam und Sionn sind in der Trideoserie nicht zu erkennen. Beide tragen stets Halsbänder, die dafür sorgen, dass Kameras ihre Gesichter nur verpixelt aufnehmen. Liam wird in der Serie als Sapper geführt, Sionn als Anarchy. Wir gehen in den SatHS-Texten im CatPoint nicht auf die veränderten Namen ein, um nicht alles zu verkomplizieren.

17. Bei dem Charakter handelt es sich um einen Runner, den die Howling Shadows in Boston getroffen und mit nach Snow Haven genommen haben. Diese Charaktere werden vom GM oder von einem anwesenden Spieler geführt. Je nachdem, wer gerade Zeit zum Würfeln hat oder einen solchen Charakter ausprobieren mag.

Weitere Begriffserklärungen findest Du [LINK].

POSTED BY SNOWCAT 

Tagebücher sind eine feine Sache. Sie halten die Geschichte einer Person fest. Heben sie für die Nachwelt auf. Machen einen jeden unsterblich - jedenfalls so lange, wie das Medium, auf dem sie geschrieben wurden, existiert. 

Ich führe erst seit ein paar Wochen Tagebuch. Handschriftlich - oh welcher Luxus - und in einem ledergebundenen Buch aus Papier. Warum auf diese Art? Weil es meine Handschrift formt - Meister Ehran meinte, das wäre wichtig, und er ist ein weiser und gebildeter Mann, er muss es wissen. Er schenkte mir dieses ledergebundene Buch, mit den Seiten aus dickem Papier, auf denen man auch so schön zeichnen kann. Außerdem gibt es - wie mein Erster Ritter einst feststellte - keine Methode, um elektronische Texte absolut sicher zu verschlüsseln. Ein Tagebuch kann man zwar auch nicht sicher verschlüsseln, aber wenn es verloren geht, gibt es wenigstens nicht gleich eine Millionen Kopien, die sich in der Matrix verteilen.

Jedenfalls nicht sofort.

Man müsste die Seiten nämlich erst einmal scannen und dann verteilen, und dann müsste man den Text auch noch von Ancient Sperethiel in welche Sprache auch immer übersetzen. Bei einem handschriftlichen Tagebuch hat man also ein Zeitfenster, um es zurückzuholen. 

Warum all die Mühe? Wer liest schon Tagebücher von Metamenschen, die er nicht kennt, könnte man jetzt fragen. - Meine Antwort: Einer, den es interessiert, findet sich immer. Bei meinen Tagebüchern gäbe es wahrscheinlich Millionen Interessierte. Ich bin immerhin ein Trideostar. 

Und dann sind da noch die Geheimnisse, die ich kenne und entdecke. - Darum also auf diese Art.

Warum ich überhaupt Tagebuch führe? - Weil ich es kann. Weil ich dieses Buch habe. Für die Unsterblichkeit natürlich, und weil es hilft, das Geschehen zu verarbeiten. 

Außerdem sind meine Geschichten es wert, festgehalten zu werden! - Ich allein bin schon Grund genug, es zu lesen. 

Wem das nicht genug ist, dem sei gesagt: Es kommen neben mir noch viele unglaublich tolle Metamenschen in den Geschichten vor.

[Song 1: Megan Davies - Summertime Sadness3] Der Wind der lauen Sommernacht ließ eine Strähne meines Haares über meine Wange streichen. Ich lächelte ob der sanften Berührung. Sionn und Tiernan lächelten zurück. Die letzten Akkorde des chilligen Songs verklangen. Ich lehnte die Gitarre gegen meinen Stuhl, um die Hände frei zu haben, damit ich einen Schluck von Tiernans selbstgemachter Limonade trinken konnte. 

Einige Howling Shadows applaudierten. Andere Bewohner von Snow Haven fielen mit ein. 

In den letzten Tagen hatte Liam überall auf dem Gelände Stangen verteilt und TAGs darauf befestigt. Wenn man die TAGs einschaltete, blendete via AR ein grünes Schild mit der Aufschrift ‚Privat‘ auf. Zudem konnte man zwischen den Stangen Kordeln aufhängen und so auch ohne virtuellen Zugang die Absperrungen sehen. Waren die Absperrungen aktiv, beutete das für alle, die nicht in Snowcat Manor oder den Subleveln lebten: "Bis hierher und nicht weiter!" Das verschaffte uns Privatsphäre. Die wir einfach brauchten, so sehr ich die Bewohner von Snow Haven auch mochte. 

Sionn sah zu mir. „Kurze Pause, Prinzessin, wenn du erlaubst?“

„Natürlich, Ritter Sionn, Ihr dürft euch entfernen.“ Ich bot ihm meine Hand zum Handkuss dar. 

Sionn grinste und ging vor mir aufs Knie, zunächst blickte er frech zu mir auf. Ich dachte schon, er würde mir nun ein Kompliment machen, doch dann griff er beinah linkisch nach meiner Hand, deutete einen Handkuss an und machte, dass er von der Wiese kam.

Ich zuckte innerlich mit den Schultern.

Als unsere Zaungäste merkten, dass es mit der Musik nicht so bald weitergehen würde, verstreuten sie sich über das restliche, nicht für sie gesperrte Gelände.

Auch Tiernan entschuldigte sich. Er wollte noch ein paar neue Cocktailrezepte ausprobieren.

Fierce jagte mit ausgestreckten Armen und in Frankenstein-Manier Alba und Fang durch die Bäume hinterher. Das Sternenlicht fiel durch das Blätterdach der Bäume. Zwischendurch lachte die Orkin immer wieder. Fang und Alba lachten ebenfalls. Es war schön, sie so zu sehen. Vampir Fierce hatte ihren Humor nicht verloren. 

Im Gegenteil.

Bevor sie gestern Nacht zum ersten Mal als Vampir unter die Augen der Howling Shadows getreten war, hatte sie sich als traurige Goth-Version ihrer selbst verkleiden wollen. Da dies relativ kompliziert gewesen wäre, hatte ich ihr angeboten, eine entsprechende Körpermaske zu erstellen und diese über ihre Gestalt zu legen. Sie hatte die anderen erschrecken wollen. Was auch ausgesprochen gut funktioniert hatte. Shark Finn war sehr blass geworden. Sionn ernst, Alba hatte sich zusammengerissen und war möglichst fröhlich auf Fierce zugegangen, und Fang war geradezu schockiert gewesen. 

Lange hatte Fierce das nicht durchgehalten. Zum Glück. Sie hatte schnell zu lachen begonnen und gerufen: „War nur Spaß!“ 

Es hatte bei allen Erleichterung ausgelöst, als ich die Körpermaske fallen ließ.

Fierce hatte Fang fast erreicht, legte einen Zahn zu und rannte dann an ihm vorbei. Als sie auf seiner Höhe war, schubste sie ihn plötzlich. Der Wolfsadept kam ins Straucheln, ließ sich lieber gleich fallen, und rollte über die Wiese. 

Fierce rannte weiter auf ein paar Bäume zu. Erst, als ich genauer hinsah, erkannte ich, dass dort Mash stand. Fierce tat, als liefe sie über eine Ziellinie, hob die Arme und rief: „Gewonnen!“

Dann ging sie zu Mash und die beiden klatschten sich ab. 

Ich nahm astral wahr. 

Nicht einmal 24 Stunden, und das Band zwischen den beiden hatte sich bereits wieder verstärkt. Zartes Rosa, dunkles Rot, da ging definitiv was. Aus Zuneigung und Anziehung konnte Liebe werden.

Ich ließ meinen Blick weiter zu Fang und Alba schweifen. Sie schäkerten schon wieder. Auch viel rosa, aber zu hell, um eine Verliebtheit zu sein. Möglicherweise würde daraus doch nicht mehr werden. Ich lächelte. Immerhin hatten sie Spaß an ihren Flirts, und daran war auch überhaupt nichts auszusetzen. 

Dana unterhielt sich angeregt mit Eden. Letztendlich war die attraktive Hexe damit sehr zufrieden gewesen, dass alle fünf von uns gefangenen Männer der Wolverine-Station ‚freiwillig‘ Essenz hatten ‚spenden‘ wollen. Freiwillig - ich grinste selbstzufrieden. Meine Vorarbeit hatte zwar eine Weile gedauert, aber den Preis hatte ich nur allzu gern gezahlt. Was waren schon zwei Stunden Lebenszeit, wenn man dafür Flecken auf einer Seele verhindern konnte? Natürlich war das keine Dauerlösung für die Zukunft. Doch es war ziemlich wahrscheinlich, dass es sowieso zu keiner weiteren solcher Entscheidung von unserer Seite kommen musste. Fierce würde sich ab jetzt alleine versorgen.  

Eden lächelte immer wieder, auch Richtung Sionn. Für sie war es ebenfalls besser gewesen, dass ihre Freundin gestern Nacht niemanden hatte hinrichten müssen. 

❄️

Liam schlenderte zu mir rüber. Der Mond schien hell genug, sodass ich seine Gesichtszüge auch auf die Entfernung erkennen konnte. Restlichtaugen waren eine feine Sache. Er sah zufrieden aus. Die Party zu Ehren von Fierces Wiedererwachen hatte ihn entspannt. Er trug eine Flasche Irish Whiskey und zwei Gläser in der Hand. Er zog sich den Stuhl ran, auf dem wenige Minuten zuvor noch Sionn gesessen hatte. Dann schenkte er uns beiden ein. 

Er reichte mir mein Glas und wir prosteten uns zu. Obwohl der Alkohol in Boston knapp war, trank ich mehr denn je. Das flüssige Gold wärmte meine Kehle. 

„Und, alles gut?“, fragte er.

Ich blickte hinauf in den Sternenhimmel. „Ja. Warum sollte es nicht?“

Liam zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Darum frag ich ja.“

„Ich vermisse…“, ich machte eine kurze Pause, um abzuwägen was jetzt eine passende Auswahl war, und entschied mich für: „…meinen Schmuck ein bisschen, und vielleicht noch meine Schuhe. Aber ansonsten ist es hier schön - und wir kommen auch gut voran.“

Liam schmunzelte. „Soso, deine Schuhe?“

„Genau. Aber ich würde sie mir hier sowieso nur ruinieren. Mit der Academy hatten wir ziemlich Glück!“, sinnierte ich. „Hier lässt es sich auch länger aushalten, denn es gibt noch einiges zu tun. Erstmal möchte ich das Meeting zwischen Don O’Riley und Lucky Liam arrangieren.“

Liam verzog das Gesicht.

Ich fuhr ungeachtet dessen fort: „Ich möchte vielleicht noch nach dem entflohenen Drachen Ausschau halten, sämtliche Geheimnisse lüften, mehr über ein Heilmittel erfahren - und dann ist da auch noch Pax.“

Liam nickte. „Ja, Pax. Sie wird den Braten wahrscheinlich riechen und nicht mehr auf uns vertrauen.“

Ich nahm einen weiteren Schluck Whiskey und streckte meine wohlgeformten, langen Beine auf der Wiese aus. „Das befürchte ich auch. Aber selbst wenn nicht wird sie uns kaum weit genug trauen, um in unsere Falle zu tappen. Es sei denn wir haben ein wirklich gutes Lockmittel.“

„Cereus?“, warf Liam ein. 

„Ja, das könnte sein. Ihn zu kriegen wird aber auch nicht leicht. Und es könnte eben nur sein. Wir brauchen einen anderen Zugang zu ihr!“

„Und, hast du schon eine Idee?“, wollte Liam wissen.

„Ja. Chain von den Ancients hat erwähnt, dass dieser White Rabbit nach uns sucht.“

Liam nickte. „Ja, an den dachte ich auch schon!“

Ich lächelte Liam an. „Du bist ja auch clever. - Wir könnten uns finden lassen. Oder besser gesagt, nicht wir, sondern ein paar von denen, die mit auf dem Run für das Beaded Shamrock waren.“

Liam leerte sein Glas und schenkte dann nach. „Find ich gut. Wäre auch 'ne gute Übung für Alba.“

„Ja, und für Fierce. Sie könnte testen, wie es ist, als Vampir unter die Metamenschen zu gehen. Die jungen Leute könnten die noch aktiven Nachtclubs der Stadt in der Nähe der Rox checken. Sie würden Aufmerksamkeit erregen, und dann könnte der White Rabbit ihnen folgen.“

„Ja, klingt nach 'nem Plan. Lass uns den morgen durchziehen.“

„Und damit sie nicht allein sind, warten wir Alten in der Nähe und sehen ihnen zu“, schlug ich verschmitzt grinsend vor. 

Liam lachte kurz. „Solange du nicht mit in den Club willst, finde ich es gut!“

[Song 2: Billy Raffoul - Could You Be Mine3] Ich sah Liam einen Moment lang an und meinte dann etwas leiser: „ Sag mal, hast du mit Sionn über mich gesprochen?“

Liam zog die Augenbrauen zusammen. „Wann?“ 

„Na, so ganz am Anfang. Ein paar Stunden nach seiner Ankunft. Mir ist aufgefallen, dass er gerne flirtet. Aber mit mir flirtet er nicht, oder nicht mehr. Am ersten Tag hat er das noch getan. Dann plötzlich nicht mehr, als hätte er einen Schalter umgelegt“

„Verstehe!“, begann Liam. „Ja. Ich hab Sionn gewarnt, dass sein Verhalten Konsequenzen hat!“

Ich machte große Augen. „Konsequenzen? Was für Konsequenzen?“ 

Liam sah mich ein wenig entgeistert an, so, als müsse ich doch eigentlich wissen, was er für Konsequenzen meinte. „Na, dein Freund!“ Er zeigte mit der Hand weit über seinen Kopf. „So groß, hässliches Make-up!“ 

Ich lachte perlend. „Du meinst, er würde Sionn etwas tun, wenn er mit mir flirtet? Aber warum sollte er?“ 

„Wenn du das nicht weißt, hast du weniger Fantasie, als ich dachte.“

Ich zuckte mit den schmalen Schultern. „Vielleicht habe ich nur eine andere Meinung über ihn. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemanden verletzt, nur weil dieser mit mir flirtet.“

„Aber du warst auch auf dem Jägerball? Also auf dem, auf dem ich war?“, hakte Liam in seinem sarkastischen Unterton nach.

Ich nickte. „Ja?“ 

„Du hast gesehen, dass er mit Rubber Duck gesprochen hat?“

„Ja, das habe ich!“

Liam winkte mit der Hand, damit ich fortfuhr.

„Ich habe es gesehen, aber nichts gehört. Moxi hat später erzählt, Rubber Duck hätte Harlequin gefragt, wie man bei mir landen kann. Die Frage stellte Rubber Duck wohl wegen einer verlorenen Wette in Chicago. Harlequin hätte gesagt, wer bei mir landen wolle, der sollte fechten können.“

Liam nickte. „Stimmt. Und er hat auch gesagt, dass wenn er sich duelliert, er das auf Leben und Tod tut.“

„Oh!“, das überraschte mich jetzt wirklich. „Er hat ihm also gedroht!“ Dann schüttelte ich den Kopf. „Nein, ich denke, Harlequin wollte Rubber Duck nur erschrecken. Immerhin ist es sehr merkwürdig, jemanden zu fragen, wie man bei dessen Freundin landen kann. Ich denke weiterhin nicht, dass Harlequin jemanden töten würde, nur weil er mit mir flirtet. Schon gar nicht, wenn ich denjenigen mag!“

„Na, ich wäre mir da nicht so sicher!“, meinte Liam ernst. „Und selbst wenn er ihn nicht tötet, dann verwandelt er ihn vielleicht in einen Frosch und freut sich, wie du versuchst, ihn küssend zurückzuverwandeln.“

Ich lachte leise, dann wurde ich wieder ernst. „Du meinst, Harlequin kann jemanden gegen seinen Willen in einen Frosch verwandeln?“

„Das meine ich nicht nur, ich bin mir ziemlich sicher. Ich kenne ihn ja auch schon länger als du! Wenn auch nicht so gut.“

Ich legte den Kopf leicht schief. „Stimmt ja, da war ja was. Irgendwann solltest du mir mal von deinen Abenteuern aus deiner Vergangenheit erzählen. Ich denke, da kommen schier unglaubliche Legenden heraus. - Jemanden gegen seinen Willen verwandeln zu können, der Zauber hat einen großen Wow-Effekt. Ich sollte Harlequin fragen, ob er mir ihn beibringt.“ Beinahe hätte ich laut geseufzt. Doch ich brachte dann doch noch in einem neutralen Ton heraus: „Wenn ich ihn das nächste Mal sehe.“

„Mach das!“, meinte Liam. „Ein Frosch oder eine Kröte sind das eine. Hilfreich und erschreckend wäre es, wenn man jemanden in einen Fisch verwandeln kann. Frag Harlequin nach der unfreiwilligen Verwandlung in einem Fisch.“ 

Ich grinste. „Du kommst wirklich auf böse Ideen.“ Ich trank meinen Whiskey aus und fuhr grinsend fort: „Na, jedenfalls erklärt es, warum Sionn nicht mehr mit mir flirtet.“ 

Ich hätte gerne geflirtet, wäre gern umworben worden. Meine Libido war unterfordert. Aber gefährden wollte ich damit natürlich niemanden. Schon gar nicht Sionn. Noch weniger Liam. Natürlich schmeichelte mir der Gedanke, Harlequin könnte jedem zur Gefahr werden, der mir zu nahe kam. Ritter, die ihre Lady anbeten. Ich stand auf solche Ideen. Natürlich nur auf die romantisierte Form, in der Frauen nicht einfach nur Objekte waren, die nichts entscheiden durften.  

Liam sah mich eine Zeit lang schweigend an, dann sagte er: „Wenn die Lage schlimmer wird, dann sag ich Sionn vielleicht, dass es ein Scherz war.“

Ich winkte ab. „Ach was, was soll denn schlimmer werden, wir haben es doch gut.“ 

Ich glaubte weiterhin nicht, dass Harlequin Sionn etwas tun würde. Aber Liam wusste nun mal Dinge über Harlequin, die ich nicht wusste. Ehran hatte ebenfalls mal etwas über Harlequins Temperament angedeutet, da wollte ich besser nichts riskieren. Ich erhob mich. „Komm, lass uns Alba und Fierce fragen, was sie von dem Plan halten, bald mal in einen Club zu gehen!“

Liam stand ebenfalls auf. Er kam zu mir und nahm mich in den Arm. „Du machst das doch alles prima. Was du tust ist wichtig. - Dein Freund hat es ja nicht so mit der Zeit, da hat das alles keine Eile!“

❄️

Alba und Fierce saßen auf einer Decke und plauderten angeregt. Kurz bevor Liam und ich uns näherten, war Sionn an die beiden herangetreten. Er hatte ihnen offenbar eine Weile zugehört, denn nun meinte er: „Du hast eine verschollene Schwester?“

Alba nickte. Ich konnte die Schatten auf ihrer Seele bis zu mir spüren. „Ja. Es ist schon lange her, dass sie einfach verschwunden ist.“ Alba schluckte schwer. „Höchstwahrscheinlich ist sie tot!“

„Höchstwahrscheinlich ist nicht wissen!“, kommentierte Sionn. „Du bist doch hier aus Boston?“

Alba nickte. 

„Hat deine Familie noch irgendwo ein Haus?“, hakte Sionn nach und warf sich auf die Picknickdecke zwischen die beiden Frauen.

„Hmm, du riechst lecker nach Whiskey und Mann!“, kommentierte Fierce leise.

„Danke, ich hab schon deutliche schlechtere Komplimente gehört!“ Sionn grinste kurz und sah dann Alba fragend an.

„Ähm ja, mein Vater hat noch das Haus, und als ich das letzte Mal von ihm hörte, wohnte er auch noch da!“, erzählte Alba.

„Albas Mutter ist schon tot!“, fügte Fierce hinzu. 

Sionn ging nicht weiter darauf ein. „Wenn wir Zeit haben, sollten wir uns in dem Haus mal umsehen.“ Er sah zu mir. „Geht doch klar, Snowcat, oder?“

Ich nickte. „Wenn Alba das möchte, natürlich.“

„Klar möchte sie!“, betonte Fierce. „Sie hat ja auch schon versucht, was rauszukriegen. Ihre Schwester ist nämlich spurlos verschwunden. Aber wenn wir noch 'nen persönlichen Gegenstand von Albas Schwester entdecken, dann kannst du doch alles rauskriegen, Snowcat? Mit Magie, meine ich.“

Ich schmunzelte. „Alles nicht, aber etwas bestimmt.“

Fierce war zufrieden.

Liam und ich setzen uns zu den dreien und priesen unsere Idee an, eine Falle für den White Rabbit zu stellen.

„Ich dachte, dass ihr, Fierce und Alba, vielleicht noch zusammen mit Eden, die Lockvögel macht“, beendete ich meine Erläuterungen.

Die beiden Frauen waren sofort einverstanden.

Liam betrachtete Fierce einen Augenblick länger und meinte dann: „Vielleicht schicken wir noch Mash mit.“

Ich grinste. „Mash wird das mit Sicherheit freuen!“

❄️

[Song 3: Moby - New Dawn Fades3] „Sag mal, Alba, hast du schon darüber nachgedacht dir einen Runnernamen zuzulegen, der deine Identität schützt?“, fragte ich. 

Alba schüttelte den Kopf. „Bisher noch nicht.“

„Gerade, wenn du durch Clubs ziehst, den Lockvogel machst, dich überall vorstellst, wäre es gut, einen Namen zu nehmen, den man nicht auf deine SIN zurückführen kann. Wir alle haben einen Namen für die sogenannten Schatten“, erläuterte ich. „Hast du spontan eine Vorstellung, was da zu dir passen könnte?“

Alba überlegte nur kurz. „Ehrlich gesagt ja, ich denke da sofort an Phoenix.“

Ich lächelte erfreut. „Das klingt gut. Man könnte gleich ein gesamtes Konzept dazu entwickeln. Deine rote lange Mähne könnte dein Markenzeichen werden.“

Alba begann zu strahlen: „Das fände ich cool!“

Das folgende Gespräch vervollständigte das Konzept schneller, als ich je gedacht hätte. Alba besaß bereits Cyber- oder Bioware, da war sie sofort bereit, sich Fiberoptic Hair einsetzen zu lassen, welches sie leicht verändern und in Form bringen konnte, sollte sie mal nicht erkannt werden wollen. Außerdem war es so nicht so schlimm, wenn sie mit dem Haar mal irgendwo hängenblieb. Man konnte das Rot immer anpassen, damit es zur Stimmung oder dem geplanten Outfit passte, und eine Flammenfärbung von Orange nach Rot war bei Kunsthaar ein Leichtes. 

Tiernan kam zur Runde hinzu und gemeinsam mit Liam entwarfen sie eine figurbetonte Körperpanzerung in einem dunklen Rot, mit violetten Applikationen und hoher Feuerfestigkeit.

Auch ein Phönix-Avatar für die Matrix war schnell erstellt.

„Irgendwann hätte ich dann gerne noch ein Phönix-Tattoo!“, bemerkte Alba oder besser gesagt Phoenix. Immerhin sollten wir uns an den neuen Namen so schnell wir möglich gewöhnen. 

„Vielleicht musst du gar nicht warten.“ Liam sah fragend in meine Richtung und erklärte: „Snowcat ist eine begabte Künstlerin, und wenn mich nicht alles täuscht, kann sie auch mit einer Nadel zeichnen!“

Liams Vorschlag überraschte mich ein wenig. Er war immer für ausreichend Style zu haben, selbst, wenn er jemanden nicht sonderlich mochte. Es reichte meist, wenn es um SatHS ging. Aber dass er von sich aus auf meine künstlerischen Fähigkeiten verwies, bedeutete, dass er jemanden gern hatte. Irgendein Umstand hatte dafür gesorgt, dass dies nun so war: Liam mochte Phoenix. Ich warf einen schnellen Blick zu Fierce. Vermutlich hatte Phoenix' Umgang mit Fierce dafür gesorgt. „Ja, das kann ich tatsächlich“, beantwortete ich die Frage von Liam. „Allerdings beherrsche ich nur den Umgang mit modernem Equipment. Wir können also nicht einfach irgendwelche Nadeln gießen und die Farbe in japanischer Tradition einhämmern.“

 „Ist doch kein Problem!“, stellte Sionn fest. „Irgendeinen Tattoo-Laden, wo keiner mehr ist, wird es schon geben, da holen wir einfach alles, was du brauchst!“

„Find ich gut. Möchtest du auch eine Stelle in der Panzerung haben, die man durchsichtig stellen kann?“, wollte Liam wissen.

Die junge Frau nickte. „Gerne!“

„Und wo?“

„Natürlich am Rücken, dort, wo die Tätowierung dann sein soll!“, freute Phoenix sich.

❄️❄️

Fang, Sionn, Mash, Fierce und Phoenix waren noch in der selben Nacht losgezogen, um das Tattoo-Equipment zu beschaffen. Und nicht nur das. Liam hatte sie gleich noch in einen Beautysalon geschickt, wo sie das Haar und alles, was man zum Einbau benötigte, organisiert hatten. Clever wie sie waren hatten sie auch sonst noch Kisten voller Beautyprodukte mitgebracht. Was wir in Snowcat Manor nicht brauchten, ging dann an die Bewohner von Snow Haven weiter. Die Organisatoren der Market Hall freuten sich jedenfalls riesig.

❄️

Am Nachmittag des nächsten Tages, dem 5. August 2076, unseres 57. Tags im Boston Lockdown, saß ich auf dem Dach von Snowcat Manor auf einer Decke neben dem Kirschblütenthron und zeichnete. Skizzen und Bleistifte umgaben mich. Ich hatte kleine Steine auf die Skizzenblätter gelegt, damit der Sommerwind sie nicht verwehen konnte.

„Macht’s Spaß?“, fragte Liam plötzlich hinter mir.

Ich hatte ihn gar nicht kommen hören, mich aber auch nicht erschrocken, weil ich meinen Instinkten vertraute.

Ich steckte den Bleistift in meiner Hand hinter mein spitzes Ohr, nahm den Bleistift aus meinem Mund in meine Hand und erwiderte lächelnd: „Ja.“

Liam lächelte ebenfalls. „So siehst du auch aus.“

Ich fasste an meine Wangen, die mir warm vorkamen. „Tatsächlich? Bin ich lila im Gesicht?“ Meine Haut ist so perlweiß, dass sich meine Wangen mehr lila denn rosa färben. Ich erröte also nicht, sondern erlilane genau genommen. 

Liam lachte leise. „Ja ein bisschen.“

Ich räumte ein paar Skizzen beiseite und klopfte mit der flachen Hand auf die freie Stelle. „Komm, setz dich zu mir.“

Er nahm im Schneidersitz Platz. 

„Ich arbeite gleichzeitig an zwei Dingen. Da ist zum einen das versprochene Kunstwerk für den Squire. Nachdem die Idee zur Brunnenfigur steht, muss ich mir über die Details klar werden. Zum anderen sind da Vorschläge für das Phönix-Tattoo für Phoenix.“

Ich suchte nach einer bestimmten Skizze und zeigte sie ihm. „Das ist mein Favorit!“

„Sieht klasse aus!“, befand Liam nach einem Moment. Dann ließ er seinen Blick über die Entwürfe schweifen und meinte: „Die sind alle klasse! Phoenix wird die Entscheidung schwer fallen.“

Ich legte den Kopf ein wenig schief. „Ich denke nicht. Sie wird spontan das wählen, was am besten zu ihr passt. Je nachdem, wo es am Ende genau hin soll, passe ich es an ihren Körper an. Wie gut, dass da ein entsprechendes Zeichenprogramm auf dem Commlink hilft. Sonst ist die Anpassung an die Körperstelle nämlich gar nicht so einfach. Und ich habe noch nicht sonderlich oft tätowiert. Genau genommen habe ich noch nie etwas auf einen lebenden Körper tätowiert.“ Ich legte meinen Zeigefinger auf meine Lippen. „Aber psst, das verraten wir Phoenix besser vorher nicht!“

„Okay, wie du möchtest, Prinzessin. Doch es wird toll werden. Du hast viele Sachen drauf, aber was das Malen und Zeichnen angeht, da ist das mehr. Das ist echtes Talent! Das hast du mit Tiernan gemeinsam. Ihr seid beide von der Muse geküsst.“

Ich merkte, wie mir mehr Farbe ins Gesicht stieg. „Dankeschön!“, hauchte ich. Denn wenn er mich mit Tiernan verglich, dann stimmte es. Denn Tiernan war talentiert!

„Hat Lofwyr eigentlich irgendwie auf die beiden Bilder reagiert, die du ihm geschickt hast?“, fragte Liam.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, bisher noch nicht.“

„Na, jedenfalls nicht, dass wir es bemerkt haben“, überlegte Liam.

Ich winkte ab. „Ich mache mir da keine Sorgen. Es ist ja auch erst ein paar Monate her, dass ich ihm die Bilder geschickt habe. Nur ein paar Tage nach dem Jägerball. Sie haben ihn zumindest weder so geärgert noch so erfreut, dass er eine sofortige Reaktion für nötig hielt. Außerdem waren sie ja selbst eine Antwort auf die Taschentücher auf dem Ball.“

Liam verzog das Gesicht. „Ich wiederhole, es gab keine Reaktion, die wir bemerkt haben.“

Ich zuckte mit den Schultern. „Ich gebe zwar zu, dass ich mich mit den Motiven der beiden Ölgemälde ein wenig aus dem Fenster gelehnt habe. Aber am Ende zeugen sie doch beide von seiner Macht. Lofwyr sollte also nichts daran auszusetzen haben!“

Eines der beiden riesigen Bilder hatte ich kurz nach meiner ersten Wandlung in einen Drake auf die Leinwand gebracht. Es zeigte den Großen Drachen Lofwyr als Puppenspieler. Auf der Bühne des Weltmarkts ließ er diverse Marionetten tanzen. Das Gemälde war voller Details. Andere Puppen hingen in einer Kiste und warteten. Wieder andere lagen acht- und leblos beiseite gelegt im Schatten der Bühne. Wobei man nicht viel Fantasie brauchte, um die Marionetten realen Persönlichkeiten der Sechsten Welt zuzuordnen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber jegliche Ähnlichkeiten waren voll beabsichtigt gewesen. 

Das zweite Bild zeigte Lofwyr im Luftkampf mit seinem Bruder Alamais, aus dem Lofwyr als Sieger hervorgegangen war. Das Bild hatte ich aus dem entnommen, was ich in den Erinnerungen meines toten Freundes Blackstone gefunden hatte. Bilder, die so einen tiefen Abdruck auf dessen Seele hinterlassen hatten, dass ich sie noch nach seinem Tod via Psychometrie hatte finden können. 

Ich hatte lange überlegt, welches Bild ich dem Großen Drachen aus den AGS hatte schicken sollen, und mich dann dafür entschieden, ihm beide zu überlassen. 

Ich hatte der Lieferung eine handgeschriebene Nachricht beigelegt: ‚Vielen Dank für Euer wundervolles Geschenk. Anbei ein Zeichen meiner Wertschätzung. Ich hoffe, ich habe Euch einigermaßen getroffen. Hochachtungsvoll, Snowcat!‘ Anmerkungen wie dass ich ihm ja noch nie persönlich begegnet war hatte ich mir verkniffen. Wer konnte bei einem wie ihm überhaupt sagen, ob das stimmte.

„Ich mache mir auch keine Sorgen, dass er an den Bildern was auszusetzen hat!“, meinte Liam nun. „Ich mache mir Sorgen, dass sie ihm so gut gefallen, dass er dich zu seiner Hofmalerin macht.“

Ich winkte wieder ab. „Lofwyr hat es nicht so sehr mit Kunst, glaube ich.“

Liam verdrehte die Augen. „Wenn dieses Talent das einzige wäre, das dich zu etwas Besonderem macht, würde seine Vorliebe für Kunst vielleicht eine Rolle spielen!“ Liam seufzte. „Vielleicht weiß er ja, wer dein Lover oder dein Mentor ist, und das schreckt ihn ab.“

Ich hob eine meiner wohlgeschwungenen Augenbrauen. „Gerade wollte ich fragen, woher sollte er wissen, wer mein Lover ist, aber er wusste ja auch, dass ich Taschentücher nutze, bevor die erste Folge der zweiten Staffel gelaufen war. - Dass Ehran über einen gewissen Einfluss verfügt, ist mir klar, aber wie sollte Harlequin einen Großen Drachen von irgendetwas abhalten?“

„Er kann Metamenschen gegen ihren Willen in Frösche verwandeln.“

Ich lachte kurz. „Ach, das nun wieder. Aber er wird wohl keine Drachen in Frösche verwandeln können.“

Liam verdrehte erneut die Augen. „Nein, das nicht. Aber Drachen kommen doch nicht selbst. Sie schicken ihre Leute.“

Ich lachte kurz. „Ach, mit den Leuten, die er schickt, werden wir selber fertig!“

Liam nickte. „Stimmt schon, doch es wäre anstrengend, und deinem Freund fällt es leichter.“

Konnte es sein, dass Liam meinen Liebsten sogar fürchtete? Wenn dem so war, schätzte ich Harlequins Macht wohl zu gering ein. Ja, er kannte magische Geheimnisse, die sonst wohl nur Männer wie mein Mentor kannten. Harlequin schien auch ein beachtliches Vermögen zu haben, oder auch nicht. Nicht einmal das wusste ich von ihm. Ich vermutete, dass Harlequin ein Spikebaby war. Ein früh zurückliegendes Spikebaby, in der Nähe irgendeines Hotspot zur Welt gekommen. Ich nahm an, dass er bereits vor 250 oder gar 300 Jahren geboren worden war, so wie Ehran auch.

Liam machte eine kurze Pause und sagte dann: „Ich hoffe einfach immer du bist einem wie Lofwyr aktuell nicht wichtig genug, sich die Zeit für die damit einhergehenden Schwierigkeiten zu nehmen. Dann wartet er einfach und dann sind ihm wieder andere Dinge wichtiger und dann wieder.“ Für einen Moment huschte ein sehr dunkler Schatten über Liams Gesicht und er wurde blass. Vielleicht spielte er mit dem Gedanken, Lofwyr könne doch selbst kommen. Liam stand auf - und da war der Moment schon wieder verflogen. „Na, jetzt sind wir erstmal hier. Da erreichen uns weder Nachrichten noch Boten.“ 

Ich legte den Kopf leicht schief und kniff die Augen zusammen. Freute sich Liam etwa, dass wir hier eingeschlossen waren und uns niemand erreichen konnte?

Er streckte die Hand aus, um mir aufzuhelfen. 

Ich griff zu.

„Jedenfalls bin ich gekommen, um dir zu sagen, dass Phoenix jetzt ihre neuen Haare hat, alles angewachsen ist, und sie für die erste Tattoo-Session bereit wäre.“

Ich lächelte. „Na dann los.“

❄️❄️

Dank Heilmagie von Mash konnten wir am Nachmittag tätowieren, abends eine Party zur Namensgebung von Phoenix feiern, vormittags noch mal tätowieren, und Phoenix konnte sich dennoch am Abend in ein stylisches Outfit werfen, um den Lockvogel zu geben.

Wir wollten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Team sollte sich zeigen, um den White Rabbit anzulocken, und die Ausflüge gleichzeitig dazu nutzen, nach jungen Talenten oder halbwegs erfahrenen Shadowrunnern Ausschau zu halten, die bereit waren, sich uns anzuschließen und dabei zu helfen, Snow Haven zu verteidigen.

Phoenix war inzwischen innerhalb von Snowcat Manor umgezogen. In die Wohnung, die vor Entdeckung der Sublevel Mash bewohnt hatte. So wohnte Phonix jetzt neben Fang, der übrigens nur allzu gern mit auf den Lockvogel-Ausflug gegangen wäre, zu seinem Leidwesen jedoch nur mit uns zur Überwachung durfte. 

Für den ersten Clubbesuch hier in Boston hatten wir uns für das ‚Black Death‘ entschieden. Einen Laden in South Boston, in dem überwiegend Trash Metal gespielt wurde und der beim Urban Brawl Team von Boston, den Boston Massacre, beliebt sein sollte. Oder zumindest vor dem Lockdown gewesen sein sollte. Laut Gerüchten sollte der Club noch offen haben. Ich war gespannt, wie sich das gestaltete.

Die Gegend in South Boston gehörte zu einem Gebiet, in dem die Anti-Elfen-Gang Bane Shidhe ihre Kreise zog. Die Gang besaß mindestens gute Kontakte zu den Knights of the Red Branch oder arbeitete sogar für sie. Ein Grund mehr, Sionn bei uns auf dem Dach und nicht mit in den Club gehen zu lassen. 

❄️

Eden und Phoenix kamen gemeinsam die Treppe in die Lobby von Snowcat Manor hinunter.

Wow! - Was für ein Anblick. 

Beide Frauen trugen gepanzerte, schwarze Hotpants, dazu ein Top und Highheels. Die Absätze von Phoenix waren noch ein Stück höher als die von Edens Schuhen. Doch auch diese Höhe reichte, um zu betonen, wie Recht Dana mit ihrer Aussage neulich gehabt hatte. Edens Beine waren der Hammer. Sie lenkten für einen Moment sogar von den wunderschönen, grauen Augen der Frau ab, die durch den modischen Kurzhaarschnitt und die perfekt dosierten ‚Smokey-Eyes‘ in Szene gesetzt wurden. 

Eden trug zum Outfit eine ebenfalls schwarze Panzerweste. 

[Song 4: Fall Out Boy - The Phoenix3] Phoenix hingehen hatte sich für einen Panzermantel entschieden, dem Tiernan noch schnell die Ärmel abgezaubert hatte. Sie trug zum ersten Mal seit unserer gemeinsamen Zeit Make-up, ihre Highheels waren vorne dunkelrot und liefen zu den Fersen hin orange aus. Auch ihr Haar war am Ansatz dunkelrot und wurde zu den Spitzen hin orangerot. Wenn Phoenix sich bewegte, wallte es, einem lebendigen Feuer gleich. Wo Eden ein schwarzes Tanktop mit Spaghettiträgern anhatte, trug Phoenix ein schwarzes Shirt, welches die Schultern bedeckte, dafür aber einen tiefen Rückenausschnitt besaß und so den Blick auf das Tattoo zuließ, wenn ihre wallende Haarpracht den Blick darauf freigab. Was Phoenix mit ihrem Commlink sogar steuern konnte. 

Allein dieser Anblick machte klar, wie sehr Phoenix mit der Wahl ihres Namens ihr Wesen auf den Punkt gebracht hatte. Sie strahlte selbstbewusst und neu erstarkt. Mit einer unglaublich weiblichen Ausstrahlung zwinkerte sie Fang zu und drehte sich schwungvoll auf dem Treppenabsatz.

Fang blieb der Mund für einen Moment offen stehen. 

Sionn pfiff anerkennend. Anerkennend und beeindruckt. Seitdem Sionn der jungen Frau das wertvolle Cyberdeck besorgt hatte, war sie ihm - natürlich noch als Alba - immer wieder zum Dank um den Hals gefallen. Die beiden verbrachten öfter Zeit miteinander, da Sionn Phonix den einen oder anderen Matrix-Kniff zeigte und sie zudem von ihm Tricks und Kniffe zum Thema Taschendiebstahl lernen wollte. Sionn hatte immer mal wieder kleine Flirts angesetzt. Mehr verspielt, um Alba eine Freude zu machen und vielleicht auch, um Fang zu ärgern. Jetzt, mit der geballten Ausstrahlung von Phoenix, schien die hübsche, junge Menschin sein echtes Interesse erweckt zu haben.

„Du bleibst trotzdem bei uns!“, sagte Liam an. 

Sionn grinste anzüglich. „Ja, na klar. Wegen Mindnet sehe ich ja dann alles aus den Augen von Mash!“, freute er sich. 

„Was ist mit mir?“, fragte die dunkle Stimme von Mash, da dieser gerade gemeinsam mit Fierce durch die Tür zum Geheimgang getreten war. Der blasse, hochgewachsene menschliche Mann trug einen grau-silbernen Gehrock nebst passender Anzughose. Unter dem Gehrock hatte er ein weißes Hemd gezogen. Mehrere Knöpfe waren nicht geschlossen und gaben so den Blick auf den drahtigen, wohlgeformten Oberkörper des Mannes frei. Schwarze, blank geputzte Halbstiefel und ein schwarzer Gehstock rundeten das Bild ab. Dazu die animalische Ausstrahlung eines gesättigten Vampirs. 

Mein Unterleib begann zu kribbeln. Da, knapp unter dem Herzen, bis über die nächsten zwei Rippen hinweg lag bei Harlequin eine seine zahlreichen, verblassten Narben.

„Hast du Haare auf der Brust?“, fragte Liam.

„Nein!“, erwiderte Mash.

„Dann ist das Hemd zu weit offen!“, kommentierte Liam. 

„Mash hat genau die richtige Ansammlung von Haaren auf…“, ich ließ das mal so offen stehen und endete mit einem: „…aber lassen wir das!“

Fierce sah ebenfalls umwerfend aus. Die über 1.90 m große Orkfrau trug ihren blutroten Brustharnisch als eine Art Korsage, ein passend rotes Rüschen-Top lugte hier und da hervor. Dazu hatte sie eine perfekt sitzende, enge schwarze Hose und kniehohe, dunkelrote Reiterstiefel angezogen. Ihr hellrotes, stark gelocktes Haar trug sie offen. Es glänzte seidig und verführerisch. Auch sie hatte im Gegensatz zu sonst Make-up aufgelegt, was ihrem fröhlichem Gesicht einen leicht verwegenen Ausdruck verlieh. „Kann ich meinen Schild mit auf die Tour nehmen?“, wollte Fierce wissen. 

Liam warf einen vorwurfsvollen Blick zu Mash. „Dass die Intelligenz beeinträchtigt wird, hast du nicht gesagt!“ 

Fierce lachte guttural. „Du hast mich doch schon vorher nicht für die hellste Leuchte im Clan gehalten, Oheim! Dafür wachsen mir jetzt aber keine Haare mehr auf der Brust. Und DAS nenne ich Plus durch Minus machen.“

Sionn lachte lauthals, - was hatte der Mann für ein ansteckendes Lachen! - doch auch wir anderen mussten zumindest schmunzeln.

„Was denn? Das ist doch ein Plus?“, wunderte sich Fierce. 

Ich lächelte, legte Fierce meine Hand auf den Arm und meinte: „Ist es auch. Wir freuen uns einfach, dass du es so siehst.“

❄️❄️

Da saß ich also einige Zeit später auf dem Dach eines Hause, irgendwo in South Boston, und sah anderen dabei zu, wie sie aufgehübscht in einen Nachtclub gingen. 

Zu welchen Zeitpunk meiner Geschichte war ich eigentlich vom stärksten Akteur zu einem Überwacher geworden?

Ich brauchte den Bruchteil einer Sekunde, bis mir klar wurde, dass mir niemand auf diese gedanklich gestellte Frage antworten würde. Ob sich wohl jemand finden ließ, der in meinem Kopf einzog, um mir anstelle von Katze zu antworten? - Doch, ganz sicher. Ich habe doch so einen hübschen, gut gefüllten Kopf. Anderseits bin ich sehr eigen, was die Bewohner in meinem Kopf angeht, da war es vielleicht besser, ich antwortete mir selbst. 

Wie war die Frage doch gleich? Ach ja - an der Stelle, an der ich beschlossen hatte, zu einem Trideo-Star zu werden. Oder als ich auf die Idee gekommen war, nicht alles selber machen zu wollen. Oder als ich befunden hatte, dass nicht jeder Dahergelaufene in den Genuss meiner Gegenwart kommen dürfe. Oder, oder, oder!

Außerdem war ich gar kein Beobachter, da ich via Mindnet auf das Geschehen Einfluss nehmen konnte. Alleine war ich auch nicht, denn Shark Finn, Sionn, Fang und Liam waren bei mir. 

Natürlich nicht, weil ich nicht alleine auf mich aufpassen konnte, sondern um mich zu unterhalten. Los! Unterhaltet mich! 

Ich lachte perlend. - Lautlos und nur für mich. 

Das Team da unten würde diese Aufgabe schon ganz hervorragend übernehmen. 

❄️

Mash hakte Fierce und Phoenix unter, nickte dann Eden zu und meinte: „Ich wollte dich nicht beleidigen.“

Eden zwinkerte ihm mit langsamen Augenaufschlag zu. „Keine Sorge!“, und reihte sich dann neben der Orkin ein.

Auf den ersten Blick sah es so aus, als würde Mash einfach nur zwei schöne, rothaarige Ladies gleichberechtigt an seiner Seite haben. Doch da waren Kleinigkeiten in Mimik und Körpersprache, die davon zeugten, dass Mash sich zu Fierce hingezogen fühlte. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, die Gruppen direkt von oben astral anzusehen. Der rosa Verbindungsfaden verknotete sich bereits. 

‹Phoenix, du machst bitte immer den Anfang bei den Gesprächen. Du bist aus Boston, was man auch hört. Diesen Vorteil sollten wir voll ausspielen!›9, sagte ich an.

❄️

Tatsächlich fand dort unten so etwas wie ein normales Nachtleben statt. In den Blöcken liefen Gangs Patrouille. Sie hatten Stangen oder improvisierte Netze dabei, um sich Shambler vom Hals halten zu können. Vielleicht nicht das Bild, das man üblicherweise in South Boston erwartet hätte, aber dennoch überraschend normal. 

Jedenfalls optisch. 

Hörte man hin, wurde schnell klar, dass hier nichts normal war. 

Es war unglaublich leise. Die Metamenschen flüsterten. Geräusche wurden vermieden. Autos und Motorräder, wenn vorhanden, verzichteten darauf, Musik anzumachen, die andere hören konnten. Niemand hupte oder machte anderweitig Lärm. 

Diese Ruhe beschränkte sich nicht nur auf die reale Ebene. Sie ging ins Virtuelle über. Werbung fehlte sowieso. Doch selbst, wenn ein Netz vorhanden war, blieb so einiges still. Keine Kontaktanfragen, kein Angebot, die Musik zu teilen, keine dutzenden Netzwerke, an denen man teilhaben konnte, keine MeFeeds, die aufgezeichnet, ausgestrahlt oder angesehen wurden. 

Die Metamenschen hatten sich angepasst und auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. 

Genau wie Phoenix. 

Sie trug ihr neues Outfit nebst Selbstbewusstsein wie eine Prinzessin. Innerhalb weniger Tage war aus der aufgeregten, quirligen Reporterin, die sich freute, die Stars aus dem Trid zu finden und die glaubte, bald würde alles besser werden, eine schöne Frau geworden, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen angekommen war. Dabei war sie aber immer noch sie selbst. 

Wenn Phoenix, ob nun im Training oder in Einsatz, zum Beispiel schoss und traf, dann reckte sie die geballte Faust in die Luft und feierte ihren Erfolg mit einem leisen „Ja!“.

Sionn fand diese Mischung aus ‚Girl-next-door-Charme‘ und Powerfrau anziehend, und er würde damit nicht der einzige sein.

‹Denkt bitte daran, uns immer wieder Bilder zu schicken und Details anzusehen!›, forderte ich die Gruppe auf.

‹Ja, Mash›, meinte Sionn nun. ‹Guck dir ein paar Dinge mal genau an. Zum Beispiel die drei wunderschönen Frauen in deiner Begleitung. Du bist doch so schön groß!“

Mash war natürlich viel zu sehr Gentleman, um den Damen ins Dekolleté zu blicken.

Vier Mitglieder einer unbedeutenden lokalen Gang, drei Menschen und ein Ork, standen vor einer Barrikade Wache. Zu den üblichen Kleinwaffen hatten sie ein Signalhorn und eine Signalpistole dabei. Auf einem Tisch hinter der Barrikade wurde Bezahlung in Form von Naturalien gesammelt. Aber man konnte auch noch NuYen nutzen.

Stacheldraht, Autos, Mülltonnen und anderes bewegliches Material versperrten die Straßen. Autos mussten warten, bis ihnen geöffnet wurde. So wurde der Block shambler-frei gehalten.

Unsere drei Frauen machten einen auf Partygirls. Sie kicherten leise und wirkten angetrunken. Mash wurde für seine Begleitungen bewundert. 

„Alter, willst du nicht eine abgeben?“ 

„Af, sehen die lan aus!“

„Ey Süße, an meinem Arm ist auch noch Platz!“ 

So ging es die ganze Zeit.

Phoenix fragte sich mit ihrem authentischen Dialekt perfekt durch, und die Aufsehen erregende Gruppe kam ungehindert am Black Death an. 

In der Nähe des Clubs parkten drei schwergepanzerte Fahrzeuge, grün, orange und weiß lackiert, was sie als Autos der Bane Shidhe identifizierte. Zudem gab es noch drei schwere Motorräder, die definitiv zu den Hellridern gehörten.

Auch schon vor dem Club standen viele Orks und Trolle, die die Neuankömmlinge aufmerksam betrachteten.

Eden schickte uns via Mindnet, was sie zwei von ihnen hatte flüstern hören, als sie sich ihren Weg durch Versammlung gebahnt hatten. ‚Ey, Kocum, glotz der doch nicht so auf den Arsch!‘ - ‚Was? Wieso nich? Ich glaub’, das ist Fierce?‘ - ‚Sheeeesh? Nee, so läuft die nich‘ rum!‘ 

Zwei Trolle, völlig in schwarz gekleidet, die Köpfe glatt rasiert und die Gesichter skelettartig geschminkt, standen als Rausschmeißer vor dem Eingang in den Club.

Selbstbewusst löste sich Phoenix von Mash und trat auf die beiden zu.

Doch sie musste gar nichts sagen. Die Trolle waren ganz aufgeregt und hatten nur Augen für Fierce: „Ey, du bist Fierce, stimmt’s?“

Fierce grinste. „Ja, unter dem Namen bin ich bekannt und werde darunter gefürchtet.“

Die Aussage mit der Furcht verunsicherte die beiden Trolle für einen Moment.

Lachend fügte Fierce hinzu: „Gefürchtet von meinen Feinden.“

„Ach so, ja!“, freuten sich die Trolle dann. „Dürfen wir 'nen Selfie mit dir machen?“, fragten die beiden riesigen Kerle sogar ein wenig schüchtern.

Als Ex-Combat-Biker und professioneller Sportler hatte die Orkin damit überhaupt kein Problem. Sie ließ sich von den beiden sogar auf den Arm nehmen, beziehungsweise auf deren Schultern setzen. 

Ich vermutete, dass Mash die Sache mit einer gewissen Anspannung beobachten würde. Das schien mir der perfekte Zeitpunkt, um ihn zu bitten, astral wahrzunehmen. 

Unser Vampir-Arzt bestätigte, doch er berichtete nichts. 

Ich wartete gut eine halbe Minute und fragte dann in schmeichelndem Ton: ‹Mash, lässt du uns bitte an deiner Wahrnehmung teilhaben?›

‹Oh ja, natürlich. Nick und Nack, so haben sich die beiden Trolle gerade vorgestellt, sind ein bisschen verdrahtet. Außerdem ist eine Abhängigkeit von einer Kampfdroge zu erkennen. Dem restlichen Gesundheitsbild nach würde ich sagen, dass es sich bei der Droge um Nitro handelt.›

Na also, es ging doch. Auch wenn ich hatte nachfragen müssen.

❄️

Schließlich traten unsere vier Protagonisten durch die Tür in den Club. 

Eden, die uns akkurat und immer wieder einen stetigen Stream ihrer Wahrnehmungen sandte, erklärte überrascht: ‹Hier läuft überhaupt keine Musik. Man bekommt hier Kopfhörer.›

Ah, so vermieden sie also, mit lautem Trog-Rock Shambler anzulocken.

Wer den Eintritt bezahlt hatte, konnte sich mit seinem Commlink im Club anmelden und sich einen Kopfhörer mit Mikro aushändigen lassen. Jeder - selbst die Bedienung oder der Barkeeper - hatte einen Kopfhörer aufgesetzt. 

Natürlich zogen unsere Howling Shadows mit.

[Song 5: Korn - Got the life3] Eine clevere Programmierung sorgte dafür, dass die Musik je nach Standort lauter oder leiser wurde und man sich mit den Metamenschen in seiner Nähe unterhalten konnte, ohne allzu viel Lärm zu machen. Per Matrixanimation schwebten gequälte Seelen durch den Club.

Die Metamenschen - es waren viele Orks und überdurchschnittlich viele Trolle anwesend, Menschen, Zwerge und nur eine Handvoll Elfen - tanzten und bewegten sich ausgelassen. Auf einem Teil der Fläche wurde sogar gepogt. Ein abgegrenzter Bereich stand für Slamdance bereit. 

Mash trat an die Bar, um Drinks für alle zu holen. Fierce verschwand auf die Tanzfläche. Sie schien schon vergessen zu haben, dass sie einen Auftrag hatten. Andererseits war die attraktive Orkin so auch gut zu sehen.

‹Seht euch bitte der Reihe nach um!›, sagte ich an, denn ich wollte mir ein Bild von der Situation im Club machen. ‹Eden, du fängst bitte an!›

Eine Panzerglasscheibe gab den Blick auf die Brawlzone der Trainingsarena der Boston Massacre frei. Natürlich wurde heute Nacht kein Urban Brawl trainiert. Nichttraining war inzwischen Alltag geworden. Dennoch liefen Werbetrailer für das Bostoner Team über einen Trideoschirm. Es gab diverse Plakate, auf denen Spieler der Mannschaft zu sehen waren, die sie hier im Club zeigten. Selbstverständlich mit Autogramm.

Eden und Phoenix tanzten nun auch. Sie hielten sich in der Nähe von Fierce auf, betraten aber nicht den Pogo-Bereich. Als Fierce ihre Freundinnen bemerkte, tanzte sie zu ihnen rüber. Wenn die drei attraktiven Frauen keine Aufmerksamkeit erregten, dann wusste ich auch nicht.

Mash hielt seinerseits lieber den Tisch frei und die Getränke sauber. Er gab den stillen Beobachter.

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Unten auf der Straße fuhr ein weiterer Wagen der Bane Shidhe entlang. Mein Unterbewusstsein sorgte dafür, dass sich mir die Nackenhaare aufstellten. Nicht, dass so ein paar Elfenhasser heutzutage noch ein Problem für mich darstellen würden. Schon gar nicht, wenn ich nicht allein war. Doch was sich einmal als Gefahr eingeprägt hatte, vergaß man nicht so leicht. Ich stand auf und sah ihnen nach. „Vielleicht machen wir ihnen beim Abmarsch noch die Autos kaputt?“, überlegte ich halblaut und sprach so halb zu den anderen, halb zu mir selbst. 

Liam grinste böse. „Einverstanden, dann aber auch paar Ancient-Bikes!“ 

Ich wandte mich ihm zu. „Nö!“

Liam lachte kurz. „Das wäre aber nur gerecht! Bisher gibt es keinen Grund, die Wagen der Bane Shidhe kaputt zu machen. Sie haben dir nichts getan.“ 

Ich seufzte verspielt. „Naaa gut. Dann schicke ich irgendwann mal Sinister und Sionn los, warte, bis sie sie provozieren, und dann mach ich ihnen die Autos kaputt. Zumindest eines!“ 

„Sag ich ja, dann auch Bikes der Ancients. Tiernan und Sionn lernen dann nämlich, wenn uns jemand provoziert, dann dürfen wir ihnen ihre Sachen kaputt machen. Und rate mal, wie lange sie dann brauchen, um einen Ancient provozieren zu können?“

„Hey!“, mischte sich Sionn ein. „Mir würde nie einfallen, die Ancients zu provozieren. Aber was kann ich dafür, wenn die so eine kurze Zündschnur haben und immer gleich austicken, wenn ihnen jemand die Meinung sagt?“

Liam warf mir einen ‚Da-siehst-du-was-ich-meine‘-Blick zu.

Ich war geneigt, ihm die Zunge rauszustrecken, aber das wäre nun wirklich zu kindisch gewesen.

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Im Black Death bemerkte Fierce einen kleinen Metamenschen, einen Jungen oder Mädchen, ein ganzes Stück unter einem Meter groß, in ein schwarzes Kindertrikot der Boston Massacre gekleidet, der an ihr vorbeitanzte. ‹Die lassen hier sogar Kinder rein?›, bemerkte sie beiläufig und ein wenig überrascht. 

Dann klickerte es bei ihr und ihr wurde klar, dass das merkwürdig war. Sie griff an ihre Handgelenk-Tasche und tatsächlich, das kleine Wesen, bei dem es sich meiner Meinung nach um einen Gnom handeln musste, hatte ihr Commlink gestohlen.

“Hey, du kleiner Pisser!“, rief Fierce und zögerte nicht lange. Sie setzte sich in Bewegung, sprang, und tackelte das Wesen um. 

Der am Boden liegende Metamensch versuchte, sich loszureißen und aufzustehen, doch Phoenix war bereits an der Stelle angekommen und versperrte ihm den Weg. Eden würde ebenfalls innerhalb von Sekunden eintreffen. 

Der kleine Kerl schrie aus vollem Hals: „Kinderschänder, Kinderschänder!“ Seine Stimme klang durchaus jungenhaft, soweit sein kleiner Brustkorb männliche Töne produzieren konnte.

Jedenfalls schrie er so laut, dass die ersten ihre Kopfhörer abnahmen, um sich umzusehen.

„Keine Sorge! Wir sind von SatHS, wir drehen hier nur!“, rief Fierce schlagfertig und stellte sich in Pose, nachdem klar war, dass Eden den Dieb für sie festhalten würde. 

Spätestens, als die schöne Phoenix das mit dem Drehen bestätigte, wurde die Masse wieder ruhig. Einige holten ihre Commlinks vor und begannen, das Geschehen aufzunehmen. 

Zumindest hatten wir für jede Menge Aufmerksamkeit gesorgt. Dass wir hier gewesen waren, würde sich rumsprechen.

„Gib mir mein Commlink wieder!“, forderte Fierce mit bedrohlicher Stimme.

Der Gnom versuchte erst noch, etwas zu retten, indem er protestierte, sich dumm stellte oder versuchte, Mitleid zu erlangen. Er tat alles mit einer gewissen Halbherzigkeit, da er körperlich unterlegen war und von der Umgebung nun keine Hilfe mehr erwarten konnte.

„Rück’s jetzt raus, oder ich schüttele dich, bis es rausfällt“, verlangte Fierce.

„Is’ ja gut, is’ ja gut!“, quäkte der Gnom. „Lass mich los und ich geb’s dir!“

Eden zog die Augen zusammen und zischte: „Wenn sie dich loslässt und du abhaust, ohne ihr Commlink abzugeben, erschieße ich dich!“

Das wirkte. Der Gnom warf Fierce ihr Commlink zu, nahm dann Anlauf, sprang regelrecht über einige Tanzende hinweg und suchte sein Heil in der Flucht.

Fierce übergab ihr Commlink an Phoenix und meinte: „Kannst du mal checken, ob damit alles in Ordnung ist?“, bat sie. 

„Na klar!“, erwiderte Phoenix fröhlich.

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Mash hatte uns die gesamte Zeit über mit einer anderen Perspektive von seinem Tisch aus versorgt und zudem eine Gruppe von Metamenschen markiert. Nach einem weiteren Tanz setzten sich die drei schönen Frauen zu unserem gutaussehenden Arzt an den Tisch. Die Aufregung hatte sich ein wenig gelegt, das schien der perfekte Moment, sich nach denen umzusehen, die Mash markiert hatte. Schließlich suchten wir ja noch nach Talenten, die uns helfen konnten, Snow Haven zu verteidigen und zu versorgen.

Unsere gemeinsame Wahrnehmung befand die ungewöhnliche Gruppe für würdig, sie genauer in Augenschein zu nehmen. Sie hielt sich in einer Ecke des Clubs auf. Fünf Metamenschen an einem Tisch. Ein Mensch, ein Zwerg, ein Ork, ein Elf und ein Troll, alles junge Männer. So war jede Hauptrasse einmal vertreten. Dass der hochgewachsene Mann ein Elf war, erkannte man erst auf den zweiten Blick, denn er gab sich Mühe, die Spitzen seiner Ohren zu verbergen. Die Männer hatten die Szene mit dem Gnom interessiert aber unauffällig beobachtet. 

Phoenix zögerte nicht lange, trank ihr Glas leer und meinte: „Lasst uns denen Tag sagen.“

Fierce erhob sich ebenfalls.

„Ich komme dann von der andere Seite dazu!“, erklärte Eden.

‹Seht und hört genau hin und schickt uns, was ihr wahrnehmt!›, wies ich an.

Was bald darauf geschah. 

Alle fünf Männer trugen zweifingerbreite Armbänder. Das des Trolls war blau, eine Flüssigkeit bewegte sich darin. Der Ork hatte ein rotes Armband um, welches aussah, als sei es aus glühenden Kohlen gemacht. Der Elf trug ein hellblaues Armband, dessen Blau mit weißen Wolken durchmischt war. Das Armband des Zwergs war braun und grau und wirkte, als wäre es aus Steinen und Sand. Am ungewöhnlichsten war das Armband des Menschen, es war dunkel, waberte und wirkte irgendwie ätherisch. Die Effekte der Armbänder waren via AR verstärkt. Zudem hatten sie - wie ihre Besitzer - etwas magisches. Einzig die Aura des Menschen wirkte mundan, höchstwahrscheinlich war er maskiert. Laut ihrer Körpersprache waren die Männer nicht zum ersten Mal hier. Mehr noch, sie kannten sich hier aus. Zudem waren sie alle bewaffnet. 

Natürlich sagten sie nicht nein, als sich drei schöne Frauen zu ihnen setzen wollten. Phoenix plauderte charmant drauf los. „Hey, wie geht's?“, begann sie. „Ihr seid uns aufgefallen!“

„Ihr seid uns auch schon aufgefallen!“ erwiderte der Elf und versuchte, so cool wie möglich zu bleiben. 

Phoenix stellte zunächst die Damen und dann Mash vor. Letzterer hatte für alle eine frische Runde Getränke ausgegeben und war dann bewaffnet mit einem Tablett nachgekommen. 

Der Elf zögerte einen Moment und übernahm dann seinerseits die Vorstellung. Der Ork hieß Fuego, der Troll hatte den Namen Mississippi, der Zwerg hieß Rock, der Mensch Stalker und den Elfen nannte man Sirrus. „Zusammen sind wir Five-by-Five!“, schloss der Elf stolz seine Vorstellung.

„Cool!“, meinte Phoenix. „Auch die Namen.“

„Ihr aber auch!“, freute Sirrus sich. Woraufhin der Zwerg skeptisch das Gesicht verzog.

‹Fünf Rassen, fünf mal verschiedene Magie, wie außergewöhnlich›, fasste ich via Mindnet zusammen. ‹Vier von ihnen scheinen einem Element zugetan zu sein. Was der Mensch kann, ist nicht ganz klar. Fragt bitte nach.›

Was Phoenix umgehend tat. Sie sah die Männer der Reihe nach an. „Last mich raten, Feuer, Wasser, Erde, Luft“, verkündete sie. Ihr Blick blieb auf dem Menschen ruhen. „Aber was ist deine Spezialität?“

Der Ork antwortete für ihn: „Er ist darauf spezialisiert, hübsche Damen um den Finger zu wickeln!“

Bis auf Stalker und Rock lachten alle. 

Dann erklärte Sirrus: „Stalker ist unser Spezialist für den Astralraum! - Und, was macht ihr hier im Club? Außer einfach Spaß zu haben?“

Phoenix lächelte einladend und meinte geradeheraus: „Na, ehrlich gesagt suchen wir noch nach Verstärkung!“

„Echt?“, platzte es aus Fuego. „Das ist ja genial. Wir sind Verstärkung!“

Mississippi machte tellergroße Augen und auch Sirrus konnte es kaum glauben.

Rock reagierte brummig. Er hatte zuvor schon die Arme verschränkt und die Lippen zusammengekniffen. „Wir sind nicht billig, aber ihr könnt uns wahrscheinlich bekommen!“, stellte er fest.

Phoenix machte ihrer Schule als Reporterin alle Ehre, denn bevor sie etwas versprach, stellte sie Fragen.

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Die Jungs waren zusammen in South Boston aufgewachsen und hatten sich schon die ganze Zeit zueinander hingezogen gefühlt. In der Pubertät war ihre Magie erwacht und das hatte die fünf Freunde noch mehr zusammengeschweißt. 

Die Startgeschichte reichte, damit ich meine Genehmigung gab, sie nach Snow Haven einzuladen. Phoenix erklärte ihnen das mit der medizinischen Überprüfung, was ihnen zwar keine Freude sein würde, wofür sie aber Verständnis hatten. 

„Wer von SatHS ist denn noch alles da?“, wollte Fuego schließlich wissen.

„Das siehst du ja dann, wenn du da bist!“, erklärte Eden. 

„Ist Snowcat auch da?“, fragte Sirrus nach und räusperte sich im Anschluss schüchtern.

„Ja!“, erwiderte Fierce.

Mississippi meinte darauf: „Und, wie ist sie so?“ 

„Einfach nur toll!“, kam sofort von Fierce.

„Schöner als es das Trideo zeigen kann!“, fügte Phoenix hinzu.

„Eine fantastische Anführerin!“, erklärte Eden.

„Überlegen und unnahbar!“, ergänzte Mash abschließend.

Mir wurde wohlig warm ums Herz. 

Es war ja auch sehr schön, ihre Anführerin zu sein!

Wie gut, dass wir einander zu schätzen wussten.

Ende der Episode

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Wir freuen uns, dass du uns während dieser Geschichte begleitest hast, danken dir für’s Lesen und verbleiben bis zum nächsten Mal:

Snowcat and the Howling Shadows

An dieser Stelle bedanken sich die Spieler unserer Runde bei allen, die an der Entwicklung und Verarbeitung der Shadowrun®-Produkte mitgewirkt haben. Ohne ihre Arbeit wäre unser Spiel nicht möglich! 

We would like to thank the authors, artists and all others who are involved in the development of the Shadowrun® rules, adventures and stories. Without them, our game would not be possible.

Vielen Dank auch an @Vin für das Korrekturlesen. ;*

*reckundstrekgenüsslich* Hoffe Ihr habt Spass; *knutschi*